Identität von Elena Ferrante gelüftet

Helmut Pöll

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Seit dem vergangenen verlängerten Wochenende ist die Buchwelt um eine Enthüllung reicher. Der Investigativjournalist Claudio Gatti behauptet zu wissen, wer sich hinter dem Pseudonym der italienischen Autorin Elena Ferrante verbirgt

Die Verfasserin des Romanziklus "L'amica geniale" ist mit ihrem ersten Band, der auf deutsch als "Meine geniale Freundin" publiziert wurde, aktuell in der Spiegel-Bestsellerliste in denTop 10 vertreten.

Bis jetzt war Elena Ferrante ein Phantom. Es gibt keine Bilder von ihr, obwohl sie ihr erstes Buch bereits 1992 veröffentlicht hat, vor fast einem Vierteljahrhundert.

Gatti gab nun am Wochenende nach monatelangen Recherchen die wahre Identität von Ferrante preis. Publikumswirksam erschien die Enthüllung zeitgleich in der Frankfurter Allgemeinen,im Wirtschaftsjournal "Il Sole24 Ore", der "New York Times Review of Books" sowie auf der Enthüllungsseite "Mediapart".

Und wer ist nun Elena Ferrante? Angeblich soll die renommierte italienische Übersetzerin Anita Raja hinter dem Pseudonym stecken. Hohe Honorarabrechnungen und eine 11-Zimmer-Wohnung in Rom, die man sich als Übersetzerin eigentlich nicht leisten kann, haben Gatti auf die Spur gebracht.

www.faz.net: Bestsellerautorin: Wer ist Elena F.?
http://www.nytimes.com/2016/10/03/books/elena-ferrante-anita-raja-domenico-starnone.html?_r=0
 
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Marley

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Und Elena Ferrante sagte, sollte ihr Pseudonym gelüftet werden, würde sie nie wieder ein Buch schreiben. Man darf gespannt bleiben :)
 

Marley

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7. Oktober 2014
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Ich glaube das schon. Zumindest als Elena Ferrante. Wobei ich gerade nicht weiß, ob schon alle vier Bücher geschrieben wurden.
Es ist doch wirklich piepegal wer welches Buch geschrieben hat. Warum diese Verbissenheit das Pseudonym herauszufinden, ich verstehe es nicht.
 
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Sakuko

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Wenn es egal ist, dann soll sie halt unter ihrem Namen schreiben. Ich habe nie recht verstanden, warum so viele Autoren unter einem Pseudonym schreiben müssen.
Wer ein Geheimnis um sich macht, der fordert halt Leute heraus es zu lüften. Es ist halt eine Schlagzeile, das ist was Journalisten tun.
 
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Helmut Pöll

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Wer ein Geheimnis um sich macht, der fordert halt Leute heraus es zu lüften. Es ist halt eine Schlagzeile, das ist was Journalisten tun.
Das sehe ich auch so, @Sakuko . Irgendwo kann ich zwar verstehen, wenn jemand seine Ruhe haben möchte. Aber man kann nicht den "guten" Teil des Medienzirkus nutzen, um seine Bücher weltweit möglichst perfekt zu vermarkten und über den "bösen" Teil des Medienzirkus, der die Neugierde bedient, schmollen. Es sind meiner Ansicht nach zwei Seiten derselben Medaille.
 
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Marley

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Weil auch Autoren eine Privatsphäre haben und behalten wollen. Die ständigen Fragen, ob man da aus dem eigenen Nähkästchen plaudert, nerven schon. Menschen die mit einem bekannt sind, die sich im Roman wiederzuerkennen glauben, Arbeitgeber/Kunden, die einem nachspionieren könnten ...
 

Marley

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Warum kann man nicht den "guten Teil des Medienzirkuses nutzen"? Ein Autor gehört nicht der Welt. Ich verteidige hier jemanden, deren Werke ich gar nicht kenne. Warum kann nicht einfach nur "das Wort" stehen?
 

Sakuko

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Aber es gibt genug Autoren, die nicht in der Öffentlichkeit stehen (tatsächlich kenne ich wenige, die überhaupt viel in den Medien sind, Autoren sind nicht das gleiche wie Popstars). Man kann den Medien auch mal "nein" sagen, dann kriegt man vielleicht weniger oder weniger gute Schlagzeilen, aber man hat seine Ruhe.
 

Sakuko

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Medien wollen sich die Autoren warm halten, die ihnen gut gesonnen sind, die ihnen Homestories, Interviews und/oder exklusive Vorabinformationen liefern. Ist ja klar, ist positiv für das entsprechende Medium.
Aber die Autoren, die nur dann eine positive Rezension sehen wollen, wenn das neuste Buch da ist, aber sonst bloß nichts über sich lesen wollen und ggf. noch gegen alles klagen, was geschrieben wird, an denen haben die Medien nichts, also warum sollten sie etwas für diese Autoren machen? Die Medien haben doch dann auch gar kein Verdienst daran, ob der Autor erfolgreich bleibt oder nicht.
Das gilt für alle Leute des öffentlichen Lebens: Politiker, Künstler, Stars und Sternchen, wobei natürlich manche Unternehmen da sehr extrem nachtragend sind (man denke mal Bild) und manche professioneller auftreten.
 

Marley

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@Sakuko - ja, ich verstehe das schon bis zu einem gewissen Grad. Dieser Journalist jedoch hat es sich zur Aufgabe gemacht das Pseudonym zu lüften. Warum? Ist doch kein Watergate das hier aufgedeckt wird. Muss man sich da bespitzeln lassen wie es um die Finanzen steht?
Selbst als Unbekannte möchte ich nicht fremde Nasen in meine Finanzen wühlen haben.
 

Frank1

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Wer weiß, ob es sich dabei nicht um einen Marketinggag handelt? Die Nummer ging viral, auf einmal kennt jeder den Namen Elena Ferrante.
So ähnlich wir bei JK Rowlings 1. unter Pseutonym veröffentlichten Krimi. Soweit man weiß, verkaufte sich dieses Buch eines 'unbekannten Autors' auch recht zäh. Und dann beging 'zufällig' jemand die Indiskretion, die Identität hinter dem Pseutonym zu enthüllen. Schlagartig schoss der Absatz in schwindeleregende Höhen. Und komischerweise hatte der Verlag sofort ausreichend lieferbare Exemplare verfügbar ...
 
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Nun ja, ich hatte vorher weder von der Autorin gehört, noch vom Journalisten und werde mir den Namen des Journalisten grad mal nicht für die Ewigkeit merken.
Mir geht es schlicht ums Prinzip. Komischerweise stimme ich Frank1 zu was JK Rowlings Krimi anging. Der ging wohl nicht ohne ihren Namen.
Eben lese ich diesen Beitrag im SPON - kommt halt meinen Gedanken sehr nahe. Enttarnung von Elena Ferrante: Kein Ruhm für Stalker - SPIEGEL ONLINE
 

Marley

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@Sebastian - janein, keine Ahnung. Fände ich schade, denn ich habe absolut keine Lust meine Zeit mit solchen Sachen zu verbringen, wenn sie künstlich sind.Im von mir verlinkten Artikel wird gesagt, sie schreibt seit 20 Jahren - so erfolglos kann sie nicht gewesen sein, wenn zig Übersetzungen vorliegen. Aber nun gut - siehe meinen ersten Satz. Ich lasse das Thema jetzt für mich sein, wie gesagt, es ging und geht mir ums Prinzip. Einfach mal akzeptieren was Menschen - Autoren - wollen oder nicht.
 

Helmut Pöll

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Nun ja, ich hatte vorher weder von der Autorin gehört, noch vom Journalisten und werde mir den Namen des Journalisten grad mal nicht für die Ewigkeit merken.
Mir geht es schlicht ums Prinzip. Komischerweise stimme ich Frank1 zu was JK Rowlings Krimi anging. Der ging wohl nicht ohne ihren Namen.
Eben lese ich diesen Beitrag im SPON - kommt halt meinen Gedanken sehr nahe. Enttarnung von Elena Ferrante: Kein Ruhm für Stalker - SPIEGEL ONLINE
Danke für den Spiegel-Link, @Marley . Ich bin da auch hin und her gerissen. Aber ganz kann ich dem Spiegel-Artikel einfach nicht zustimmen. Dort wird eine Parallele zu Autoren wie Süskind und Salinger gezogen, die sich den Medien konsequent verweigert haben, um privat ihre Ruhe zu haben. Aber DIE haben sich eben auch konsequent verweigert, Ferrante eben nicht. Sie hat die Medien in Sachen PR bestmöglich genutzt, Interviews gegeben, und damit natürlich auch die Neugierde befeuert, wer hinter dem Pseudonym stecken mag.

Heute sagte der Programmleiter des Suhrkamp-Verlages, Frank Wegner, in einem Interview der Welt, dass es kein Recht der Öffentlichkeit gebe zu erfahren, wer sich hinter einem Pseudonym verberge. Stimmt, gibt es nicht. Genauso gibt es aber auch kein Recht auf Schutz eines Pseudonyms und kein Verbot für Journalisten Pseudonyme zu enthüllen, unabhängig davon, wie man das nun moralisch finden mag.
 
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InFo

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9. August 2015
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Genauso gibt es aber auch kein Recht auf Schutz eines Pseudonyms und kein Verbot für Journalisten Pseudonyme zu enthüllen, unabhängig davon, wie man das nun moralisch finden mag.

Aber es gibt ein Recht auf Privatsphäre. Und das wäre auch mein einziger Punkt zu diesem Umstand. Es steht dem Journalisten nicht zu, dieses grundlegende Rechts auszuhebeln, was er tut, wenn er sich Privatbesitz ansieht. Beruhen die Ergebnisse auf öffentlich einsehbaren Fakten, dumm gelaufen.
Ansonsten gebe ich dem Ganzen keine Woche, bis die Nachricht versackt und sie weitermachen kann, wie bisher :)