Hugendubel soll bestimmen, was Berliner lesen

Helmut Pöll

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9. Dezember 2013
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München
Die Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) wird ihre Bücher zukünftig nicht mehr selber aussuchen. Sie überlässt die Auswahl einem Privatunternehmen.
Der Vorstand der ZLB erteilte dem Großbuchhändler Hugendubel den Zuschlag, in Zukunft den Großteil der Medien der Bibliothek auszuwählen.

Bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di stieß das auf Kritik. So werde die Auswahl der Bücher "nahezu komplett an die Privatwirtschaft übergeben". Ähnlich äußerte sich
der Personalratsvorsitzende der ZLB, Lothar Brendel: "Zunächst ist es die Verlagerung der Kompetenz der Lektoren mit Steuergeldern an die Wirtschaft."

Mitgetragen hatte die Entscheidung Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke). In Teilen der Partei führte die Entscheidung zu Unmut, zumal sie im Wahlprogramm noch versprochen hatte, die Auslagerung zu verhindern.

Publik gemacht hatte den Vorgang die linke Tageszeitung "Neues Deutschland" unter dem Titel Die Hugendubelisierung.

Mehr Infos:
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1062055.die-hugendubelisierung.html
https://www.boersenblatt.net/artikel-streit_um_auslagerung_.1362790.html
 
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Reaktionen: Atalante und Xirxe

Literaturhexle

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2. April 2017
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Ich sehe da auch eine Verquickung der Interessen: Wenn Hugendubel gleichzeitig Besteller wie auch Lieferant ist, besteht zumindest die Gefahr, dass ökonomische Interessen im Vordergrund stehen...

Wir hatten mal eine Lehrerin, die die Auswahl für die Schülerbücherei ihrer Buchhändlerin überließ...

Da gab es dann für die Schüler die Ladenhüter, Hochgeistiges und nichts Aktuelles...
So etwas könnte in vorgestellten Fall dann auch passieren.
 

Atalante

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Ich fürchte weniger, daß auf diese Weise Unverkaufbares ausgelagert wird, sondern das Gegenteil, eine Verflachung des Angebots bis es bald in dieser Bibliothek nur noch Bücher über innere Organe, Psychothriller und Liebesromane geben wird.
 

R. Bote

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Hugendubel wird als Buchhändler sein Angebot verständlicherweise nach dem ausrichten, was am meisten gefragt ist und damit die meisten Umsätze bringt. Das darf aber nicht das alleinige Auswahlschema für eine Bibliothek sein, insofern bleibt zu hoffen, dass es da eine strikte Trennung gibt.

Was das Beispiel mit der Schulbibliothek betrifft, @Literaturhexle , war das Auslagern der Auswahl sicherlich nicht die beste Idee, umgekehrt wird das Angebot der Bibliothek aber auch nicht unbedingt besser, wenn eine einzige zuständige Lehrperson (und auf mehr Schultern verteilt sich das selbst an großen Schulen oft nicht) es nach ihren eigenen Vorlieben, ihren Vorstellungen von den Interessen der Schüler und ihrer Meinung, was Kinder lesen sollten, zusammenstellt. Wobei man auch eine Lanze brechen muss für Lehrer/innen, die sich kümmern, ihre Pausen für die Ausleihe opfern, in der Freizeit die Bücher besorgen und Jahr für Jahr um ein kleines Budget für neue Bücher kämpfen.
 

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