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Rezension Rezension (4/5*) zu What Does This Button Do?: Die Autobiografie von Bruce Dickinson.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Renie, 18. Mai 2018.

  1. Renie

    Renie Moderator
    Mitarbeiter

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    ein interessanter Typ über sein interessantes Leben

    Die legendäre Heavy Metal Band "Iron Maiden" wurde 1975 gegründet. Seit dieser Zeit gab es ein ständiges Kommen und Gehen, was die Mitglieder der Band angeht. Bruce Dickinson ist der aktuelle Sänger und gehört seit 1981 zu der Band (mit einer kurzen Unterbrechung).
    Als Rocksänger erlebt man Einiges. Als Rocksänger und Pilot erlebt man noch mehr. Als Rocksänger, Pilot, Fechter, Bierbrauer, Romanautor, Radiomoderator, Drehbuchautor etc. erlebt man noch viel viel mehr. Grund genug, eine Autobiografie zu verfassen. Denn schreiben kann Bruce Dickinson, wie er bereits in vielen Songtexten, Romanen und Drehbüchern bewiesen hat.
    Die Autobiografie beginnt mit seiner Kindheit, in der er sich in der Schule als bad boy präsentiert. Er musste häufig die Schule wechseln. Denn der Einzelgänger und Außenseiter hatte ein Problem mit der Disziplin und dem vorherrschenden Schulreglement. Schon früh entdeckte er seine Affinität zur Rockmusik. Nachdem er größeres Talent beim Singen als beim Schlagzeug spielen (das er zuerst favorisiert hat) bewies, stieg er bei der Band "Samson" ein, mit denen er dann einige Jahre aufgetreten ist.

    "Wer das Phänomen Iron Maiden nicht versteht, wird niemals begreifen, welchen Einfluss die Band auf das Leben unzähliger Menschen gehabt hat. Im Lauf der Jahre hat sie Millionen von Menschen immer wieder in ihrem Selbstwertgefühl bestätigt. Popmusik, Trends und die sinnlose Dekadenz sogenannter Celebritys, damit hatten Maiden nie etwas zu schaffen. Maiden - das war schon immer harte Arbeit, handfest, echt und vielschichtig, aber auch erdig und aggressiv." (S. 337)

    1981 bewarb er sich als Sänger bei der Band "Iron Maiden" und wurde unter Vertrag gestellt. In Bruce Dickinsons Autobiografie folgen unzählige Seiten über das Miteinander der Bandmitglieder, Iron Maiden's Auftritten, die Studioarbeit zu neuen Alben, Tourneen etc. etc. etc. Denkt man an das Leben eines Rockstars, so denkt man an Sex, Drugs and Rock'n Roll. In Dickinsons Biografie gibt es kaum Sex, einige Drogen, dafür ganz viel Rock'n Roll. Jemand wie ich, der die Rockmusik der 80er und 90er Jahre gehört hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Dickinson gibt seine Erlebnisse in der Rockszene wieder. Für mich war das manchmal trotzdem verwirrend. Insbesondere, wenn er von einzelnen Personen aus der Musikszene berichtet. Oder über Iron Maiden Songs, von denen ich leider nur wenige kenne. Daher habe ich einige Passagen in diesem Buch als langatmig empfunden. Man hätte mit Sicherheit einiges weglassen können. Aber ich verstehe den Autobiografen. Die Entscheidung, was wichtig und unwichtig ist, fällt schwer, wenn man sich in dem Rückblick auf sein bisheriges spektakuläres Leben verliert. Insbesondere, wenn man keine Minute missen möchte und sein Leben mit Stolz, Selbstironie und einem breiten Grinsen erzählt. Denn so kommt es einem vor, wenn man die Autobiografie von Dickinson liest.

    "Was für ein durchgeknalltes Leben, dachte ich bei mir. Dann schaute ich nach links und sah Brian May, der mit geschlossenen Augen neben mir hockte und sehr wahrscheinlich etwas ganz Ähnliches dachte. Ich ließ ihn. Was für eine verrückte Welt, in der Tat." (S. 213)

    Die besonderen Momente in diesem Buch waren für mich nicht die Eskapaden einer Rockband, sondern

    Dickinsons Beschreibung eines Aufenthalts von Iron Maiden in Sarajewo zur Zeit des Balkankrieges: Seine Darstellung des Kriegsszenarios, in das die Band aus Leichtsinn und Naivität gerät, ist sehr intensiv. Zeuge der Kriebsgräuel zu werden, macht aus dem bis dahin fast schon oberflächlich wirkenden Rockstar einen nachdenklichen und ernsthaften Mann, der den Leser seine Betroffenheit spüren lässt.
    Dickinsons Beschreibung seiner Krebserkrankung:

    "Am 12. Dezember wurde bei mir Hals- und Kopfkrebs diagnostiziert, und die Welt hörte auf, sich zu drehen."

    Sein Umgang mit der Krankheit ist bewundernswert. Er empfindet die Krebstherapie als Herausforderung und Profession, die es zu meistern gilt. Dickinson lässt sich nicht unterkriegen und erträgt die Behandlung mit viel Optimismus. In der Art, wie er den Heilungsprozess beschreibt, macht er jedem Mut, der selbst mit diesem Schicksal konfrontiert wird.

    "Auf die Frage 'Warum ich?' wusste niemand eine Antwort. In Wahrheit ist es vermutlich einfach nur verdammtes Pech, dachte ich. Niemand hatte es auf mich abgesehen, und der Krebs war nichts weiter als eine Anomalie. Ich überlegte, ob ich ihn hassen sollte, aber Hass über längere Zeit hinweg ist einfach nicht mein Ding. Was Wut angeht, bin ich eher der spontane, aufbrausende Typ. Ich entschied, dass das Leben zu kurz war, um den Krebs zu hassen. Also würde ich ihn lieber wie einen ungebetenen Gast behandeln und ihm so freundlich wie unmissverständlich die Tür weisen." (S. 417)

    Bruce Dickinson ist heute 60 Jahre alt und singt immer noch für Iron Maiden - neben all den anderen Dingen, die er macht. Er hat viel zu erzählen. Und er scheint fast nicht glauben wollen, was er bisher alles in seinem Leben erlebt hat. Mit viel Humor und Augenzwinkern berichtet er von seiner unfassbar ungewöhnlichen Karriere. Und ich habe nicht den Eindruck, dass es das für ihn gewesen ist. Der Mann strotzt nur so vor Energie, die er hoffentlich noch in viele interessante Projekte investieren wird.

    © Renie

     
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