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Rezension Rezension (5/5*) zu Der Sänger von Lukas Hartmann.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Tiram, 28. April 2019.

  1. Tiram

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    Das traurige Schicksal eines begnadeten Sängers

    Das Buch erschien am 24. April dieses Jahres beim Diogenes-Verlag und hat nur 288 Seiten. Ein bisschen wenig, habe ich erst gedacht, aber es scheint wohl hauptsächlich um die letzten traurigen Monate des Lebens des weltberühmten Tenors Joseph Schmidt zu gehen.

    Ich wusste über Joseph Schmidt bis vor Kurzem, dass er ein begnadeter Tenor war. Ein Lied geht um die Welt beschert mir immer wieder eine Gänsehaut. Den Film und die Platte habe ich noch zu DDR-Zeiten gesehen und gehört. Dann war er für Jahrzehnte aus meinem Blickfeld verschwunden.
    Erst sehr viel später habe ich über sein trauriges Ende erfahren. Und nun dieses Buch. Er scheint ein Mann zu sein, der nur für seine Musik lebt. Der ohne ihr nicht lebensfähig ist. Einerseits ist das ja bewunderungswürdig. Andererseits: Ist so ein Mensch fähig, echte Verbindungen mit anderen Menschen einzugehen? Wenn ich da an Lotte und seinen Sohn Otto denke, scheint es mir nicht so. Er ist noch nicht mal fähig, die Verantwortung für sein Kind zu übernehmen. Das kratzt ein wenig an dem positiven Bild, das ich von Joseph Schmidt hatte.

    Doch dann erinnerte ich mich an eine Dokumentation, in der es um richtige Weltstars geht. Dass das zum großen Teil Menschen sind, die sich der Öffentlichkeit präsentieren müssen. Sie können gar nicht anders. Viele von ihnen sind auch nicht in der Lage, ein normales Leben zu führen. Und wenn ihr Stern am Sinken ist, dann fallen sie in ein tiefes Loch und wissen nicht, wie weiter. Unter diesem Gesichtspunkt kann ich Joseph Schmidt dann verstehen. Er war ja ein Mensch, ein Künstler, der nur für seine Musik gelebt hat. Die Frauen lagen ihm zu Füßen und er genoss es.

    Und nun? Es ist das Jahr 1942 - in Deutschland hat er als Jude keine Zukunft mehr. Er floh nach Frankreich und als es auch dort nicht mehr sicher war, fuhr er mit dem Zug in Richtung Schweiz. Doch an der Grenze erkannte man ihn kaum und mit seinem ungültigen Pass kam er auf legalem Weg nicht rüber...

    Aber auf illegalem Weg schaffte er es - und kam in ein Internierungslager - total geschwächt, heiser und mit Herzschmerzen. Vernünftiges Essen gab es nicht, als Schlafstatt standen nur Strohlager und eine Decke zur Verfügung und es wurde nicht geheizt. Die jüdischen Flüchtlinge mussten arbeiten, doch Joseph Schmidt wurde immer schwächer, bis er endlich von einem Arzt untersucht wurde, dessen Frau eine Verehrerin von Schmidt war. So kam er in ein Spital.

    Ich bin Jahrgang 1964, in der Schule wurden der 1. und 2. Weltkrieg thematisiert, wir haben "Anne Frank" gelesen und heute, wo "Gegen das Vergessen" ein Herzensthema von mir ist - muss ich Parallelen ziehen zwischen damals und heute.
    Dieses Buch thematisiert die Flüchtlingsfrage - wie sie sich damals besonders den neutralen Ländern Schweden und der Schweiz stellte. Gestern wie heute sind es dieselben Meinungen und ängstlichen Fragen. Und gestern wie heute gibt es - bisher zum Glück nur eine Minderheit -, die diese Ängste schüren.
    Ich hoffe und wünsche mir sehnlichst, dass Deutschland, Europa eine Lösung finden, wie sie verantwortlich damit umgehen. Fremdenhass, Diskriminierung und Ausgrenzung dürfen bei uns keinen Platz haben.

     
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