Rezension (3/5*) zu Unsterblich sind nur die anderen von Simone Buchholz

alasca

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13. Juni 2022
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Buchinformationen und Rezensionen zu Unsterblich sind nur die anderen von Simone Buchholz
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In flachen Gewässern

Simone Buchholz kenne und schätze ich durch ihre Krimis rund um die forensische Pathologin Chastity Riley, die zum Ende der Reihe immer abgedrehter wurden, was zum Genre nicht mehr so ganz passte. Daher war ich nun gespannt, was Buchholz ohne die Grenzen des Genres veranstalten würde. Wie sich herausstellt: So einiges.

Alles fängt an mit einem Buddelschiff und einem Hotel mit blauer Neonschrift. Und geht weiter mit zwei jungen Frauen, Iva und Malin, die Malins Freund Tarik suchen, der vor ein paar Wochen ohne Ansage verschwunden ist. Sie hoffen, warum wird nie ganz klar, ihn ausgerechnet auf dem Schiff zu finden, das genauso aussieht wie das Buddelschiff, das im Epilog eine unbenannte junge Frau in einem obskuren Lädchen an der Hafenfront aus der Flasche gezogen hat.

Und dann wird alles sehr, sehr wirr und phantastisch. Wassergöttinnen treten auf. Gestaltwandelnde Barfrauen. Iva verliebt sich in den Kapitän, der viel älter ist, als er aussieht; seltsame Dinge geschehen; sie wird immer jünger, gesünder und schöner, und eines Tages stellt sie fest, dass sie das Schiff nicht mehr verlassen kann. Anscheinend kann das niemand von der überirdisch schönen Crew, nur: sie wollen auch gar nicht. Iva schon, auch wenn das Leben an Bord, vor allem das „Segeln“ im Zwischendeck, zu einer seltsamen Alltagsamnesie führt. Wird Iva ihre Tochter jemals wiedersehen? Und welche Opfer müssen dafür gebracht werden?

Ja, dieses Segeln. Ein Euphemismus für na sie wissen schon, jeder mit jedem oder umgekehrt, die ganze Nacht, was das Zeug hält, weil: Das erdet so schön, und all die phantastischen Gestalten auf dem Schiff haben Erdung dringend nötig. Zum Glück (oder leider, je nach Temperament) bleiben uns Einzelheiten erspart. Dann das Personal. Zu phantastisch, um nahbar zu sein, zu wenig Tiefe für Vielschichtigkeit, und alle Konflikte erscheinen märchenhaft weichgezeichnet.

Zwischendurch gibt es (unter anderem) kunstvoll-kryptische Einschübe in Dialogform, mit viel Leere auf der Seite - die Göttinnen beratschlagen, was sie 1) mit der Menschheit an sich, 2) dem Meer, den Stürmen, Küsten etc. und 3) diesem speziellen Schiff anstellen wollen. Zwischen Wech-mit-ihnen-nervt und Ach-nö-sind-doch-süß-irgendwie ist alles vertreten.

Das alles liest sich nett und schnell daher, wird in der typisch knappen, flapsig-poetischen Schreibe serviert, mit der die Autorin uns schon die Abenteuer von Chas Riley erzählt hat, und ist stellenweise witzig und ziemlich unterhaltsam – Buchholz eben. Aber – Spaß mal beiseite, was soll das? Gibt es einen tieferen Sinn, einen philosophischen Nährwert, eine Erkenntnis?

Das bzw. die gibt es tatsächlich, auch wenn sie so plakativ ist, dass man sie leicht übersehen kann. Die Botschaft lautet offensichtlich „Die Liebe siegt selbst über die Ewigkeit“. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann „segeln“ sie noch heute.

Also bitte, wie kitschig ist das denn. So geht das nicht, Frau Buchholz.


 

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