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Rezension Rezension (4/5*) zu Kronhardt von Ralph Dohrmann.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von wal.li, 9. November 2018.

  1. wal.li

    wal.li Gold Mitglied

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    1. Mai 2014
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    939
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    Bremer Jung


    Um den Tod seines Vaters hat es immer ein Rätsel gegeben. Doch der Unternehmersohn Willem Kronhardt hat die Erklärung, es habe sich um eine Embolie gehandelt akzeptiert. Was er allerdings nicht ohne Weiteres anerkennt, ist der Wunsch der Mutter ihn zum rechten Firmenerben zu formen. Willem zieht es nicht in die Kunststickerei in Bremen, die den zweiten Weltkrieg erstaunlich unbeschadet überstanden hat. Lieber freundet er sich mit Jungen aus dem einfachen Volk an oder verfolgt später reaktionäre Ideen. Zur großen Freude der Mutter bringt Willem schließlich doch eine Frau nach Hause, die Mutter und Stiefvater gefällt. Bald stellt sich heraus, dass Barbara ihren Kopf sehr wohl durchzusetzen weiß.

    Auch wenn oberflächlich betrachtet, der Tod des Vaters in seinem erwachsenen Leben keine so große Rolle mehr spielt, haben sie Ereignisse Willem nie losgelassen. Der Gedanke, der schon damals aufkam, es könne sich um Mord gehandelt haben, ist während der ganzen Zeit in seinem Hinterkopf geblieben. Die Umtriebe der Mutter ekeln Willem manchmal an, dennoch kann er sich auch nicht völlig von seinem Elternhaus lösen. Einem Studium in Berlin zieht er die Naturwissenschaften vor. Tatsächlich kann er seinen Abschluss in Wirtschaft für eine Halbtagsstelle in der elterlichen Firma nutzen. Sein stiller Protest findet eher in der anderen Tageshälfte statt.

    Ein beinahe lebensumspannender Roman, der die frühen Nachkriegsjahre aus Sicht des jungen Willem erzählt, die Zeit des Wirtschaftswunders, der 68er, des Terrorismus und später die ruhigeren Gefilde der mittleren Jahre. Irgendwie rebelliert Willem, aber nur ein bisschen. Die Bequemlichkeit, die sein Elternhaus bietet, mag er doch nicht missen. Und doch ist der Gedanke da, was wäre gewesen, wenn der Vater nicht gestorben wäre. Hätten sich die Eltern, die sich nicht besonders verstanden, getrennt? Wäre Willem beim Vater in der Schweiz geblieben? Gibt es doch etwas am frühen Versterben des Vaters, das Fragen aufwirft.

    Bei einem Roman von über 900 Seiten sind ein paar Längen oder ein paar Passagen, deren Sinn sich nicht so gut erschließt, fast nicht zu vermeiden. Und doch fesselt dieser Lebensroman oder Todesroman gerade, wenn es um den jungen Willem bis zum Beginn des Studiums geht und später wenn er doch noch den Versuch startet, näheres über seinen leiblichen Vater herauszufinden. Auch die Manipulationen durch die Mutter bewirken einen Widerwillen gegen ihre Persönlichkeit. Und so geht es bei der Lektüre manchmal ab mal auf, gewisse Längen wechseln sich mit spannenden Abschnitten ab, welche schließlich dazu führen, dass auch 920 Seiten keine Abschreckung darstellen und der Roman in relativ kurzer Zeit bewältigt ist.


     
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