Rezension Rezension (4/5*) zu Alles Tofu, oder was?: (K)ein Koch-Roman von Ellen Berg.

parden

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13. April 2014
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Niederrhein
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Dem Tofu fehlt der Biss...


Dana wähnt sich auf dem sicheren Weg mit ihrer Umstellung auf die vegane Küche. Etwas Besseres gibt es doch nicht für sich und ihre Lieben, und auch ihr kleines Restaurant kann doch von dieser vollwertigen Küche nur profitieren. Dumm nur, dass ihre kleine Tochter streikt, der Hund zu verhungern droht und Paul, mit dem sie in Frieden alt werden will, genervt seine Sachen packt und geht.
Und auch wenn ihr vietnamesischer Koch Hung Tai sie nach besten Kräften unterstützt - im Restaurant bleiben die Gäste weg. Nur Philipp, ein schüchterner hornbebrillter Student im schlabberigen grauen Sweatshirt, bleibt ihr als Stammgast erhalten und isst sich offensichtlich begeistert durch Tofu-Algen-Ragout und Seitan-Schnitzel.


\"Wir haben tolle Fruchtzubereitungen. Alternativ gibt es vegane Gemüseaufstriche in diversen Geschmacksrichtungen, die locker den Tagesbedarf an allen wichtigen Vitaminen decken: Linse-Tomate, Champignon-Bärlauch...\" (...) \"Besten Dank, schon allein diese Aufzählung deckt meinen Tagesbedarf an schlechter Laune.\" (S. 129)


Wenn es schon hart kommt, dann kommt es meist gleich knüppeldick. Danas Vater steht mit seinem Rollstuhl plötzlich vor der Tür und verlangt Asyl, und zu allem Überfluss erhält Dana auch noch Post von einer Immobilienfirma: die Kündigung ihres Mietvertrages von Wohnung und Restaurant. Die Häuser sollen weichen für ein hypermodernes Versicherungsgebäude.
Als Dana sich nicht darauf einlässt, sondern über einen Anwalt Widerspruch einlegt und ein gerichtliches Verfahren anstrebt, lernt sie Alexandra Müller-Mertens kennen. Aber so richtig. Die fiese Maklerin nutzt alle miesen Tricks, um Dana doch noch zum Aufgeben zu zwingen, und die Dame verfügt offensichtlich über viel Erfahrung und Einfallsreichtum. Wie soll Dana da ihr Leben wieder in den Griff bekommen?


\"Mama ist keine Sklavin\", meldete sich Leonie zu Wort. \"Mama steht mit einem Bein im Kittchen.\" (S. 230)


In Ellen Bergs mittlerweile achtem Buch dieser Art gibt es wieder viele skurrile aber auch liebenswerte Figuren, unterhaltsame Dialoge, verrückte Szenen. Allerdings habe ich mich doch gelegentlich gefragt, ob bei der Autorin inzwischen vielleicht die Luft ein wenig raus ist.
So fand ich beispielsweise manche der Sprüche einfach reichlich abgedroschen (Veganer, die Kaninchen das Grünzeug wegfuttern oder Vietnamesen, die womöglich sogar Hundefleisch essen sind für mich ehrlich gesagt nichts Neues oder Witziges). Letztlich fehlte für mich dem Tofu doch ein wenig der Biss und die Spritzigkeit, die ich in anderen Romanen von Ellen Berg schon kennengelernt habe.

Ansonsten hat mich der Roman aber wieder für ein paar Stunden unterhalten können. Vorhersehbar? Klar. Klischeebehaftet? Natürlich. Aber ab und zu tut solch ein Buch einfach gut. Unkompliziert, Happy End garantiert, und das ein oder ander vergnügte Kichern gehört auch dazu.

Gerne mehr davon, wenn mir mal wieder danach ist!



© Parden