Rezension (4/5*) zu Du bist so schön, sogar der Tod erblasst von Akwaeke Emezi

GAIA

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27. Dezember 2021
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49
Thüringen
You made a Fool of Death

Bisher kenne ich von Akwaeke Emezi nur den Debütroman "Süßwasser", welcher sowohl inhaltlich als auch stilistisch nur schwer zu lesen, dennoch sehr gehaltvoll war. Ja, fast durchkämpfen musste ich mich damals durch die Lektüre. Das war bei "Du bist so schön, sogar der Tod erblasst" (im englischsprachigen Original "You made a Fool of Death with your Beauty") komplett anders. Emezi scheint sich hier ganz und gar in die Unterhaltungsliteratur begeben zu haben, denn nun liest es sich eingängig und scheinbar auch recht oberflächlich.

Es geht um eine junge Frau, Ende Zwanzig, die vor fünf Jahren bei einem gemeinsam erlebten Autounfall ihren Ehemann verloren hat. Die Trauer hat sich in ihr Dasein und auch ihre Arbeit als Künstlerin eingebrannt und nun geht sie die ersten Schritte und öffnet sich wieder (sexuellen) Beziehungen. Davon ist auch der Beginn des Romans geprägt. Wir bekommen einige Sexszenen zu lesen, die aber erst einmal nur dem Stillen der körperlichen Lust der Protagonistin Feyi dienen. Mit Nasir könnte es mehr werden, weshalb sie zunächst enthaltsam bleibt und ihn als gute Freundin in seine Heimat auf eine nicht näher bezeichnete karibische Insel begleitet, um an einer Gruppenausstellung von Künstler:innen der afrikanischen Diaspora teilzunehmen. Schon beim ersten Blick, den sie auf Nasirs Vater Alim wirft erwecken lang verschüttete Gefühle, umso mehr als sie erkennt, dass er einen ähnlichen Verlust wie sie in seinem Leben zu verkraften hatte. Ein Mechanismus beginnt sich in Gang zu setzen, der zu viel Leid aber potentiell auch zu viel Liebe führen kann.

Mir hat der Roman von Emezi unter der Prämisse, dass es sich um eine leicht zugänglich angelegte Geschichte um Trauer, Trauerbewältigung und neue Liebe handelt, sehr gut gefallen. Mit farbenprächtigen Bildern erzählt Emezi von dem Heraustreten aus der grauen Zeit der Trauer in eine neue (Gefühls-)Welt. Hier wird das Thema Trauer einmal von einer neuen Seite beleuchtet und literarisch umgesetzt. So findet das Voranschreiten im Trauerprozess sein Äquivalent in der immer reichhaltiger werdenden Umgebung und dem Leuchten der Figuren. Das karibische Setting weiß Emezi detailliert zu beschreiben, sodass vor dem inneren Auge eine ganz neue Welt auftut, in welche man selbst eintauchen möchte. Ebenso nutzt sie den gustatorischen Sinn, um das Aufblühen von Feyi zu beschreiben, ist doch Alim ein Sternekoch, der sein Können immer wieder unter Beweis stellt. Weiterhin wird die Beschreibung der Installationen Feyis genutzt, um Trauerarbeit darzustellen. Und letztlich gefällt mir einfach am Roman, dass er ganz selbstverständlich in einer Schwarzen gehobenen Klasse spielt. Dieser Roman braucht keine weißen Menschen, um sich zu verorten, auch wenn die beste Freundin von Feyi an einer Stelle ihr ins Gewissen redet, das Ausstellungsangebot durch Beziehungen zu nutzen, wie es genügend weiße Menschen der Kunstwelt jeden Tag tun. Es ist angenehm endlich eine Geschichte zu lesen, die in der Welt von Schwarzen Reichen und Schönen spielt.

Insgesamt konnte mich der Roman von Akwaeke Emezi abholen und in diese wunderschöne. karibische Welt mitnehmen. Nicht nur optisch und gustatorisch sondern auch emotional. "Nur" vier Sterne gibt es für den Roman, weil ich von Emezi einfach literarisch etwas Anspruchsvolleres erwartet hatte und sie stilistisch keine Sprünge in dem vorliegenden Roman macht. Emezi kann das eigentlich, wollte hier aber scheinbar einen eingängigeren Roman schreiben. Egal, mir hat es gefallen.

4/5 Sterne

 

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