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Rezension Rezension (5/5*) zu Hinter der Tür von Magda Szabó.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Anjuta, 29. Juni 2018.

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  1. Anjuta

    Anjuta Bronze Mitglied

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    8. Januar 2016
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    295
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    Abweisung, Anziehung, Geheimnis

    Ungarische Literatur ist bisher selten auf meinen SUB, geschweige denn in meine Lesehände gelangt, aber dieses Buch hat es – verdientermaßen – geschafft.
    Ein Kurzbesuch in Budapest hatte meine Aufmerksamkeit für dieses Land hervorgerufen und dann hat mich das Cover des Buches einfach gefesselt, auf dem Martina Gedeck und Hellen Mirren starr an mir vorbei sehen und dabei ein Seelenleben eröffnen, in das ich gern in diesem Buch eintauchen wollte. Dass dabei keine einfachen Charaktere, sondern auch seelische Abgründe vor mir stehen würden, war mir bei diesem Cover dabei von vornherein klar.
    Magda Szabó ist nicht nur die Autorin dieses Romans aus dem Jahr 1987, sondern vordergründig auch eine der Hauptakteurinnen in seinem Geschehen, auch wenn hier eine 1:1-Übertragung sicher fragwürdig ist. Aber diese Akteurin ist erfolgreiche, preisgekrönte Schriftstellerin in Budapest mit dem Vornamen Magda, was in der Fülle der Parallelen kein Zufall sein dürfte.
    Die Handlung des Buches ist schnell erzählt: Der Roman schildert die Beziehung von zwei Frauen – der oben genannten Schriftstellerin und ihrer langjährigen Haushaltshilfe Emerenc, die dieser Arbeit sehr gut, aber dabei auch mehr als unkonventionell nachkommt. Über mehr als 20 Jahre entwickelt sich diese Arbeitsbeziehung, die aber sehr viel mehr wird als das. Und sehr viel komplexer wird. Denn auch wenn von der Konstellation her das hierarchische Verhältnis zwischen den beiden Frauen klar und deutlich geklärt zu sein scheint, bekommt der Leser doch immer wieder den Eindruck, dass es letztlich Emerenc der bestimmende Charakter ist. Klares Symbol für diese Umkehrung der Verhältnisse ist etwa die Umgangsweise mit dem Hund des Schriftstellerpaares, den Emerenc durch ihre ganz besondere Art der Einflussnahme auf ihre Umwelt letztlich zu ihrem Hund macht, der nur mit Zustimmung und durch die Güte der Emerenc im Haushalt des Schriftstellerpaares verbleibt. Überhaupt steht die „ganz besondere Art und der Lebensweise“ der Emerenc, die irgendein Geheimnis hinter der stets verschlossenen Tür ihres Zuhauses verbirgt, im Zentrum des Romans. Sie ist ein abweisender und verschlossener Charakter, der aber trotzdem eine unglaubliche Anziehungskraft nicht nur auf die Schriftstellerin Magda, sondern auf viele andere Personen in ihrer Umgebung ausübt. Dem Leser bleibt dabei die lesenswerte Rolle, dieser Anziehungskraft und ihrer Quelle nachzuspüren und ihr auf die Spur zu kommen. Das gelingt bis zum Ende hin dennoch, wenn überhaupt, dann nur unvollkommen und macht in seiner geheimnisvollen Unverständlichkeit den Reiz des Buches aus. Der nicht hervorgerufen werden könnte, wenn das ganze Geschehen, das eigentlich nichts anderes als die Gestaltung von feinen Beziehungsgeflechten ist, in einer sehr intensiven, feinen und packend-treffenden Sprache verfasst wäre. Ich jedenfalls konnte in den Roman wirklich eintauchen. Und kann ihm nur viele Leser wünschen. Die Verfilmung mit Martina Gedeck und Hellen Mirren hoffe ich, irgendwann einmal sehen zu können. Für einen Tipp bin ich dankbar.


     
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