Rezension Rezension (3/5*) zu Die Terranauten: Roman von T. C. Boyle.

wal.li

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1. Mai 2014
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Buchinformationen und Rezensionen zu Die Terranauten: Roman von T. C. Boyle
Biosphäre

Nach einem ersten Experiment, dass wegen gesundheitlicher Probleme einer Teilnehmerin nicht so durchgeführt werden konnte wie geplant, starten Anfang der 1990er acht junge Wissenschaftler, vier Frauen und vier Männer, erneut den Versuch, in einer autarken von der Umwelt abgeschlossenen Biosphäre zu überleben. Mit der Bekanntgabe der aus sechzehn Probanden ausgewählten Teilnehmer des Experiments beginnen die Aufzeichnungen von Dawn, einer hübschen jungen Wissenschaftlerin, von Ramsay, der einen Ruf als Frauenheld zu verteidigen hat und Linda, die meint, wegen ihres Äußeren sei sie nicht ausgewählt worden und dazu verdammt, für Mission Control zu arbeiten und auf das nächste Experiment zu hoffen.

Basierend auf dem tatsächlich durchgeführten Experiment der Biosphäre 2, bei der es sich um einen Gebäudekomplex in Arizona, USA, handelt, der von einem Milliardär aufgebaut wurde, um erforschen, ob es wirklich möglich ist, in einer in sich geschlossenen Umgebung zu überleben, wird hier zwar von fiktiven Ereignissen berichtet. Diese bekommen durch den Hintergrund jedoch einen sehr realistischen Touch. Dawn wirkt dabei, wie eine Identifikationsfigur einer hübschen intelligenten jungen Frau, während Linda so rüberkommt als ob sie immer zweite Siegerin bleiben wird, obwohl ihre Qualifikationen keinesfalls schlechter sind. Ramsay dagegen bietet ein Abbild eines sorglosen Taugenichts, der keine Gelegenheit vorbeigehen lässt. Aus Sicht dieser drei Personen wird der Fortgang des Experiments geschildert, die anfängliche Euphorie, der Presserummel, die beginnenden Probleme, die Abgeschnittenheit von Eltern und Freunden, der Neid derer, die draußen bleiben mussten. Mit Fortschreiten der Zeit wird aus der anfänglich enthusiastischen und idealistischen Gruppe ein Konglomerat aus Einzelkämpfern, die sich nicht mehr so grün sind.

Interessant wird dieser Roman durch den Hintergrund aus tatsächlichen Ereignissen, über die man im Internet recherchieren kann. Ob die Schilderungen aus den Perspektiven der drei Erzähler zu einem wachsenden Interesse an den Personen führt oder die Personen es nur in gewissem Umfang oder in gewissen Momenten schaffen, Sympathie zu wecken, wird jeder Leser für sich empfinden. Schließlich weiß man nicht, ob andere Teilnehmer es besser gemacht hätten oder ob man es selbst besser machen würde. Es steht zu vermuten, dem ist nicht so. Denn immer wieder würden trotz aller Sorgfalt bei der Vorauswahl Persönlichkeiten aufeinander treffen, die sehr unterschiedlich sind. Und so sind in der Gruppe Probleme vorprogrammiert.

Ein Roman mit einem realen Hintergrund, deren handelnde Personen nicht immer sympathisch sind, dass aber dennoch Interesse und Neugier weckt.
3,5 Sterne
Ich habe die englischsprachige Version gelesen.

von: Daniela Krien
von: Benedict Wells
von: Robert Menasse
 

Anjuta

Bekanntes Mitglied
8. Januar 2016
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Essen
Ich habe das Hörbuch gehört (nicht empfehlenswert!) und war von dem Roman enttäuscht und zwar obwohl ich Boyle wirklich mag und bestimmt nicht (nur) wegen der schlechten Lesung im Hörbuch. Ich fand, dass der Roman mit einem unglaublich spannenden Thema aufwartet, aber sich dann verzettelt in Unwichtigem und Irrelevantem, wo doch die Situation des auf diese Weise und für diese Zwecke Eingeschlossenseins sooo viel an Stoff bietet. Aber lesen bzw. hören musste ich kleinliches Gezeter um bloße Eitelkeiten, sexuelle Interessen, Machtspielchen etc.
Das hat mich alles nur ganz wenig interessiert!
Selten hat ein Buch so meine Erwartungen enttäuscht.
 
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Reaktionen: Literaturhexle

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
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Aber lesen bzw. hören musste ich kleinliches Gezeter um bloße Eitelkeiten, sexuelle Interessen, Machtspielchen etc.
Vielleicht ist das der Tribut an den Kommerz, den Autoren leisten müssen, wenn sie ihre Bücher auch verkaufen wollen. Zumindest könnte man auf den Gedanken verfallen, wenn man sieht, mit was für einem Dünnsinn die Fernsehprogramme zunehmend überschwemmt werden.

Nun verkauft sich Boyle mittlerweile von selbst und am Hungertuch nagt er auch nicht. Dann sind ihm vielleicht die Ideen ausgegangen- außerdem schreibt er in der jüngeren Zeit eher etwas krass und gern über Gewalt und Missstände.

Nach euren Ausführungen werde ich diesem Buch nicht näher treten.

(Ist doch schön, wenn man das auch mal sagen kann ;))
 

T. C. Boyle

Tom Coraghessan Boyle (* 2. Dezember 1948 in Peekskill, New York als Thomas John Boyle) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller.

Tom Coraghessan Boyle wurde als Thomas John Boyle geboren....

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