Nachwort und Fazit zu "Martha und die Ihren"

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
19.855
51.349
49
Welche Erkenntnisse zieht ihr aus dem kurzen Nachwort? Wie hat euch der Roman als Ganzes gefallen? Bitte schreibt ein spontanes Fazit in ein paar Sätzen.
 

alasca

Bekanntes Mitglied
13. Juni 2022
3.323
10.650
49
Der Roman hat mir gut gefallen. Die Figuren sind knapp und treffsicher gezeichnet, ihre Beschädigungen, Nöte und Ambivalenzen nachvollziehbar und psychologisch schlüssig. Die eigene Familie so abgeklärt und ja, weise wahrzunehmen und zu schildern, dazu gehört menschlich schon eine ganze Menge.

Längen, wie verschiedentlich moniert, habe ich keine empfunden, jeder kleine Abzweig hatte eine Funktion. Für mich hat der Lesesog nie nachgelassen.

Auch das Ende gefiel mir gut in seinem gedämpften Optimismus.

Das Nachwort hat nichts formuliert, was der Roman nicht schon vorher zum Ausdruck gebracht hat. Insofern eher eine Bestätigung als zusätzliche Erkenntnis.

Ein typischer Hartmann - und ein 5-Sterne-Roman.
 

RuLeka

Bekanntes Mitglied
30. Januar 2018
6.893
26.008
49
66
Ich kann der obigen Beurteilung nur zustimmen.
Auch auf mich hat der Roman großen Eindruck gemacht.
Lukas Hartmann hat auf weniger als dreihundert Seiten eine berührende Familiengeschichte über drei Generationen hinweg entwickelt. Dabei hat er sich auf das Wesentliche beschränkt; Wichtiges breiter erzählt, anderes gerafft. Dabei hatten auch die Abzweigungen ihre Berechtigung.
In nüchterner und klarer Sprache erweist sich der Autor als Chronist in eigener Sache. Trotz der lakonischen Erzählweise vermag er beim Leser Gefühle wecken und Empathie für seine Figuren schaffen.
Für mich ohne Einschränkungen ein 5 Sterne Buch. Gerne gelesen und gerne werde ich es weiterempfehlen.
Auch ein Roman für meinen Lesekreis ( für mich immer ein wichtiges Kriterium).
 

Barbara62

Bekanntes Mitglied
19. März 2020
4.157
15.949
49
Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Ich stimme völlig mit euch überein, auch von mir wird es 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung geben. Für mich war es der erste Roman des Autors und er hat mir ausgesprochen gut gefallen. Dass man so trefflich darüber diskutieren kann, hat mich fast überrascht, wo doch eigentlich alles sehr klar auf der Hand liegt. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut.

Besonders gut gelungen finde ich die Charakterzeichnungen und die Aufrichtigkeit, mit der Hartmann schreibt. Es ist ja nicht immer schmeichelhaft, was er über sich und seine Familie zu berichten hat, aber gerade deshalb wirkt es authentisch.

Ich bin sehr froh, dass ich mitgelesen habe. Kein spektakuläres Buch, aber ein wichtiges und im Gedächtnis bleibendes.
 

Barbara62

Bekanntes Mitglied
19. März 2020
4.157
15.949
49
Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Ich kenne schon einige Bücher von ihm, aber das ist eins seiner Besten.
Lukas Hartmann hat während der Arbeit an diesem Roman einen Schlaganfall erlitten. Zum Glück konnte er seine Arbeit vollenden.
Ob ihn das Thema so aufgewühlt hat? Ich hoffe sehr, es geht ihm wieder besser.
 

Federfee

Bekanntes Mitglied
13. Januar 2023
2.382
9.884
49
Den Beginn des Buches fand ich sehr reizvoll, aber im Weiteren fand ich die Erzählweise streckenweise zu komprimiert. Zuerst fand ich das Chronologische erholsam, aber später habe ich mich gefragt, ob man es nicht anders hätte aufziehen können, z.B. die alte Martha im Heim besuchen und sich von ihr erzählen zu lassen und das dann berichten.

Eins muss man dem Buch aber lassen: es hat Nachdenken über die eigene Familie, über Erinnerungen angeregt und es hat interessante Diskussionen über Erziehung, die Rolle von Frauen und die Weitergabe von Traumata ausgelöst. Das alles ist ein Pluspunkt für ein Buch, für mich im Ganzen ein 4-Sterne-Buch.​
 

Bajo

Aktives Mitglied
16. Juni 2023
678
3.392
44
Der Roman hat mir auch gefallen. Der reduzierte, schnörkellose Sprachstil Hartmanns war für mich etwas gewöhnungsbedürftig, passt aber zur Geschichte. Viel stand zwischen den Zeilen und die Atmosphäre der Zeit wurde durch die Art des Erzählens gut gespiegelt.
Die Geschichte regt an, die eigene Vergangenheit, die eigene Beziehung zu Eltern, Großeltern etc. zu reflektieren und hallt sehr nach. Dennoch wirkte der Mittelteil auf mich eher verkürzt, wie eine Familienchronik, ohne den Tiefgang des Anfangs als Martha noch Kind war. Vielleicht hätte dem Roman hier gut getan, ausführlicher zu erzählen. Der Autor soll während des Schreibens gesundheitliche Probleme gehabt haben, vielleicht ist der Roman zum Ende hin deshalb kürzer und weniger intensiv ausgefallen ? Ich muss noch drüber nachdenken es werden wahrscheinlich 4 oder 5 Sterne.
 

Eulenhaus

Aktives Mitglied
13. Juni 2022
345
1.638
44
Wie RuLeka eingangs zu Hartmann erwähnte, ein solides Buch, die Lebensgeschichte über drei Generationen. Besonders das Leben seiner Großmutter Martha, die bestrebt war, den Makel des Verdingkindes durch Arbeit am Aufstieg loszuwerden. Nur Arbeit bestimmte ihr Leben, für Kunst und Kultur, überhaupt für ein Hobby hatte sie keine Zeit. Die Zeit war damals eine andere, Aufbegehren war kaum möglich. Erst die Enkel überwinden den Makel.
 

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
19.855
51.349
49
Auch mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Sehr ehrlich und klar breitet Hartmann die Geschichte seiner Familie vor uns aus. Er verzichtet auf große Gefühle, bleibt sachlich im Ton und erzählt sehr dicht und trotzdem intensiv.
Ausgehend von seiner Großmutter Martha, die ein Verdingkind war und bei einer Bauernfamilie unter traurigen und nicht nur emotional armen Verhältnissen aufwuchs, werden neben ihrem Leben auch die ihrer Söhne und Enkelsöhne in den Fokus genommen. Wie wirken sich erlebte Traumata auf die nächsten Generationen aus?
Der Roman setzt Denkprozesse über die eigene Familie in Gang, gibt Diskussionen breiten Raum. Ich merke schon, wie das Buch in mir nacharbeitet und werde es mit aufgerundeten 5 Sternen bewerten.
 

Bücherfreundin

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6. November 2022
517
2.502
44
58
Mir hat es auch gefallen, aber ich bin ohnehin ein Fan von Lukas Hartmann. Fast alle seine Bücher haben mir neue Eindrücke oder Sichtweisen vermittelt. Hier habe ich mich - genau wie ihr - mit meiner Herkunft und meiner familiären Prägung beschäftigt, dazu gab Martha mehr als einmal Anlass - Fragen, über die ich zuvor lange nicht mehr nachgedacht hatte. Wenn euch sein Buch gefallen hat: „Ins Unbekannte“ und „Ein Bild von Lydia“ mag ich besonders. „Der Sänger“ werden vielleicht einige von euch kennen.
 

petraellen

Aktives Mitglied
11. Oktober 2020
480
1.368
44
Zuerst fand ich das Chronologische erholsam, aber später habe ich mich gefragt, ob man es nicht anders hätte aufziehen können, z.B. die alte Martha im Heim besuchen und sich von ihr erzählen zu lassen und das dann berichten.
Ich hatte mir sogar überlegt, ob es sinnvoll gewesen wäre, den Roman in zwei Romane aufzuteilen. Damit hätte man durchaus mehr Platz für mehr Ausführlichkeit der einen oder anderen Person gehabt.
 
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Reaktionen: Nosimi

RuLeka

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30. Januar 2018
6.893
26.008
49
66
Ich hatte mir sogar überlegt, ob es sinnvoll gewesen wäre, den Roman in zwei Romane aufzuteilen. Damit hätte man durchaus mehr Platz für mehr Ausführlichkeit der einen oder anderen Person gehabt.
Ich fand die Form gerade richtig. Der Roman heißt „ Martha und die Ihren“ und es ging um Marthas Schicksal und die Auswirkungen, die dieses auf ihre Kinder und Enkel hatte. Der Autor lässt Leerstellen, erzählt nicht alles aus, muss er auch nicht.
 

petraellen

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11. Oktober 2020
480
1.368
44
"Martha und die Ihren" von Lukas Hartmann ist ein eindrucksvoller und gut recherchierter Roman, der die Herausforderungen und Veränderungen des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive einer starken weiblichen Protagonistin beleuchtet und persönliche Schicksale mit den großen politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen der Zeit verbindet.
 
Zuletzt bearbeitet:

Nosimi

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27. März 2024
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523
39
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Nachdem mein erstes Fazit wieder gelöscht werden musste, weil es zu lange und eigentlich schon fast meine Rezension war, hier nochmal neu:

"Martha und die Ihren" hat mir sehr gut gefallen, da ich ein großer Fan von Familiengeschichten und Dynamiken innerhalb in einer Familie bin. Es ist ein Buch, dass ich auch meiner eigenen Mutter empfehlen und weitergeben würde. Marthas Geschichte weckt in gleichem Maße Verständnis wie Unverständnis, man wünscht sich für sie und die Ihren einen anderen Weg, eine andere Möglichkeit miteinander umzugehen. Und trotzdem liest man gebannt weiter. Für mich hatte das Buch keine Längen, ich hätte mir tatsächlich lieber noch 150 Seite mehr gewünscht, um einiges etwas mehr auszuschmücken oder mehr darüber zu erfahren. Die sprachliche Gestaltung war mir ehrlich gesagt zu schlicht, auch wenn sie gut zum Text gepasst hat. Ich denke ich werde bei 4 Sternen landen.