Rezension (3/5*) zu Lichte Tage: Roman von Sarah Winman

kingofmusic

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30. Oktober 2018
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Lichte Tage in der Dunkelheit

Wenn man in dieser (zumeist) trüben Jahreszeit mit seinen grauen Tagen, dem Regen (oder wahlweise dem Schnee) ein Buch zur Hand nimmt, dass mit seinem van Gogh´schen Sonnenblumenmotiv die Wärme des Frühlings vorausnimmt, ist alles gut. Oder?

Nun, so werden vermutlich viele gedacht haben, als sie den Roman „Lichte Tage“ von Sarah Winman (erschienen bei Klett-Cotta und übersetzt von Alina Baumbach) in die Hände genommen haben.
Doch leider, leider, leider – entpuppt sich das Buch als „Mogelpackung“ bzgl. aufkommender Frühlingsgefühle – zumindest konnte mich das Buch nicht erwärmen, sondern hat mich ziemlich kalt gelassen.

Das beginnt schon auf der ersten Seite mit einem Namensfehler, der erst zig Seiten später „aufgeklärt“ wird – hier war wohl leider das Lektorat sowohl in der englischen Originalausgabe als auch in der deutschen Übersetzung geblendet (ich vermeide das Wort „blind“ – Fehler passieren uns Menschen nun mal, auch wenn es ein sehr ärgerlicher Fehler ist!).

Dann nimmt die schon vom Klappentext bekannte Reise von Michael und Ellis, den beiden (Haupt-)Protagonisten, von Oxford nach Südfrankreich leider nur einen geringen Teil der Handlung ein, was (nicht nur ich) als nächstes „Ärgernis“ empfand. Stattdessen gibt es zum Teil hölzerne und belanglose Dialoge und Szenen, die weder die Handlung noch die Leser:innen voranbringen, wird unnötig Fäkalsprache eingesetzt usw.

Dabei hätte die Autorin das gar nicht nötig, denn sie kann durchaus berührende Szenen schreiben. Diese sind aber wie Ostereier gut versteckt und sind bzw. waren mir auf einer Länge von 240 Seiten zu wenig, um mich bei der Stange der Begeisterung zu halten.

Ich will das Buch nicht per sé schlecht reden; das steht mir als Leser nicht zu. Schließlich arbeiten Autorinnen und Autoren zum Teil jahrelang an ihren „Babys“, die sie dann auf die nach der nächsten literarischen Sensation heischende Meute der Leseratten loslässt.

Trotzdem darf ich kritisch lesen und reagieren; das habe ich hiermit getan. Der Roman wird seine (begeisterte) Leserschaft finden; da bin ich mir sicher. Ich gehöre jedoch nicht dazu.

2,5* (3*) Sterne.

©kingofmusic