1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
Information ausblenden

Du bist neu hier?

Unter dem folgenden Link findest Du Hilfe für den Einstieg
Das bietet whatchareadin für Leser 

Rezension Rezension (5/5*) zu Froschperspektive von Seb Hofmann.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von huskie-style, 9. September 2018.

  1. huskie-style

    huskie-style Silber Mitglied

    Registriert seit:
    30. April 2014
    Beiträge:
    133
    Zustimmungen:
    135
    absolut gelungenes Debüt!

    Ronny Winkler, Baujahr 1985, ist geboren in Karl-Marx-Stadt. In seiner Erzählung in der Ich-Form schildert er dem Leser sein Leben von der Kindheit über Schule bis zum Studium.

    Bereits im Kindergarten erlebt er seelische Misshandlungen und Demütigungen, zudem ist seine allein erziehende Mutter hoffnungslos mit ihm überfordert. Derart geprägt, tritt er seiner Umwelt gegenüber aggressiv und abnorm auf. Trost und Halt findet er in seinem Plüschfrosch Gerd, liebevoll Gerdi genannt. Dieser fungiert nicht nur als reines Kuscheltier, sondern artikuliert die Gefühle, zur deren Ausdruck Ronny selbst nicht fähig ist. Außerdem ist er das Mittel, um sich den Kontakt zu Elisa zu erschleichen. Sie ist seine große Liebe, von der er nicht mehr lassen kann.

    Diese Fixierung auf Elisa begleitet ihn auch auf seinem weiterhin, nachdem sich ihre beiden Wege getrennt haben und der Kontakt nur noch sporadisch erfolgt. Nach dieser Trennung sucht Ronny nach dem Glück, das ihm seiner Meinung nach zusteht. Allerdings setzt er Glück mit Triebbefriedigung gleich, und ein negativer Ausgang der Geschichte scheint vorprogrammiert.

    Ronnys Charakter ist derart kaputt, dass es schwierig ist, ihm auf emotionaler Ebene zu folgen. Auf der einen Seite ist er ein Opfer, auf der anderen Seite ein egoistischer manipulativer Geselle, der nicht nur die Frauen für seine Zwecke missbraucht. Seine Geschichte ist meiner Meinung nach eine absolut gelungene Fallstudie für Psychologen.

    Seb Hofmann hat es meisterhaft verstanden, diese kaputte Seele zu zeichnen. Und dafür braucht es keine langen, ausschweifenden Satzgebilde. Der Schreibstil ist angesichts Tiefe der Geschichte kurz und knapp, mitunter auch dissoziativ und gerade zum Ende hin vulgär, aber immer punktgenau.

    “Froschperspektive” verlangt dem Leser Einiges ab. Ronny Entwicklung ist manchmal schwierig zu ertragen. Aber genau das ist das große Plus hier, denn es wühlt auf und lässt dem Leser ausgiebig Raum, seine eigenen Gedanken zu entwickeln.

    Und wenn ein Buch bei mir auch noch eine Woche nach Beendigung noch nachhallt, so wie in diesem Fall, bleibt nur zu sagen: absolutes Knaller-Debüt! Ich hoffe inständig, dass der Autor mit Ronny nur das Geburtsjahr und das Bundesland der Geburt gemein hat.

     
Die Seite wird geladen...
Die Seite wird geladen...