Rezension (2/5*) zu Der falsche Gruß: Roman von Maxim Biller

RuLeka

Bekanntes Mitglied
30. Januar 2018
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Was will uns hier der Dichter sagen ?

Der Ich- Erzähler Erck Dessauer lässt sich zu Beginn des Romans zu einer verstörenden Geste hinreißen. In der angesagten Bar „ Trois Minutes“ in Berlin hebt er, Beleidigungen ausstoßend, seinen Arm zum „ falschen Gruß“, dem Hitlergruß nach oben. Ziel dieser
„ absurden Nazigymnastik“ ist der allseits bekannte jüdische Intellektuelle Hans Ulrich Barsilay. Dessauer befürchtet, dass dieser ihm sein Buchprojekt streitig machen will. Schließlich steht er, der junge, ehrgeizige Schriftsteller, kurz vor dem Abschluss eines Buchvertrages und glaubt nun, Barsilay wolle ihm da zuvorkommen.
Doch es ist wahrscheinlicher, dass diese vermeintliche Gefahr nur eine fixe Idee von Dessauer ist. Aber der steigert sich immer mehr in seine Hysterie hinein; nun muss er zusätzlich befürchten, dass ihn sein Hitlergruß endgültig deklassiert.
Biller stellt hier zwei Figuren ins Zentrum: Erck Dessauer, in der DDR groß geworden, Sohn eines SED-Mitglieds, der sich nach der Wende das Leben genommen hat und Enkel eines Nazi- Großvaters. Er will endlich ankommen im Berliner Kulturbetrieb.
Als Gegenspieler, von Dessauer bewundert und beneidet und deshalb gehasst, steht Barsilay, etablierter Schriftsteller, Nachkomme von Auschwitz- Überlebenden.
Anhand dieser beiden Figuren ( die ab und an Parallelen zum Autor aufweisen ) arbeitet sich Biller an verschiedenen Stoffen ab.
Zum einen sein großes Thema: Antisemitismus und Erinnerungskultur. So verweisen z.B. die klischeehaften Biografien von Dessauer und Barsilay an unzählige Bücher und Filme der letzten Jahre.
Dazu verweist Biller auf aktuelle politische Debatten und wirft einen satirischen Blick auf den Berliner Kulturbetrieb.
Das alles ist aber so wirr und konfus geschrieben, dass die Lektüre für mich eine Qual war. Ich habe versucht, den paranoiden Gedankengängen Dessauers zu folgen und den tieferen Sinn dahinter zu sehen. Bei einzelnen Szenen und Sätzen kam ein leichtes Verständnis auf, doch was der Autor mir mit seinem Buch sagen wollte, hat sich mir leider nicht erschlossen.Vielleicht habe ich auch zu viel Tiefsinn erwartet.
Für mich ist das ein typisches Buch für das Feuilleton. Dort werden seine Andeutungen und Querverweise eventuell verstanden. Mich lässt dieses Buch leider ratlos zurück.
Kleiner Nachtrag: Nein, das Heben des Arms zum Hitlergruß hatte für den Helden keinerlei Konsequenzen .


 

kingofmusic

Bekanntes Mitglied
30. Oktober 2018
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Selten herrschte so eine Einigkeit bzgl der Schwäche eines Buches wie hier. Trotz unserer vorhandenen Intelligenz sind wir wahrscheinlich zu dumm für diese Novelle :D .
Trotzdem: schöne Rezension!
 

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