Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
10.237
19.401
49
Auch Reinhold sitzt, allerdings unter falschem Namen, wegen kleinerer Sachen im Gefängnis. Auch er stolpert über seine Eitelkeit, als er seinem Mitinsassen Konrad die Geschichte von Franz Biberkopf erzählt. Als Konrad nämlich frei kommt, schwärzt er Reinhold an, um die Belohnung zu kassieren. Die falsche Identität fliegt auf und Reinhold muss sich für den Mord an Mieze verantworten.

Franz ist währenddessen in Hungerstreik getreten. Er nimmt ab, wird schwächer. Schließlich wird er in die Irrenanstalt Buch verlegt, wo er weiter gegen das Leben und die Nahrung kämpft.

Franz halluziniert. Er hält Zwiesprache mit dem Tod, der ihm Vorwürfe macht und die Schuld an Miezes Tod gibt. So ganz Unrecht hat er ja nicht: Reinhold unter dem Bett, als Mieze unglücklich heim kam... - Das war schön befremdlich. Wie konnte
Franz Reinhold wieder vertrauen?!?

Später tauchen auch Ida, Mieze, und andere auf und "sprechen" mit Franz in seinen Träumen.
Franz gesteht seine Schuld ein und wird am Ende wieder gesund. Ein neuer Franz "Karl" Biberkopf erwacht und wird aus der Anstalt entlassen.
Er besucht Eva, die das gemeinsame Kind verloren hat und nicht mehr seine Geliebte sein will. Sie gehen aber gemeinsam zu Miezes Grab.

Franz belastet Reinhold nicht besonders im Prozess. Trotzdem wird Reinhold zu 10 Jahren wegen Todschlags verurteilt.
Franz wird Hilfsportier in einer Fabrik.

Natürlich gibt es viele weitere Versatzstücke. Ich habe mich beim Zusammenfassen aber auf die Geschichte von Franz Biberkopf beschränkt.
 

ElisabethBulitta

Bekanntes Mitglied
8. November 2018
1.318
2.368
49
50
Franz gesteht seine Schuld ein und wird am Ende wieder gesund.

Das hat mir, ehrlich gesagt, am Buch am besten gefallen. Dass Franz eben nicht (nur) als Opfer gesehen wird, sondern klar und deutlich gesagt wird, dass auch er Schuld auf sich geladen hat.
Der Leidendruck muss erst unendlich groß werden, um in die Puschen zu kommen.

Der Erzähler nimmt ja immer wieder Franz' schreckliches Schicksal vorweg, am Ende hat das Buch aber doch eine Art Happy End. Der alte Franz ist tot und hat nun die Chance, es in seinem zweiten Leben besser zu machen.
"Die Welt ist nicht aus Zucker gemacht." - Da kann ich Döblin nur beipflichten. Leider denken viele es.

Wichtig ist, denke ich, auch der Satz "Viel Unglück kommt daher, wenn man allein geht." Franz hat sich zwar Weggefährten gesucht, aber leider die falschen.

In den letzten Teilen des Romans ist auch immer wieder das Vanitas-Motiv aufgetaucht. Das Buch Kohelet ist eigentlich fast das schönste in der Bibel, zumindest aber im AT.
 

kingofmusic

Bekanntes Mitglied
30. Oktober 2018
4.065
7.802
49
45
Ein im wahrsten Sinne des Wortes Nerven aufreibendes Buch und ein großartiger Schlusspunkt unter ein sensationelles Gesamtkunstwerk. Bei dem "Zwiegespräch" mit dem Tod und den Halluzinationen von Franz kommt auch meiner Meinung nach gut Döblin´s Erfahrung als Assistenzarzt in Buch usw. gut raus.
 

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
10.237
19.401
49
Ein im wahrsten Sinne des Wortes Nerven aufreibendes Buch und ein großartiger Schlusspunkt unter ein sensationelles Gesamtkunstwerk. Bei dem "Zwiegespräch" mit dem Tod und den Halluzinationen von Franz kommt auch meiner Meinung nach gut Döblin´s Erfahrung als Assistenzarzt in Buch usw. gut raus.
Ein tolles Fazit! Ich freue mich, dass du ebenso begeistert von dem Buch bist wie ich!
 
  • Like
Reaktionen: kingofmusic

Ähnliche Themen