Rezension Rezension (4/5*) zu Oxen von Jens Henrik Jensen

parden

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13. April 2014
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49
Niederrhein
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Buchinformationen und Rezensionen zu Oxen. Das erste Opfer von Jens Henrik Jensen
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Politische Ränkespiele in Dänemark...


Niels Oxen, ein schwer traumatisierter Elitesoldat, zieht sich in die Einsamkeit der dänischen Wälder zurück, um seinen inneren Dämonen zu entkommen. Doch bei einem nächtlichen Besuch des Schlosses Nørlund wird er zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall: Hans-Otto Corfitzen, Exbotschafter und Gründer eines Thinktanks, wurde auf dem Schloss zu Tode gefoltert. Oxen gerät in die Fänge des dänischen Geheimdienstes. Seine einzige Chance: Zusammen mit der toughen Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck muss er die wahren Täter ausfindig machen. Die Spuren führen zu einem übermächtigen Geheimbund.

Der Thriller beginnt dramatisch mit gleich zwei brutalen Morden, bevor der Protagonist ins Geschehen wankt. Niels Oxen sieht man nicht mehr an, dass er ein hochdekorierter ehemaliger Elitesoldat ist. Er bevorzugt, möglichst unsichtbar am Rande der Gesellschaft vor sich hin zu vegitieren, sich sein Essen aus Mülleimern zusammenzuklauben und durch den Verkauf gesammelter Pfandflaschen für ausreichend Nachschub an Hochprozentigem und Hasch zu sorgen. Beides Mittel, die er dringend benötigt, um v.a. seine nächtlichen Dämonen in den Griff zu bekommen, die stets wiederkehrenden Albträume.

Oxen leidet an einer ausgeprägten posttraumatischen Belastungsstörung und bekommt die Bilder von diversen Auslandsaufenthalten zu seiner Zeit als Elitesoldat nicht mehr aus dem Kopf. Um endlich Frieden zu finden, macht er sich mit seinem Hund 'Mr. White' auf den Weg, um sich in die tiefen Wälder im Norden Dänemarks zu schlagen, wo er sich sicher sein kann, kaum je einem Menschen zu begegnen. Doch seine eigene Neugier wird ihm zum Verhängnis. Als er sich nachts heimlich Zutritt zum Gelände von Schloss Nørlund verschafft, um sich die Anlage ohne Wissen des Besitzers von außen anzuschauen, wird er Zeuge mysteriöser Vorfälle. Er flieht zwar rechtzeitig, doch hinterlässt er einen deutlichen Fußabdruck - und erfährt am nächsten Tag, dass der Schlossherr auf gewaltsame Weise ums Leben gekommen ist.

Viele Spuren weisen auf ihn als möglichen Täter hin, und so nimmt Oxen schließlich fast erleichtert das Angebot an, in dem Mordfall an dem ehemaligen Botschafter Hans-Otto Corfitzen undercover für den dänischen Geheimdienst zu ermitteln. Margrethe Franck, eine technisch versierte Mitarbeiterin des Geheimdienstes, wird ihm dabei zur Seite gestellt - einerseits um Oxen bei seinen geheimen Ermittlungen zu unterstützen, andererseits, wie er sehr wohl weiß, um ihn gleichzeitig zu überwachen und seine Aktivitäten dem Geheimdienst zu melden.

Es bleibt tatsächlich nicht bei dem einen Mord, und Oxen wird immer klarer, dass er sein Bestes geben muss, wenn er nicht plötzlich als Bauernopfer dastehen will. Viele Indizien könnten tatsächlich auf ihn als Täter hindeuten, zumal die Todesopfer - alles hochrangige Mitglieder der dänischen Gesellschaft - ihm größtenteils persönlich nicht unbekannt sind. Ganz allmählich führt Jens Henrik Jensen seinen Antihelden (und mit ihm den Leser) von einer vermeintlich einfachen Mordserie hin zu einem politischen Ränkespiel von größtem Ausmaß. Hier stellt sich stets die Frage, wer noch alles mit drin steckt in diesem Ringen um Macht und unverbrüchlichen Loyalitäten - und wem man überhaupt noch trauen kann.

Phasenweise lässt sich der Autor viel Zeit, um Ereignissen, Charakteren und bedeutsamen Zusammenhängen ausreichend Raum zu geben, dann wieder sorgen wenig zimperliche Actionszenen für spannende Unterhaltung. Die Charaktere erscheinen nicht unbedingt sympathisch aber sehr plastisch, und gerade die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Oxen und Franck gestaltet sich dabei spannend und vorstellbar. Am Ende bleiben doch noch einige Fragen offen, was aber angesichts zweier Folgebände auch nicht verwunderlich ist.

13 Stunden und 26 Minuten lang dauert die ungekürzte Hörbuchfassung, professionell und wie immer routiniert und stimmig gelesen von Dietmar Wunder.

Ein Verschwörungs-Thriller nach klassischer Art, der mit dem Vorstellbaren jongliert und dabei einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Ein menschliches Wrack als Hauptcharakter, der, um zu überleben, all seine Fähigkeiten als ehemaliger Elitesoldat reaktivieren muss. Und viele offene Fragen, die dringend nahelegen, sich baldmöglichst auch Band zwei und drei zuzuwenden. Ich jedenfalls freue mich auf ein Wiederhören mit Niels Oxen...


© Parden

von: Gerard Donovan
von: Simone Lappert
von: Zweigbergk von, Helena
 

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