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Rezension Rezension (5/5*) zu Der unsichtbare Roman von Christoph Poschenrieder.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Leseglück, 3. Dezember 2019.

  1. Leseglück

    Leseglück Aktives Mitglied

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    Ein Roman im Auftrag des Auswärtigen Amtes

    Der heutzutage eher unbekannte Autor Gustav Meyrink veröffentliche Anfang des 20. Jahrhunderts einige Roman, darunter einen Beststeller mit dem Titel: "Golem". Darüber hinaus war er durch seine Veröffentlichungen in der historischen Satirezeitung "Simplicissimus" bekannt. Christoph Poschenrieder stellt nun diesen Autor in den Mittelpunkt seines neuen Romans. Er ist genau der richtige Schriftsteller um sich Gustav Meyrink zu widmen, denn er hat wie jener Talent zur Ironie und Satire.

    In Christoph Poschenrieders Roman mit dem geheimnisvollen Titel: "Der unsichtbare Roman" begegnen wir Gustav Meyrink im Jahr 1918, dem letzten Jahr des Ersten Weltkrieges. Meyrink wird vom damaligen Auswärtigen Amt gebeten, eine Art Propaganda Roman zu schreiben, in dem er die Freimaurer als die eigentlichen Schuldigen am Weltkrieg darstellen soll. Was wie eine Farce klingt ist doch historisch verbürgt. Diesen Auftrag hat es tatsächlich gegeben. Historisch belegt ist ferner, dass Gustav Meyrink zwar eine Vorschusszahlung angenommen, einen entsprechenden Roman aber nie abgeliefert hat.
    Die historischen Faken werden in dem Roman als sogenannte Recherchenotizen eingefügt. Sie lassen jedoch genügend Raum für Fiction, den Christoph Poschenrieder geschickt nutzt. Demnach ist Meyrink verblüfft über das Ansinnen des Auswärtigen Amtes. Zitat. " Wenn die Bevölkerung wüsste, für welche Dinge die Kriegsanleihen ausgegeben werden...Pointen statt Granaten - die beiden haben wenigstens etwas gemeinsam: zünden nicht immer."
    Meyrink ringt mit sich, ob er den Auftrag annehmen soll, entscheidet sich dann aus finanziellen Gründen dafür. Das liest sich bei Poschenrieder folgendermaßen: " Es zwickt und beißt, wie man es zurechtzupft. Meyrink weiß einfach nicht ob er sich ärgern oder freuen soll. Es zwickt und beißt übrigens auch im Portemonnaie."
    Der Roman ist weitgehend in diesem ironisch Stil geschrieben, für die Darstellung eines Satririkers sehr passent.

    Meyrink, wohnhaft am Starnberger See, begibt sich zu Recherchezwecken immer wieder in den Münchner Stadtteil Straubing, wo er sich in Cafes mit anderen Künstlern trifft. Dort erlebt er die turbulenten letzten Tage des ersten Weltkriegs, die Müncher Revolution und zuletzt die Ausrufung der Münchner Räterepublik. Mit seinem Auftragsroman kommt Meyring jedoch überhaupt nicht voran. Das Auswärtige Amt sitzt ihm im Nacken, nur die Schreibblockade will sich nicht lösen.
    Am Ende des Romans findet Christoph Poschenrieder nicht nur eine unerwartete Lösung für die Beendigung der Schreibkrise, sondern auch eine Antwort auf die Frage nach der Schuld am Ersten Weltkrieg.

    Christoph Poschenrieders Roman ist vielschichtig konstruiert, voller Humor, Ironie und Pointen, die eigentlich immer zünden. Er kann schweren Stoff leicht darstellen, ohne dass es an Tiefe fehlt. Eine klare Leseempfehlung für Liebhaber von satirisch - tiefsinniger Lektüre.




     
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