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Rezension Rezension (4/5*) zu Ein Sonntag mit Elena: Roman von Fabio Geda.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Barbara62, 17. August 2020.

  1. Barbara62

    Barbara62 Aktives Mitglied

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    Buchinformationen und Rezensionen zu Ein Sonntag mit Elena: Roman von Fabio Geda
    Info
    Familiendynamik

    Eine Dramaturgin als Ich-Erzählerin eines Romans ist eine ausgezeichnete Wahl. Giulia ist die junge Frau vom Theater, die in "Der Sonntag mit Elena" berichtet, was ihr Vater an jenem titelgebenden Tag erlebte. Sie war zwar nicht dabei, hatte zu dieser Zeit nicht einmal Kontakt zu ihm, doch haben er und Elena Jahre später ausführlich von ihrer zufälligen Begegnung berichtet. Giulia brachte die Geschehnisse zu Papier, reicherte sie mit eigenen Kindheitserinnerungen, der Familiengeschichte und Betrachtung über die Ehe der Eltern an, ergänzte sie um passende Erlebnisse aus ihrem Alltag, schmückte aus oder unterschlug, was sie nicht preisgeben wollte.

    Ein Tag…
    An jenem lange zurückliegenden Sonntag hatte der Vater in Erwartung des Besuchs seiner ältesten Tochter Sonia und deren Familie erstmals selbst gekocht. 67 Jahre war er alt, seit acht Monaten Witwer und einsam. Der Kontakt zu Giulia war abgebrochen, der Sohn Alessandro arbeitete in Helsinki und auch Sonia war aus Turin hinaus aufs Land gezogen. Nach einem Arbeitsleben als Brückenbauer auf Baustellen weltweit hatte der Vater sich seinen Ruhestand anders vorgestellt:

    "Das Leben hatte ihn mit interessanten Menschen zusammengebracht, mit denen er ebenso angenehme wie oberflächliche Beziehungen geführt hatte, kurzlebige Freundschafen, die die Zeit mit der Unerbittlichkeit eines Jahreszeitenwechsels gekappt hatte. Er verzehrte sich geradezu danach, sich in einer verwandten Seele zu spiegeln, aber da war niemand…" (S. 57)

    Als Sonia überraschend absagen musste, stand dem Vater ein weiterer einsamer Sonntag bevor, mit Bergen von gekochtem Essen, aber ohne Appetit. Bis er am Skatepark zufällig die dreißig Jahre jüngere Witwe Elena mit ihrem 13-jährigen Sohn Gaston traf, beide genauso einsam wie er – und hungrig dazu. Mit Gaston hatte der Vater endlich wieder einen interessierten Zuhörer an seinen Ingenieursabenteuern, mit Elena konnte er über seine unerfüllten Träume fürs Alter reden und Anteil an ihren Problemen nehmen. Der unverhoffte Einklang heiterte alle auf:

    "Elena prostete ihm zu. „Danke“, sagte sie. „Heute Morgen beim Aufwachen hatte ich den Kopf voller Schatten. Alle haben Sie nicht verjagt, aber ein paar schon. Danke dafür, wirklich.“" (S. 120)

    … und noch viel mehr
    Wer nun eine mehr oder weniger kitschige Liebesgeschichte erwartet, liegt zum Glück daneben. Nur für kurze Zeit bleibt das ungleiche Trio in Kontakt, doch es reicht für neue Impulse. Als sich Elena und der Vater Jahre später noch einmal begegnen, sind die Karten neu gemischt, nicht zuletzt aufgrund jenes Sonntags.

    Mir hat die Erzählweise Giulias sehr gut gefallen, besonders ihre Überlegungen zu sich verändernden Eltern-Kind-Verhältnissen und die Hommage an die Mutter. Diese ertrug die Abwesenheit des Vaters scheinbar stoisch, stellte eigene Ambitionen zurück und fragte mehr, als sie von sich preisgab. Ganz anders der Vater, Held von Guilias Kindheit, der lieber erzählte, und zu dem sie erst über Umwege wieder einen Zugang fand.

    Lesenswert und hübsch gemacht
    Der Turiner Autor Fabio Geda nennt mit Kent Haruf und Elizabeth Strout zwei Vorbilder, die ich ebenfalls sehr schätze. Ein Sonntag mit Elena ist ein kleiner, stiller und lesenswerter Roman in deren Tradition. Das Cover passt vorzüglich zum Inhalt des handlichen Büchleins ohne Schutzumschlag, den ich mit einem Lächeln beendet habe.

     
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  2. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Ja, mir hat das Buch auch sehr gut gefallen und deine Rezension wird ihm überaus gerecht!
     
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