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Rezension Rezension (5/5*) zu Kenia Valley von Kat Gordon.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Bibliomarie, 15. Mai 2018.

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  1. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

    Registriert seit:
    10. September 2015
    Beiträge:
    462
    Zustimmungen:
    216
    Unter Kenias Himmel

    Mit 15 kommt Theo mit seiner Familie nach Kenia. Es sind die 20iger Jahre, Engländer haben Kenia als Kolonie annektiert, sie bauen Eisenbahnen, wie Theos Vater oder leben als Gentleman Farmer. Eine schillernde, exotische Welt in der alles möglich scheint.

    Theo lernt den charmanten, viel älteren englischen Lord Hamilton kennen. Er bewundert Freddie und dessen Geliebte Sylvie. Die frivole Welt der Partys und freizügigen Feste faszinieren ihn, genau wie ihm die Aufmerksamkeit gefällt, die ihm entgegengebracht wird. Immer tiefer rutscht Theo in diese Clique mit ihren Alkohol- und Drogenexzessen und wilden freizügigen Treffen. Ohne Führung der Eltern – der Vater oft abwesend und die Mutter seltsam desinteressiert – verliert sich Theo in dieser Scheinwelt. Theo taumelt ziemlich orientierungslos durch diese Welt und sein innerer Kompass scheint nicht mehr zu funktionieren. Einzig seine jüngere Schwester Maud ist ein Anker für ihn. Als Theo nach einigen Jahren des Studiums in Schottland als junger Mann nach Kenia zurückkehrt, ist es sein sehnlichster Wunsch, wieder dort anzuknüpfen, doch nichts ist mehr so wie es war.

    Dieser farbig-exotische Roman erinnerte mich immer wieder an Scott Fitzgerald. Es ist eine dekadente und sterbende Welt, die hier inszeniert wird. Hinter all den Ausschweifungen stehen brüchige Charaktere, die ihre innere Zerrissenheit unter Charme und Freizügigkeit verstecken. Ihre Vergnügungen überdecken nicht die Leere und Hohlheit ihrer Leben. Das Portrait dieser Zeit und dieser Gesellschaftsschicht scheint mir sehr gelungen. Daneben macht es wirklich Vergnügen, in diese Welt abzutauchen. Es wird nie ein kitschiges Afrikabild gezeichnet, doch man spürt die Faszination dieses Landes aus jeder Seite.

    Der geschichtliche Hintergrund hat mir sehr gefallen, die überhebliche Haltung der weißen Kolonialmacht, die das Land als endlose, nur zur ihrer Verfügung stehende Ressource begreifen. Die allmählich in Europa beginnende Veränderung und das Erstarken der Widerstandsbewegung der einheimischen Bevölkerung sind Dinge, die nicht mehr auszublenden sind. Es wird deutlich, dass sich der „Kenia Valley Set“ am Ende befindet, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen.

    An den Protagonisten konnte ich mich reiben, charmant und intrigant, freundlich und verlogen, großzügig und gierig - aber nie nur schwarz-weiß gezeichnet, wie es eben das Leben vorgibt.
    Mir hat der Roman sehr gut gefallen und Klappentext und Cover haben nicht zu viel versprochen. Ein intensives Leseerlebnis hat mich erwartet.


     
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