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Rezension Rezension (5/5*) zu Die Geschichte des verlorenen Kindes von Elena Ferrante.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Xirxe, 12. Februar 2018.

  1. Xirxe

    Xirxe Aktives Mitglied

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    Das Ende einer Freundschaft, die ich vermissen werde

    Lila und Lenu, die Ich-Erzählerin, sind nun beide in den Dreißigern und treffen sich im Rione wieder, dem Ort ihrer Kindheit. Lila hat sich gemeinsam mit Enzo, einem Freund ihrer Kindheitstage, ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut, während Lenu nach ihrem Studium eine erfolgreiche Autorin wurde. Für ihre große Jugendliebe Nino hat sie ihren Mann verlassen und ist gemeinsam mit ihren beiden Töchtern zurück nach Neapel gezogen. Noch immer verbindet die beiden Frauen ihre Freundschaft aus Kindertagen und als sie zeitgleich schwanger sind, kommen sie sich fast so nahe wie früher. Doch das Leben Beider erfährt jeweils eine dramatische Wendung, die Alles verändert.

    So, wie sich die beiden Protagonistinnen im Laufe der Zeit verändern, wandelt sich auch der Stil des Buches. Während in den vorhergehenden Bänden das 'Außenleben' eine wichtige Rolle spielte, sind es nunmehr die Reflexionen der Ich-Erzählerin über sich selbst und ihre Freundin Lila, die überdies zunehmend komplexer werden. Obwohl Lenu mittlerweile gebildet und erfolgreich ist und Lila gerade einmal die fünfte Klasse Grundschule abgeschlossen hat, verspürt Lenu noch immer Minderwertigkeitskomplexe gegenüber ihrer Freundin. Doch man spürt auch, welchen Einfluss der Rione, ihre neue alte Heimat, auf sie hat. Noch immer ist es ein Ort der Gewalt und der Unterdrückung, obendrein ist mit dem Drogenhandel ein neues Geschäftsfeld aufgetaucht. Die gebildete, erfolgreiche Autorin realisiert, dass ihr diese Welt fremd geworden, während ihre Freundin, die den Rione nie verlassen hat, noch immer ein Teil davon ist. Zunehmend fühlt sich Lenu von Lila manipuliert und benutzt, damit diese ihre eigenen Interessen durchsetzt.

    Beim Lesen war ich immer wieder auf's Neue hin- und hergerissen: Ist Lila tatsächlich so ein Biest, wie Lenu sie gelegentlich beschreibt? Oder ist sie nicht vielmehr eine Art Lichtgestalt, einer der wenigen Menschen, die ihre Werte und Überzeugungen auch dann vertreten, wenn sie ihnen zum Nachteil gereichen? Jemand, die sich der Konsequenz ihrer (eventuellen) Handlungen bewusst ist und entsprechend verstandesmäßig entscheidet? Ihren Verstand stets über ihre Gefühle stellt? Und Lenu nur aufgrund ihrer Komplexe Lila alles Mögliche unterstellt? Ich bin mir sicher, diese vier Bände werden künftigen GermanistikstudentInnen eine Menge Material für Interpretationen und Erörterungen bieten ;-)

    Ich habe die Figuren dieser Neapel-Saga während des Lesens der vier Bände lieb gewonnen und hatte das Gefühl, mich tatsächlich im Rione ein bisschen auszukennen. Vielleicht sollte ich nun, nachdem ich von dort nichts mehr zu Lesen bekomme, mal selber nach Neapel fahren ;-)

     
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  2. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Das ist immer eine gute Idee. Dem Reisen in Büchern noch vorzuziehen!
    Deine Rezi klingt doch prima, werde mir das Hörbuch gleich noch Laden. Dann kann es morgen losgehen. Im dritten Teil ging es mir etwas politisch zu: immer wieder Faschisten gegen Kommunisten. Das scheint ja überstanden.
    Aber wie auch immer: der vierte Teil muss nun auch noch sein :)
     
  3. Xirxe

    Xirxe Aktives Mitglied

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    Naja, die Politik spielt immer noch eine Rolle, aber doch mehr am Rande. Wie im wahren Leben sind in den Zwanzigern viele Menschen ja am politischsten, doch wenn die Familie kommt, gerät es eher an den Rand. Hier ist es ähnlich, auch wenn die Politik noch ein Bestandteil bleibt.
    Ich wünsche Dir schon mal vorab viel Vergnügen beim Hören!
     
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