Jahrestag

Anjuta

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8. Januar 2016
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Essen
Und zum Abschluss noch einmal Gedanken eines alten Mannes. Hier über einen vielleicht innerlich, aber nicht äußerlich vollzogenen Abschied von einer jüngeren Geliebten. Die Analyse über eine Situation, in der die Junge mit einem jungen Mann tanzt, so wie er nie tanzen konnte und nie wird tanzen können, zeigt ihm die Beziehung zwischen ihnen in einem neuen Licht, in einem skeptischen Licht. Aber er will und kann sich über diese Skepsis wohl hinwegsetzen. Welche Beziehung ist schon makellos und optimal, also: lass das Glück entscheiden! “Auf Jahre, leicht wie Vögel!”
 

Circlestones Books Blog

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28. Oktober 2018
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Das Thema der späten Liebe, Paare mit großem Altersunterschied, ist ein zeitloses Thema im Leben und in der Literatur. "Auf Jahre, leicht wie Vögel", es ist ein fröhliches Bild, das die junge Frau im Kopf hat, während der alte Mann darin das Bild "die Jahre vergehen wie im Flug" sieht, die Lebenszeit, die ihm noch verbleibt und die immer schneller zu vergehen scheint. Die Leichtigkeit des Vogelfluges wird durch seinen flüchtigen Gedanken an die Vergänglichkeit dieser Beziehung belastet, eine leise Erzählung der Stimmungen, die nachdenklich, aber nicht traurig macht.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Die Analyse über eine Situation, in der die Junge mit einem jungen Mann tanzt, so wie er nie tanzen konnte und nie wird tanzen können, zeigt ihm die Beziehung zwischen ihnen in einem neuen Licht, in einem skeptischen Licht. Aber er will und kann sich über diese Skepsis wohl hinwegsetze
Sehr gut zusammengefasst ;)

Auch diese Abschiedsgeschichte hat mir sehr gut gefallen. Man muss das Glück und die Liebe annehmen, wie sie kommt. Bei 38 Jahren Altersunterschied sind die Perspektiven wirklich sehr unterschiedlich und es ist eigentlich von Anfang an klar, dass man nur ein Stück des Lebensweges zusammen wird gehen können.

Mir gefällt die doch gleichberechtigte Beziehung der beiden, was ja auch von seiner Schwester bestätigt wird. Sie erfüllen offensichtlich nicht das typische Klischee deutlich altersunterschiedlicher Paare.

Seine ambivalenten Gedanken werden gut zum Ausdruck gebracht. Das geht von "Ich kann mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen", bis "Ich muss aus ihrem Leben verschwinden".
Es taucht ein Schatten auf dem Glück auf... der aber auch wieder verschwinden darf. Er überspielt ihn: "Ich kann mein Glück kaum fassen."

Der Gedankenstrom wirkt sehr realistisch und ehrlich. Welcher alternde Mann sieht schon dem naheliegenden Gedanken ins Auge, "dass er ihr nichts geben kann". Er kann ihr keine Jugend bieten. Aber irgendwas wird es schon sein, sonst hätten sie ja keinen Jahrestag ;)
 

SuPro

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28. Oktober 2019
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In der letzten Geschichte geht es um Verlustangst. Der alte Mann liebt die junge Frau und hat Angst, sie zu verlieren. Er befürchtet, sie könnte einen Erwartungsdruck verspüren, sich vereinnahmt fühlen oder von ihm enttäuscht sein.
Er überlegt, sie zu verlassen, bevor sie ihn verlässt.
Vordergründig, weil er meint, ihr als alter Mann nicht geben zu können was sie braucht und will, unbewusst aber (auch), weil er es nicht ertragen könnte, von ihr verlassen zu werden.
Sie ist so unbeschwert und aufrichtig, er so ernst und ängstlich. Er macht sich das Leben schwerer als es ist.
Die Geschichte hat mir auch gut gefallen.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Älterer Herr , junge Geliebte. Er macht sich Gedanken, ob die Beziehung richtig und gut ist für die junge Frau. Man trinkt Champagner, liest sich gegenseitig „ Krieg und Frieden“ vor , tanzt , führt gepflegte Gespräche... das ist mir zu sehr gepflegte Idylle, nahe am Kitsch.
 

Literaturhexle

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Älterer Herr , junge Geliebte. Er macht sich Gedanken, ob die Beziehung richtig und gut ist für die junge Frau. Man trinkt Champagner, liest sich gegenseitig „ Krieg und Frieden“ vor , tanzt , führt gepflegte Gespräche... das ist mir zu sehr gepflegte Idylle, nahe am Kitsch.
Deine Begeisterung springt aus jeder Zeile :D
Da sind wir uns dann wohl mal nicht einig. Macht nix. Beim nächsten Mal wieder ;)
 
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Bibliomarie

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10. September 2015
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Diese Geschichte finde als Abschluss des Bandes gut gewählt. Auch hier ist ein Abschied schon zu ahnen.
Ein alter Mann, seine junge Gefährtin/Geliebte und seine Ahnung und Angst vor dem Abschied. Denn der wird kommen, da ist er sich sicher. Besonders nach dem spontanen Tanz mit dem jungen Musiker. Denn nie wird er die Unbekümmertheit eines jüngeren Partners haben.
Er spielt mit dem Gedanken die Beziehung zu beenden, weil er nicht der Verlassene sein will.

Er kann nicht den Augenblick genießen, diese Liebe nicht als Geschenk annehmen, das ist traurig.
 

parden

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13. April 2014
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Eine nette, nicht zu schwere, wenn auch durchaus leicht melancholische Erzählung am Ende des Geschichtenbandes - passend in meinen Augen. Zuletzt kamen doch viele ältere Herren vor in den Geschichten... Aber verständlich, dass Autoren ihre eigenen Lebensphasen in ihre Erzählungen mit einfließen lassen. Und eine Menge Lebenserfahrung auf der einen und Reflektionsfähigkeit auf der anderen Seite kann man Schlink schon bescheinigen... ;)
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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In mehreren Geschichten kommt es mir so vor, als steckt der Autor zwischen den Zeilen. Er beschreibt die Gefühle teilweise so gut, dass man denken könnte, er hätte mit Menschen gesprochen, die genau das erlebt haben. Vielleicht besitzt er auch einfach nur eine gute Menschenkenntnis, und kann auf viele Jahre zurückblicken, in denen er selbst vieles erlebt hat.
Mich würde interessieren, ob Schlink die chronologische Reihenfolge der Geschichten bewusst gewählt hat? Diese passt hervorragend ans Ende.
Der Altersunterschied zwischen dem Paar ist übrigens sehr groß. Der Erzähler hat Sorgen, die ich diesbezüglich gut nachvollziehen kann. Diese Geschichte war wieder einmal auch ein Denkanstufür mich, der über die Geschichte hinausgeht. Habe viel überlegt wie so eine Beziehung wohl aussieht? Was hat man für Themen beim Frühstück? Banale Frage, aber sowas ging mir tatsächlich durch den Kopf, durch den Altersunterschied gehen einige Interessen bestimmt auseinander. Versteht mich aber nicht falsch, ich möchte eine Beziehung mit einem so großen Altersunterschied nicht verurteilen, es ist reines Interesse, ob und worin sich einiges unterscheidet.
 

wal.li

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1. Mai 2014
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Für mich war diese Geschichte auch ein gelungener Abschluss. Sie wirkt fast heiter, aber auch realitätsnah. Es kommt schon vor, dass man sich plötzlich fragt, wie lange man das Glück genießen kann.