Rezension (4/5*) zu Dorf unter Verdacht von Nicola Upson

wal.li

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1. Mai 2014
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Auf dem Land

Josephine Tey und ihre Freundin Marta Fox verbringen die letzten Tage des Sommers 1939 in Josephines Cottage auf dem Land. Bald muss Marta nach Hollywood reisen, um Alfred Hitchcock bei Dreh seines Filmes Rebecca zu unterstützen. Sie wollen die verbleibende Zeit in trauter Zweisamkeit genießen. Doch London ist sich der Gefahren des herannahenden Krieges bewusst. Man beschließt die Kinder aus der Stadt aufs Land zu schicken. In mehreren Bussen kommen die Kinder in dem kleinen Ort an. Es sind viel mehr als angekündigt. Josephine und Marta sehen es als ihre Pflicht an, entgegen ihrer eigentlichen Planungen doch ein Kind aufzunehmen.

Ein Kind verschwindet, das ist wohl das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Es ist nicht Josephines Schützling, der wie vom Erdboden verschluckt ist. Ein kleines Mädchen aus dem Dorf wird vermisst. Archie Penrose, der Josephine seine neue Freundin vorstellen wollte, ist vor Ort und kann den Beginn der Ermittlungen übernehmen. Als Polizist musste er schon häufiger schlimme Fälle aufklären, doch wenn Kinder betroffen sind, ist ihm seine Arbeit besonders wichtig, doch in diesem Momenten ist sie auch besonders belastend. Fieberhaft wird mit der Suche begonnen. Immer unter der Bedrohung, dass es jederzeit zu Luftangriffen kommen könnte.

Dies ist der zehnte Band einer bisher elfteiligen Reihe. Die Bände erscheinen nach und nach in deutscher Übersetzung. Recht gemächlich beginnt dieser Roman. Allerdings immer unter dem Eindruck der beklemmenden Furcht vor dem ausbrechenden Krieg. Das Leben verändert sich, der letzte Krieg ist nicht vergessen. Gasmasken werden verteilt, die Verdunkelung wird vorbereitet, es werden Lazarette eingerichtet und viele weitere Dinge. Das normale Leben ist einfach nicht mehr normal. Wie bei einem Tanz auf dem Vulkan wollen die Menschen die letzten friedlichen Tage genießen. Doch mit der Verschickung der Kinder ist wirklich jedem klar, dass es in jedem Moment ernst werden kann. Dass in dieser Situation ein Kind abhanden kommt, ist eine Katastrophe. Je mehr klar wird, dass nicht jeder die volle Wahrheit von sich gibt, desto spannender wird es. Mit einem Twist ist wirklich nicht zu rechnen und dann wird es so rasant und außerordentlich dramatisch und beklemmend, dass man zum einen nicht mehr aufhören kann zu lesen, sich zum anderen jedoch eine Weile von dem Gelesenen erholen muss. Dieser düstere Kriminalroman hat einen Nachhall.



4,5 Sterne


 
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