Leserunde zu "Berlin 1936: Sechzehn Tage im August" - ab 01.09.16

Helmut Pöll

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Hier startet am 01.09.16 unsere #leserunde zu "Berlin 1936: Sechzehn Tage im August" von Oliver Hilmes

Es gibt viele Bücher über die Zeit des Nationalsozialismus. Mit keinem Ereignis wurde der Weltöffentlichkeit aber stärker Normalität vorgegaukelt, als mit den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Davon handelt dieses Buch. Zehntausende strömen in die deutsche Hauptstadt, die die Nationalsozialisten in diesen sechzehn Tagen als weltoffene Metropole präsentieren wollen. Aber hinter den Kulissen gibt es diese Normalität längst nicht mehr.

Autor Oliver Hilmes, Historiker und Publizist, folgt prominenten und völlig unbekannten Personen, Deutschen und ausländischen Gästen während dieser 16 Tage, in denen die Diktatur kurz Pause machte.

Buchinformationen und Rezensionen zu Berlin 1936: Sechzehn Tage im August von Oliver Hilmes
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@Querleserin , @Renie
 
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Wünsche Euch allen viel Spaß, werde es leider zeitlich nicht schaffen, aber ich werde ein Auge auf euch haben:)
 
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Helmut Pöll

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1. Auguist 1936, die Spiele beginnen. Die Berliner sind begeistert. Hilmes beschreibt in kurzen Episoden die Ereignisse aus Sicht verschiedener Personen.

Eine der Personen, die in Berlin zu Besuch ist, ist der amerikanische Autor Thomas Wolfe Thomas Wolfe – Wikipedia der gerade sein neues Buch bei Rowohlt verlegt hat. Auch er ist begeistert und geblendet von der perfekten Organisation und der Begeisterung.

Wie sich der Komponist Richard Strauss den Nazis angedient hat und Hitler die Eröffnungsmelodie gewidmet hat, das finde ich ziemlich abstossend. Wer an der Geschichte dieser Zeit interessiert ist, den zieht das Buch schnell in seinen Bann, auch wenn mich der Schreibstil eher an ein Sachbuch erinnert.
 

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Habe auch die ersten beiden Tage der perfekt inszenierten Spiele gelesen. Kann dir @Helmut Pöll zustimmen. Es sind interessante kleine Episoden rund um die Spiele, manchmal auch Ereignisse, die scheinbar gar nichts damit zu tun haben. Ich fand z.B. die Szene mit Mascha Kaleko sehr interessant, da ich die Gedichte der Autorin kenne. Der Stil ist eher gewöhnungsbedürftig. Mir fehlt ein wenig der rote Faden, der sich zurzeit nur aufgrund der Chronologie ergibt.
 

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So, jetzt habe ich die ersten Seiten auch gelesen. Da die diesjährige Olympiade gerade mal einen Monat zurückliegt und ich auch einige Wettkämpfe gesehen habe, fällt mir sofort unangenehm auf, wie sehr der Sport damals von der Politik instrumentalisiert worden ist. Ein IOC Präsident, der eine militärische Parade abnimmt und Kränze bei Ehrendenmälern ablegt. Das ist doch eher der Job eines Politikers. Da denke ich doch an unseren Herrn Gauck. Unvorstellbar, dass heutzutage ein Sportfunktionär solche Aufgaben übernimmt. (Obwohl ich mir sicher bin, dass sich der eine oder andere gern in der Rolle eines Regierungschefs sehen würde ;))
 

Helmut Pöll

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Ich glaube die Verquickung Sport/Politik ist immer noch sehr stark, auch wenn die Dinge vielleicht im Zeitalter der Massenmedien subtiler gehandhabt werden als 1936. Aber damals wie heute hat die Politik grosses Interesse an Olympia, weil sich im Taumel der Spiele und im Vorfeld andere Probleme gut vergessen und vertuschen lassen. Die Funktionäre wissen natürlich darum und das eine oder andere lukrative Pöstchen findet sich immer.
 

Helmut Pöll

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Der Stil ist eher gewöhnungsbedürftig. Mir fehlt ein wenig der rote Faden, der sich zurzeit nur aufgrund der Chronologie ergibt.
Das geht mir ganz genauso. Es ist eigentlich kein Roman im herkömmlichen Sinn mit einer durchgängigen Handlung. Eher ist es eine Aneinanderreihung von Schnappschüssen zu Begebenheiten aus allen Kreisen der Gesellschaft.

Berlin feiert noch, während vor den Toren der Stadt schon die KZ gebaut werden. Gruselig, im Nachhinein.
 
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4. Auguist 1936. Jesse Owens hat nochmal eine Goldmedaille gewonnen und Adolf ist nicht anüsiert darüber. Goebbels fürchtet sich, dass auch hartgesottene Nazis nach dem mehrfachen Sieg eines "Negers" Zweifel an der Überlegenheit der arischen Rasse bekommen könnten.

Ja nun, das sind alles für sich ganz interessante kleine Anekdoten um Geschehnisse in Berlin 1936, die aber nichts erhellen, was man nicht eh schon längst wusste. Damit die Einzelschicksale wirklich betroffen machen würden, dazu sind die einzelnen Passagen zu kurz, bis jetzt auch zu belanglos, und der Erzählstil zu unemotional. Dass wir es hier tatsächlich mit einer mörderischen Diktatur zu tun haben, mit einem Unmenschen und Jahrhundertmörder an der Spitze, die dem Rest der Welt durch perfekte Spiele Normalität vorgaukelt, wird mir anhand dieser Lektüre nicht klar. Das weiss ich, weil ich den Ausgang des Dritten Reiches kenne, aber eigentlich habe ich erwartet, dass der Autor das in diesem Buch herausarbeitet.

Ich muss leider sagen, bis jetzt überzeugt mich das Buch nicht. Aber ich will gar nicht vorschnell urteilen, ich bin ja erst bei Tag 4.
 
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@Helmut Pöll : Mir geht es ähnlich. Es zieht mich nicht in seinen Bann. Die Ereignisse folgen zu schnell aufeinander, man kommt nicht an. Es ist gut recherchiert, bietet aber wrnig neue Erkenntnisse. Er hätte sich besser auf einige wenige Personen beschränken sollen, oder?
 

Helmut Pöll

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Er hätte sich besser auf einige wenige Personen beschränken sollen, oder?
Auf jeden Fall, @Querleserin . Was Göbbels da in sein Tagebuch kritzelt ist sicher mit viel Aufwand recherchiert, aber doch eigentlich irrelevant, da es ja keinerlei neue Erkenntnisse gibt.
"Als die Diktatur Pause machte" ist einer der Werbeslogans für dieses Buch. Da hätte es doch sicher einige Personen gegeben, die Angst vor der Verhaftung hatten und jetzt fürchten, nach Abreise der hohen Gäste in die Klauen der Gestapo zu fallen. Diese Geschichten hätten mich interessiert.
 

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@Helmut Pöll: Das sehe ich auch so, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt wiederhole. Die Geschichten der Menschen, die noch geduldet wurden, sind ja da. Einige hat er ja auch aufgegriffen und angedeutet, dass sie eine Schonfrist haben, wie der Besitzer dieser Nobelbar. Ich gebe ihm noch eine Chance, aber dann halte ich es mit TIm Parks, der geschrieben hat, man müsse nicht jedes Buch zu Ende lesen;)
 

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Habe jetzt gut die Hälfte gelesen und muss sagen, dass es zunehmend besser wird. Das hängt aber damit zusammen, dass sich Hilmes auf einige Personen konzentriert, die immer wieder auftauchen wie der amerikanische Autor Wolfe oder einige Diplomaten. Trotzdem bleibt es ein "Sammelsurium" von Eindrücken. Schade!
 

Renie

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Ich komme nur sehr langsam vorwärts. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich parallel noch ein anderes Buch in der Fantasy-Leserunde lese.
Berlin 1936 hat mich bis jetzt noch nicht gepackt, wird es wohl auch nicht. Bei einer Aneinanderreihung von Anekdoten und Geschichten kann auch keine Spannung aufkommen. Daher lässt sich dieses Buch ganz gut nebenher zu anderen Büchern lesen.
Ich finde das Thema hochinteressant: diese ganz besondere Olympiade als Rahmen für die Darstellung von Einzelschicksalen zu nehmen und damit den damaligen Zeitgeist wiederzugeben. Eine tolle Idee, die Hilmes da hatte.
 

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@Renie : Die Idee ist prinzipiell wirklich gut, ich bleibe aber dabei, dass er sich noch stärker auf einige wenige Figuren hätte konzentrieren können, so dass wir gemeinsam mit ihnen aus unterschiedlichen Perspektiven die Spiele und die politische Situation hätten erleben können. Mit dem Autor Tom Wolfe habe ich zumindest jetzt mal ein rotes Fädchen, neben den Wettervorhersagen ;)
 
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Trotzdem bleibt es ein "Sammelsurium" von Eindrücken. Schade!
Ich fand es auch nicht schlecht. Die Begeistreung darüber kann ich nicht nachvollziehen. Bin schon durch und habe es auch rezensiert.
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