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Rezension Rezension (4/5*) zu Trywwidt: Kaiserin der ewigen Nacht von Klara Bellis.

Dieses Thema im Forum "Fantasy & Phantastik" wurde erstellt von Mikka Liest, 18. Juni 2017 um 22:39 Uhr.

  1. Mikka Liest

    Mikka Liest Silber Mitglied

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    Zwitschernde Elfen und blutsaugende Pflanzen

    Der Klappentext lässt es bereits vermuten: über dieses Buch könnte man alles Mögliche sagen, aber die Wörter "fade", "abgedroschen" oder "Durchschnitt" gehören in meinen Augen definitiv nicht dazu. Ja, es gibt Elfen. Ja, es gibt Vampire. Nein, irgendwie ist hier alles ein bisschen anders, als man es von Elfen oder Vampiren erwarten würde, und das ist auch gut so.

    Die Elfen sind hier zwar schon irgendwie umweltbewusste Baumkuschler, wie sich das gehört, aber außerdem sind sie den Menschen technologisch meilenweit voraus: Tarnkleidung, ausgeklügelte Simulationen, ein durchorganisierter Geheimdienst, Datenkäfer und ein telepathisches Kommunikationssystem... Allerdings kriegen sie es wirklich wesentlich besser hin als wir, die Technologie verantwortungsbewusst zu verwenden und dabei ihre Umwelt nicht mit Stinkekisten und Chemie zu vergiften. Und die Vampire glitzern weder, noch wirken sie, als seien sie den Seiten von Anne Rice's Büchern entsprungen! (Hurra!)

    Die Geschichte bietet eine originelle Mischung aus Fantasy, Action, durchgeknalltem Humor und Spannung. Wobei sich die Spannung für mich anfangs vor allem daraus ergab, dass nicht einer der Protagonisten so wirkte, als könnte er oder sie ein Ziel tatsächlich erreichen! Denn was wir hier haben, ist eine Gruppe von klassischen "Underdogs": Außenseiter, Sonderlinge oder einfach nur riesengroße Pechvögel. Kurz gesagt: Anti-Helden, wie sie im Buche stehen.

    Klaus ist ein fauler, übergewichtiger Langzeitstudent mit Messie-Veranlagung. Ira wurde von ihrem Freund verlassen, erstickt ihren Kummer mit Schokolade und springt mit Anlauf von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen. Trywwidt ist für eine Elfe viel zu emotional und neigt dazu, ihre Einsätze spektakulär zu verpatzen. Und Korwin, der Vampir, ist mit einer goldigen alten Nachbarin geschlagen, die versucht, ihn mit Obst und Gemüse aufzupäppeln.

    Ehrlich gesagt war mir der Humor ganz am Anfang manchmal zu nah dran am Fremdschämen, wenn Ira zum Beispiel verschläft und mit fettigen Haaren und nach Schweiß stinkend zum Vorstellungsgespräch erscheint. Außerdem kamen mir die Charaktere zunächst auch ein klein wenig klischeehaft vor! Aber das Buch groovt sich schnell ein, und das Schöne ist, dass die Charaktere die Klischees bald hinter sich lassen und zeigen, dass wesentlich mehr in ihnen steckt. Man erfährt viel über ihre Hintergrundgeschichten, woraufhin ihre Schwächen und Marotten direkt viel liebenswerter und verständlicher erscheinen. Sie sind mir richtig ans Herz gewachsen!

    Auch der Humor gefiel mir dann doch noch ziemlich gut, obwohl oder gerade weil er sehr eigen ist. Besonders witzig fand ich Trywwidts Kulturschock in der Menschenwelt: sie kann vieles überhaupt nicht nachvollziehen und muss sehr über ihren Schatten springen, um mit diesen barbarischen Menschlingen klarzukommen. (Überall tote Bäume!!!)

    Eine kitschige Standard-Liebesgeschichte gibt es nicht: Zum einen sehen die Elfen Sex ziemlich locker – der muss nicht unbedingt was mit Liebe zu tun haben (kann aber). Und zum anderen entwickeln sich zarte Gefühle hier manchmal eher widerwillig und zwischen den unwahrscheinlichsten Charakteren. Und gerade das macht es auch für Romantikmuffel wie mich so rührend!

    In der zweiten Hälfte des Buches wird die Geschichte zunehmend spannender, denn für unsere (Anti-)Helden wird die Lage ganz schön brenzlig. "Das" Widersacher (ich will noch verraten, ob Männlein oder Weiblein) war meines Erachtens vielleicht keine große Überraschung, aber ich fand sehr interessant, wie die verschiedenen Handlungsstränge zusammenhingen und was hinter all dem steckte! Das ist alles wahnsinnig einfallsreich.

    Klara Bellis' Schreibstil hat eine sehr prägnante "Stimme", mit ungewöhnlichen Formulierungen und tollen Metaphern. In den ersten Kapiteln wirkte er auf mich manchmal etwas holprig, aber im Laufe des Buches gefiel er mir immer besser!

    Fazit:
    Eine blutsaugende Pflanze, die die Zombie-Apokalypse auslösen könnte, oder zumindest etwas sehr Ähnliches. Eine Elfe auf geheimer Mission in der Menschenwelt. Ein Vampir, der sich wünscht, er wäre besagter Elfe nie begegnet (und der definitiv nicht glitzert). Und zwei ganze normale Menschen, die irgendwie in die ganze Geschichte hineingeraten sind, obwohl ihre größten Sorgen bisher Übergewicht und Pech in der Liebe waren.

    "Trywwidt" ist Fantasy jenseits der Klischees, dafür aber mit viel schrägem Humor und einer Gruppe unwahrscheinlicher Helden, die mit sich selbst genauso zu kämpfen haben wie mit ihren Widersachern... Ich brauchte ein paar Kapitel, um in die Geschichte hineinzufinden und mich mit den Charakteren anzufreunden, aber dann gefiel mir das Buch sehr gut! Es ist auf jeden Fall mal ganz was Anderes, was ich sehr erfrischend fand.


     
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