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Rezension Rezension (3/5*) zu Rote Kreuze von Sasha Filipenko.

Dieses Thema im Forum "Gegenwartsliteratur" wurde erstellt von sursulapitschi, 26. März 2020 um 16:22 Uhr.

  1. sursulapitschi

    sursulapitschi Mitglied

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    97
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    85
    Buchinformationen und Rezensionen zu Rote Kreuze von Sasha Filipenko
    Info
    Aufrüttelnd

    Dieses kleine Buch hat es in sich. Hier kommt das Grauen auf den Tisch. Kurz bevor die Alzheimer Krankheit das Gedächtnis von Tatjana Alexejewna komplett zerstört, erzählt sie ihrem neuen Nachbarn ihre Geschichte.

    Sie hat Mann und Kind im Krieg verloren, was aber eher dem Regime als dem Krieg anzulasten ist. Dies ist eine ganz andere Kriegsgeschichte, die nicht nur den Zweiten Weltkrieg aus russischer Sicht schildert, sondern auch, wie ein Staat lange über den Krieg hinaus, Krieg gegen sein eigenes Volk führt. Dieses Buch seziert das sozialistische System, stellt es bloß in seiner ganzen Absurdität und macht wenig Hoffnung für die Zukunft. Es scheint sich nicht viel geändert zu haben denkt man beim Lesen dieses Buches, wenn man zeitgleich hört, wie Herr Putin behauptet, in Russland gäbe es ein paar Grippetote, aber niemand hätte Corona. Zu Tatjanas Zeiten gab es keine Kriegsgefangenen, nur Deserteure. Das rote Kreuz versuchte zu vermitteln, aber der Staat interessierte sich nicht für Deserteure.

    Nüchtern, originell und mit einigem Galgenhumor erzählt Sasha Filipenko Unsägliches.
    „Genau wie die Sowjetunion war ich in meiner Hässlichkeit stabil.“ Sagt Tatjana z. B. über ihre Jugendzeit.
    Das Lesen macht Spaß, auch wenn das Geschilderte grauenhaft ist. Durch die eher sachliche Erzählweise nimmt es einen nicht so sehr mit, rüttelt aber auf.

    Das als Thema hätte mir ganz und gar gelangt. Der Autor verpackt es aber in eine Rahmenhandlung, die ein ganz eigenes Drama birgt. Sascha, der neue Nachbar, hat auch Tragisches erleben müssen, was er dann bei passender Gelegenheit Tatjana berichtet. Die alte Dame am Ende ihres Lebens stützt den jungen Mann, der noch alles vor sich hat. Der wiederum ist ihr eine Stütze auf ihre alten Tage und auch die junge Frau eine Etage tiefer bringt sich ein. Das ist rührend, aber für meinen Geschmack eine gute Portion zu viel planvolle Tragik, die den eigentlich sehr guten Eindruck des Buches verwässert.

    „Rote Kreuze“ ist ein gutes Buch zu einem wichtigen Thema, das aufrüttelt, sich aber im Verlauf etwas verzettelt. Lesenswert ist es trotzdem.





     
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