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Rezension Rezension (4/5*) zu Der Empfänger: Roman von Ulla Lenze.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von ulrikerabe, 21. Mai 2020.

  1. ulrikerabe

    ulrikerabe Bekanntes Mitglied

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    Kleiner Mann, was tun?

    Mitte der 20er Jahre wandert Josef Klein von Deutschland nach Amerika aus. Er bezieht in Harlem eine kleine Wohnung, bekommt einen Job in einer Druckerei. Er führt ein zurückgezogenes Leben, mag Jazz, ist begeisterter Amateurfunker und verliebt sich in Lauren. Es ist die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, die Stimmung in den Straßen New Yorks aufgeheizt. Aufgrund seines Hobbys erregt Josef Aufmerksamkeit und so findet er sich mitten im deutschen Spionagenetz wieder.
    Die deutsche Autorin Ulla Lenze erzählt die Geschichte von Josef Klein in Stückwerken, nicht chronologisch, die Kapitel sind zeitlich und örtlich überschrieben, damit kann man dem Handlungsverlauf gut folgen „Der Empfänger“ ist ein historischer Roman, ein Stück brachliegender Zeitgeschichte, und beruht auf der Biografie des Großonkels der Verfasserin. Ulla Lenzes Sprache ist klar, schnörkellos, der Roman eine fiktionale Dokumentation.
    Josef Klein ist ein sprichwörtlich kleiner Mann. In Amerika will er seiner Herkunft entfliehen, dem beengten Kleinbürgertum, den Erinnerungen an einen brutal schlägernden Vater. Er ist unscheinbar. Man sagt ihm Ähnlichkeit mit Bing Crosby nach, oder auch mit Heinz Rühmann, oder auch mit niemand, den man kennt. Genau das will Josef –später Joe – auch sein, ein Niemand, der in der multikulturellen Gesellschaft New Yorks aufgeht. Doch zwangsläufig gerät er in Kontakt mit anderen Deutschamerikanern. Viel zu spät erkennt er, dass er seine Fähigkeiten als Funker nazideutschen Spionen zur Verfügung stellt. Er wird zu einem Spielball in einem Gefüge, das zu groß für Josef Klein ist. Aus Angst vor den Nazis wendet er sich ans FBI, wird Doppelspion, später interniert und nach dem Krieg aus den USA ausgewiesen.
    Für kurze Zeit kehrt er zu seinem Bruder Carl und dessen Familie nach Deutschland zurück. In Amerika war er unerwünscht, in Deutschland ist er es ebenso. Er ist heimatlos, entwurzelt. Als Carl, ein Kaufmann mit Krämerseele, immer wieder über Josefs Vergangenheit Bescheid wissen will, muss Josef sich selbst gegenüber Rechnung legen.
    Kleiner Mann, was tun? - Der unscheinbare kleine Mann bleibt flüchtig, sein Verhalten ist in keine Form zu gießen. Kollaborateur, Verräter, Widerständler? Josef Klein bezieht nicht klar Position. Die Signale, die er sendet sind chiffriert, uneindeutig. Er bleibt letztlich Empfänger von Anordnungen.



     
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