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Rezension Rezension (4/5*) zu Am Seil: Eine Heldengeschichte von Erich Hackl.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von wal.li, 2. August 2018.

  1. wal.li

    wal.li Gold Mitglied

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    1. Mai 2014
    Beiträge:
    954
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    360
    Ein Gerechter

    In Wien lebt die Jüdin Regina mit ihrer kleinen Tochter Lucia. Während des zweiten Weltkrieges sind schon viele Verwandte geflohen oder verschwunden. Die Repressalien gegen die jüdischen Mitbürger werden immer schlimmer. Als die Not am größten ist und sie der Aushebung ihrer Sammelwohnung und der Deportation nur dadurch entgehen, dass sie in eben genau jenem Moment zwar auf dem Heimweg, aber nicht daheim sind, greift als Retter Reinhold Duschka ein, der beste Freund von Lucias Vater. Ohne lange zu zögern oder nach einem Dank zu fragen, bringt er Regina und ihre Tochter in seiner Werkstatt für das Kunsthandwerk unter. Dort müssen die beiden zwar peinlich darauf achten, nicht aufzufallen, im Trubel der Werkstätten aber kann ihre Gegenwart untergehen.
    Der Autor Erich Hackl nimmt sich häufiger der Geschichten von Menschen an, die es verdient haben, ein solches literarisches Denkmal zu erhalten. Zusammengesetzt aus Lucias Erinnerungen, Recherchen und Vermutungen zeichnet er das Bild eines Retters, dem es eine Selbstverständlichkeit war, Schutz zu gewähren. Über vier lange Kriegsjahre half er unermüdlich und verlangte nichts. Sehr nahe geht einem auch die Qual und die Angst, die Regina und ihre Tochter empfinden mussten angesichts der überall lauernden Gefahr.
    Möglicherweise bedarf es einer gewissen Gewöhnung an die Art wie kurze Sätze und Worte aneinandergereiht werden. Vielleicht sind die Perspektivwechsel etwas ungewöhnlich. Hat man sich dem Duktus des Autors allerdings geöffnet, findet man eine berührende Schilderung von wahren Schicksalen, eine Perle einer Erzählung. Man spürt wie bedrückt und bedroht das Leben der Beteiligten in jeder Sekunde dieser Lebensphase ist, wie sehr sie die Entdeckung fürchten, die mögliche Denunziation, wie sie versuchen, der Langeweile zu entgehen. Auch die Erleichterung als dieser unselige Krieg mit seinen menschenfeindlichen Auswüchsen endlich zu Ende ist gut nachzuempfinden. Man freut sich, das Lucia, Regina und Reinhold nach dem Krieg ein freies und selbstbestimmtes Leben beschieden war, von dem Lucia berichten kann. Man wünscht sich, es gäbe viel zu berichten von solchen Menschen.
    Reinhold Duschka - ein Gerechter unter den Völkern.
    4,5 Sterne

     
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