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Rezension Rezension (5/5*) zu Liebe ist die beste Therapie von John Jay Osborn.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Literaturhexle, 8. November 2018.

  1. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Eine Therapeutin, die man sich wünscht

    Gerne lasse ich mich auf neue Bücher aus dem Hause Diogenes ein. Dieses Buch erscheint wie üblich in (rotem) Leinen gebunden und der bekannten beige-weißen Farbe mit quadratischer Illustration auf dem Cover, die einen Mann und eine Frau zeigen, die voneinander weg gehen. Ganz Diogenes. Aber der Titel: „Liebe ist die beste Therapie“… Das weckt Assoziationen zu einfachen Liebes- und Urlaubsromanen, die ich eigentlich nicht lesen möchte. Was hat es damit wohl auf sich?

    Steve und Charlotte sind seit Jahren verheiratet. Sie sind beide berufstätig, leben in gutbürgerlichen Verhältnissen und haben zwei Kinder. Wir lernen die beiden im Besprechungszimmer der Ehetherapeutin Sandy kennen, denn sie haben sich getrennt, möchten ihrer Ehe aber durch die Therapie eine letzte Chance geben.
    Der gesamte Roman findet in diesem Zimmer statt, in dem drei rote und ein grüner Sessel zur Ausstattung gehören. Die meisten Gespräche führt Sandy mit beiden Eheleuten, es kommen aber auf Wunsch auch Einzeltermine zustande.

    Vordergründiger Trennungsgrund ist der Lebenswandel von Steve: Er arbeitete sehr viel, hat es durch viel Fleiß zum Partner in seiner Firma gebracht. Er hatte wenig Zeit für die Familie und hat sich um die Kinder gar nicht gekümmert. Zu allem Überfluss hat er seine Frau auch betrogen. Gerade der letzte Punkt brachte das Fass für Charlotte zum Überlaufen, fühlte sie sich entsetzlich hintergangen und verletzt.

    Mittlerweile ist sie eine neue Beziehung mit Bill, einem ebenfalls verheirateten Mann, eingegangen, der seiner Frau jedoch noch nichts über das Verhältnis gesagt hat.
    Steve trifft sich ebenfalls mit anderen Frauen, eine Tatsache, die Charlotte zwar stört, über was sie aber nicht weiter nachdenken möchte. Von Anfang an bemüht sich Steve ernsthaft, Dinge jetzt besser zu machen und sich zu verändern. Er möchte seine Frau zurückgewinnen.

    Das Buch besteht zu einem großen Teil aus Dialogen, es ist spannend und kurzweilig zu lesen. Hinzu kommt, dass der Leser auch die Gedanken der Therapeutin erfährt, die das Verhalten und die Aussagen ihrer Klienten blitzschnell auswertet und interpretiert. Sandy scheint fast allwissend, wenn sie Einfluss auf die Eheleute ausübt, in Gespräche interveniert und positiv manipuliert. Sie ist eine ungemein erfahrene Moderatorin, die Sachlichkeit in die Emotionen bringt und Hilfestellung leistet, um zum Kern der Grundprobleme vorzudringen. Sie ist eine zutiefst menschliche Therapeutin, die selbst auch schon Brüche im Leben erlebt hat und mit ihrer Mutter hadert.

    Im Verlauf des Buches nähern sich die Ehepartner mal aneinander an, mal entfernen sie sich wieder. Man wünscht den beiden, dass sie eine Chance für einen Neuanfang bekämen. Die Handlung erscheint mir sehr glaubwürdig. Die Therapeutin sucht nicht nach einer schnellen Versöhnung, sondern nach tragfähigen Lösungen, die beide Partner gleichberechtigt mittragen können. Das macht das Buch so interessant: Bis zum Ende scheint alles möglich zu sein.

    Insofern finde ich den deutschen Titel viel zu seicht, er impliziert, dass die Liebe allein alles heilen kann. Das greift für diese komplexe Ehetherapie, deren Zeuge wir werden, viel zu kurz. Der Originaltitel: „Listen to the marriage“ erhält seinen Sinn beim Lesen – ob er wirklich besser ist, vermag ich nicht zu entscheiden.

    Wer Freude daran hat, sich auf ein psychologisch forderndes und trotzdem unterhaltsames Kammerspiel einzulassen, dem gebe ich meine volle Lese-Empfehlung!


     
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