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Rezension Rezension (4/5*) zu Der Sommer mit dem Erdbeermädchen von Sabine Ludwigs.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von parden, 12. Oktober 2017.

  1. parden

    parden Forumlegende

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    Ein überzeugender Jugendthriller...

    Nick ist ein ganz normaler 14jähriger Jugendlicher, der mit seiner Gitarre in einer Band spielt und als Abwehrspieler gemeinsam mit seinen Freunden in einem Fußballverein. Doch nun sind Sommerferien, seine Freunde fahren in den Urlaub, und er selbst verbringt die Ferien, wie immer, bei seiner Tante und seinem Onkel. Dort haben sich im Laufe der Jahre andere Freundschaften ergeben, Ferienfreundschaften, die nichts mit seinem Alltag zu tun haben, auf die Nick sich jetzt aber trotzdem freut. Doch diesmal ist etwas anders - seine Tante und sein Onkel haben ein verstörtes Mädchen in Kurzzeitpflege genommen, das dort nun gleichzeitig mit Nick zu Gast ist.

    Lina Saisew heißt das ebenfalls 14jährige Mädchen, das sich in Nicks Augen wirklich merkwürdig benimmt. Sie spricht überhaupt nicht mehr, seitdem ihr Zwillingbruder Jan spurlos verschwunden ist. Von zu Hause weggelaufen, befindet sich Lina seit ihrem Auffinden im Haus von Nicks Tante und Onkel, zieht sich dort jedoch komplett zurück und legt Verhaltensweisen an den Tag, die irritierend sind. Erwachsenen misstraut sie konsequent. Zunächst aus einem unbestimmten Pflichtgefühl heraus erklärt sich Nick bereit, sich ebenfalls um das verstörte Mädchen zu kümmern. Als er die große Not Linas erkennt, erwächst in Nick eine Zuneigung zu ihr und der unbedingte Wunsch, sie aus ihrem inneren Kokon herauszuholen. Doch dies ist leichter gesagt als getan.

    Musik und eine unverständliche Sprache scheinen der Schlüssel zu Linas Innerem zu sein. Aber Nick beherrscht diese Sprache nicht, und nach jedem Schritt voran scheint es immer wieder zwei Schritte zurückzugehen. Wird Lina also eine Chance haben?

    Mit keinen großen Erwartungen bin ich an dieses Buch herangegangen, und der Anfang schilderte dann auch unspektakulär den Beginn von Nicks Sommerferien. Doch ab dem Zeitpunkt, als er beim Haus seiner Tante und seines Onkels eintraf, konnte ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen. Das Geschehen wird geschildert aus der Sicht von Nick, und gemeinsam mit ihm versucht der Leser hinter das Geheimnis des jungen Mädchens zu kommen. Doch neben der Neugierde, was wohl hinter dem Ganzen stecken mag, wächst beim Lesen auch zusehends die eigene Betroffenheit. Die Not Linas wird allmählich nahezu greifbar, zumal am Ende eines Abschnitts auch kurze Einblicke in die Gedankenwelt des Mädchens gewährt werden.

    Als sensibler Erwachsener merkt man bald, in welche Richtung das große Geheimnis deuten könnte, doch gibt es hier auch noch eine überraschende Eröffnung, mit der ich so nicht gerechnet hätte. Natürlich kann bei einem derartig großen Trauma, das Lina offensichtlich durchlitten hat, nicht wirklich davon ausgegangen werden, dass der Kontakt zu einem gleichaltrigen Jugendlichen ausreichen könnte, um den inneren Kokon aufzubrechen. Aber erste Schritte in dieser Richtung sind für mich zumindest nicht undenkbar. Das Ende ist für mich persönlich ein wenig zu dick aufgetragen, doch sorgt es noch einmal für einen erhelblichen Spannungsanstieg und letztlich auch für eine Überraschung.

    Sabine Ludwigs hat hier alles in allem einen überzeugenden Jugendthriller geschrieben, in dem ein schwieriges Thema feinfühlig integriert wurde. Sensibel und trotzdem spannend, bildreich und in flüssigem Schreibstil, der sicher auch Jugendliche (Altersempfehlung: ab 14 Jahren) anpricht. Selbst der Titel erweist sich letztlich als überaus schlüssig.

    Auf den Punkt gebracht: Empfehlenswert!


    © Parden

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