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Rezension Rezension (4/5*) zu Die Welt in allen Farben von Joe Heap.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Lynn253, 3. September 2019.

  1. Lynn253

    Lynn253 Neues Mitglied

    Registriert seit:
    16. Juni 2018
    Beiträge:
    9
    Zustimmungen:
    3
    Bewegende und eindrückliche Geschichte

    In seinem Debütroman „Die Welt in allen Farben“ erzählt John Heap die Geschichte von Nova und Kate. Die beiden treffen zunächst in durch Zufälle wiederholt aufeinander. Denn eigentlich scheint sie auf den ersten Blick nicht viel zu verbinden. Nova ist Dolmetscherin bei der Polizei. Sie wirkt selbstbewusst und aufgeweckt, spricht fünf Sprachen und kreiert exzentrische Sandwiches. Und sie war von Geburt an blind. Doch nach einer Operation können ihre Augen die Lichtreize wahrnehmen und an ihr Bewusstsein weiterleiten. Aber sie versteht nicht, was sie sieht und auf einmal ist die Welt nicht mehr vertraut. Sie nimmt optische Reize wahr, aber ihr Gehirn kann zunächst keine Informationen daraus gewinnen.
    Der Roman zeigt auf, dass dieser für uns so selbstverständliche Prozess des Sehenlernens wunderbar, faszinierend und unendlich komplex ist. So werden auch dem Leser durch diese Thematik und vor allem durch ihre gelungene Umsetzung die Augen geöffnet. Die Situation in der Nova nach ihrer Operation steckt, das Wahrnehmen ohne zu erkennen oder zu begereifen ist sehr weit entfernt von jemandem, der von Geburt an sehen kann. An diesen Zustand können wir uns nicht erinnern. Dennoch wird Novas Geschichte so greifbar und eindrücklich erzählt, dass man das Gefühl hat, zu verstehen.

    Der zweite Strang der Handlung wird aus der Sicht von Kate erzählt. Sie arbeitet als Architektin und verheiratet. Aber ihr Ehemann hat nicht nur die Seite, die sie zunächst an ihm kennengelernt hat. In diesem Teil der Roman spielt häusliche Gewalt eine große Rolle.
    Auch wenn ich Kates Verhalten im Umgang mit ihrer Situation nicht immer nachvollziehen konnte, hat mich vor allem dieser Teil der Geschichte sehr mitgenommen.

    Was das die Handlung anbelangt, so scheint es ein ständiges Auf- und Ab zu geben. Dies mag anstrengend erscheinen, fesselt aber auch an die Geschichte.
    Die Protagonistinnen habe ich beide als sehr interessant empfunden, trotzdem hätte ich mir an einigen Stellen mehr Hintergrundinformationen gewünscht. Beispielsweise erfährt man zwar von Kate, dass sie sich mit Freundschaften schwertut, aus Novas Privatleben jedoch kaum etwas. Wie und mit wem hat sie ihre Zeit verbracht, bevor sie auf Kate traf?

    Erzählt wird im Präsens in der dritten Person aus Sicht von Nova und Kate. In Szenen, in denen beide vorkommen, war es für mich daher manchmal nicht direkt ersichtlich, welche Wahrnehmung zu wem gehört. Zudem wirkte der Erzählstil teilweise recht distanziert. Obwohl die Erzählweise mir zunächst sehr ungewohnt erschien, scheint sie für diesen Roman zu funktionieren und verleiht im etwas Besonderes. Insgesamt werden das Geschehen und die Empfindungen der funktionieren einfühlsam und anschaulich rüberzubringen.
    Der zeitliche Abstand zwischen den einzelnen Passagen variiert stark. Manchmal liegen Tage, manchmal Monate zwischen zwei Kapiteln. Hier helfen aber die Monatsangaben zu Beginn der einzelnen Abschnitte.

    Eine schöne Ergänzung zu der eigentlichen Handlung sind Novas „Sehregeln“, die zwischendurch immer wieder eingestreut werden. Zunächst sind es sehr praktische Erkenntnisse, die Nova dabei helfen, etwas in dem zu erkennen, was sie sieht. Spätere Einschüben können mehr und mehr im übertragenen Sinn gesehen werden und ergänzen die Handlung.


    Insgesamt eine bewegende und eindrückliche Geschichte, die in einem sehr eigenen Stil erzählt wird.

     
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