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Rezension Rezension (4/5*) zu Der englische Liebhaber von Federica de Cesco.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von Bibliomarie, 11. Juli 2018 um 09:02 Uhr.

  1. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

    Registriert seit:
    10. September 2015
    Beiträge:
    486
    Zustimmungen:
    216
    Eine unerfüllte Liebe

    Der Krieg ist zu Ende, Münster liegt in Trümmern. Anna Henke ist ausgebombt und erlebt täglich Not, Hunger und Armut. Sie ist froh eine Tätigkeit als Dolmetscherin bei den englischen Besatzern ergattert zu haben. Dort trifft sie auf Jeremy Fraser, den anfangs unnahbaren Offizier. Schon bald wird aus der Sympathie eine leidenschaftliche Beziehung, die aber geheim gehalten wird. 1945 werden solche Beziehungen zwischen den Besatzern und Einheimischen nicht gern gesehen. Doch Anna wird schwanger und Jeremy Fraser ist plötzlich verschwunden. Briefe werden nicht beantwortet und sie bekommt keine Antwort auf ihre Fragen.
    Ihre Tochter Charlotte wächst als verspottetes Besatzungskind auf. Keine leichte Kindheit, sie wird das Verhältnis von Mutter und Tochter ein Leben lang prägen. Am Ende ihres Lebens angekommen, übergibt Anna ihrer Tochter ihre Tagebücher und Briefe und Charlotte macht sich auf Spurensuche auch nach ihrer eigenen Vergangenheit.
    Der Roman basiert auf tatsächlichen Begebenheiten. Das gibt der Geschichte eine ganz besondere Dichte und Authentizität. Es ist Geschichtsunterricht im Kleinen, unmittelbar und direkt. Ich finde, die Umsetzung in einen Roman ist der Autorin de Cesco sehr gut gelungen. Die Tragik einer lebenslangen, unerfüllten Liebe ist gut einfangen. Zwar ließ mich der Vergleich mit „Vom Winde verweht“ auf der Rückseite eine andere Geschichte erwarten, so romantisch und episch ist der Roman nicht, aber die Geschichte hat mich berührt und gefesselt. Es war vor allem der historische Hintergrund und die Darstellung des zerbombten Münsters, das ja für viele deutsche Städte des Jahres 1945 steht. Das Leid der Menschen, die Hoffnungslosigkeit und der pure Überlebenswille, das fand ich sehr gut dargestellt.
    Etwas mehr Mühe hatte ich, eine Verbindung zu den Personen aufzubauen. Jeremy Fraser blieb einfach zu blass, war als Persönlichkeit für mich wenig greifbar. Ähnlich ging es mir mit Charlotte, deren Handlungsweise ich zwar gut nachvollziehen konnte, aber auch hier hätte ich mir die Figurenzeichnung tiefer gewünscht.
    Insgesamt hat mir dieser historische Roman von Federica de Cesco gut gefallen. Das Zeitbild war sehr farbig und lebendig geschildert und ich hatte die Nachkriegsjahre deutlich vor Auge.



     
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