Rezension (4/5*) zu Das Gift der Lüge (Die Morde von Edinburgh 2): Roman | Mord trifft Medizin - d

ThomasWien

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19. März 2021
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Wien
gelungener zweiter Teil

Irgendwie steht dieses Jahr im Zeichen der historischen Krimis. Gefühlt habe ich schon mehr als fünf oder sechs dieses besonderen Genres gelesen. Eigentlich haben alle Spaß gemacht.

Edinburgh 1950: Will Raven kehrt nach Jahren wieder zu Dr. Simpson zurück. Diesmal allerdings nicht als sein Famulus, sondern als sein medizinischer Assistent. In den Jahren seiner Abwesenheit hat sich viel getan, am emotionalsten wahrscheinlich die Hochzeit der Krankenschwester Sarah mit einem angesehenen Arzt. Sarah und Will waren vor Jahren sehr stark befreundet gewesen, als Angst vor einem Gesichtsverlust hat es Will nicht zu mehr kommen lassen, obwohl die Gefühle für diese Frau sehr stark ausgeprägt waren.

Sarah bittet Will um Hilfe. Dr. Simpson wird eines medizinischen Kunstfehlers mit Todesfolge beschuldigt. Beide versuchen den Ruf des angesehenen Arztes wieder reinzuwaschen und kommen dabei auf die Spur eines Serienmörders.

Wir befinden uns im Zeitalter des Chloroforms. Genauer gesagt zu der Zeit, als Dr. James Simpson begann Chloroform für die geburtshilfliche Anästhesie einzusetzen. Rund um diese medizinische Errungenschaft ist der Kriminalfall von Ambrose Parry, einem Autorenduo, bestehend aus Christopher Brookmyre und Marisa Haetzman angesiedelt.

„Das Gift der Lüge“ ist nicht der erste Teil dieser historischen Kriminalreihe. Ich würde empfehlen, jedenfalls mit dem ersten Teil „Die Tinktur des Todes“ zu starten. Man erhält dadurch einen besseren Überblick über die Protagonisten und deren Vorgeschichten. Dennoch handelt es sich um einen äußerst abwechslungsreichen Roman. Mal Krimi, mal Liebesgeschichte und mal historischer Medizinroman. Ebenfalls sehr gut dargestellt war die damalige Stellung der Frauen in der Gesellschaft. Frauen wie Sarah bildeten eine nicht gern gesehene Ausnahme, da das weibliche Geschlecht maximal als Krankenschwester geduldet wurde, aber kaum bis gar nicht als Assistentin eines angesehenen Arztes.

Der Plot war zwar vorhersehbar, aber dies war aus meiner Sicht nicht so schlimm. Das eine oder andere Kapitel hätte man sich vielleicht sparen können, aber im Großen und Ganzen hatte ich Spaß beim Lesen. Der Roman lebt von seiner Stimmung und von historischen Entdeckungen in der Medizin.

Ein gelungener zweiter Teil einer Kriminalreihe mit historisch, medizinischen Background.

 

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