Genre Genreleserunde Klassiker - ab 25.06.17

Helmut Pöll

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Hier startet am 25.06.17 unsere nächste Genreleserunde Klassiker.

Für alle Neueinsteiger: bei einer Genreleserunde geben wir kein bestimmtes Buch vor, sondern nur das Genre, allso z.B. Gegenwartsliteratur oder Krimis & Thriller.
 

Helmut Pöll

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So, ich habe mich jetzt entschieden.
"Schwüle Tage" von #eduard von keyserling ist mein Buch für die Klassiker-Leserunde
Buchinformationen und Rezensionen zu Schwüle Tage: Erzählungen von Eduard von Keyserling
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Eduard von Keyserling ist ein magischer Impresario des hochsommerlichen Lebens. In seinen Erzählungen umreißt der «baltische Fontane» – laut Thomas Mann noch «schmaler, graziler, später, wählerischer» als sein berühmtes Vorbild – meisterhafte Figurenkonstellationen vor der Kulisse der symbolträchtigen Natur.
 

Xirxe

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Ich mache mich heute Abend auch gleich mal auf die Suche. Es ist schön, einen Anreiz für die Klassiker zu haben - irgendwie gelingt es mir alleine nur selten, einen zu beginnen. Keine Ahnung, warum.
 
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Xirxe

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So, die Wellen sind gefunden und bereits zur Seite gelegt. Jetzt muss es nur noch der 25. Juni werden ;)
 
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Literaturhexle

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Mit etwas Glück beende ich heute America von T.C. Boyle. Dann könnte ich morgen aber sowas von pünktlich mit einem Klassiker anfangen:rolleyes:

Eigentlich wollte ich mich ein bisschen konsequnter bestimmten Themen/Autoren/Ländern zuwenden (inspiriert von @Tiram) und habe entsprechend zum Thema Amerikanische Literatur an
"Zärtlich ist die Nacht" von F.Scott Fitzgerald gedacht.

Beim Blick in die Klassiker-Ecke meines Regals fand ich doch tatsächlich (ich hätte geschworen, dass ich es NICHT besitze!)
Die Wellen von von Keyserling!
@Xirxe, wollen wir das gemeinsam angehen? Mitsamt kleinem Chat von Zeit zu Zeit?:D
 

Literaturhexle

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Buchinformationen und Rezensionen zu Zärtlich ist die Nacht (detebe) von F. Scott Fitzgerald
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Buchinformationen und Rezensionen zu Wellen (Roman) von Eduard von Keyserling
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Einmal die Tastatur zurückgesetzt und schon kann ich wieder Bücher einfügen!
 

Helmut Pöll

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[zitat]Über die gemähten Wiesen spannen die Nebel hin. In den Kornfeldern schnarrten die Wachteln. Ein großer, rötlicher Mond stieg über dem Walde auf. Beruhigt und weit lag das Land in der Sommerdämmerung da.[/zitat]
Mir gefällt auch in dieser Novelle Keyserlings Sprache sehr.

Ein 18jähriger rauscht durchs Examen und darf in den Ferien nicht mit der Familie ans Meer, sondern muss zur Strafe mit dem Vater aufs familieneigene Gut, um zu lernen. Und was ist das für eine Familie! Vater und Sohn sind sich in innigster Abneigung verbunden, was sie aber hinter einer vorbidlicher Fassade ausleben. Immer und unbedingt "Haltung bewahren" ist die Parole, die der Vater ausgibt. So könnte auch eine unglückliche Familiengeschichte in heutiger Zeit beginnen. Bin gespannt.
 
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Helmut Pöll

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Buchinformationen und Rezensionen zu Schwüle Tage: Erzählungen von Eduard von Keyserling
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Bill entdeckt, dass der Vater ein Doppelleben führt. Vordergründig vertritt er adelige Werte und Lebensformen, tritt für strikte gesellschaftliche Konventionen ein. Tatsächlich schert er sich aber unbeobachtet keinen Deut um die offiziell vertretenen Werte. Vielleicht ist es diese nie aufgelöste innere Spannung, die schließlich in die Katastrophe mündet.

Ich habe mich beim Lesen manchmal gefragt, ob der junge Bill vielleicht ein Stück weit das Alter Ego des jungen #eduard von keyserling ist. Der wurde ja aus einer studentischen Verbindung ausgeschlossen und von seinen Standesgenossen gemieden. Vielleicht ist dieser ungeschönte und wenig schmeichelhafte Blick hinter die Fassade dieser Familien aus seinen Kreisen Keyserlings subtile Rache.

Eduard von Keyserling – Wikipedia
 

Helmut Pöll

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Schnell wird deutlich, dass der Abiturient Bill seine Verwandtschaft nicht sonderlich leiden kann, bis auf Cousine Gerda, in die er heimlich verliebt ist. Als er ihr angeschwipst seine Zuneigung gesteht, reagiert sie empört.

Für seinen gutaussehenden Vetter hat er kein gutes Wort übrig, einen "Affen" nennt er ihn. Die Beschreibungen der Verwandtschaft werden umso respektloser, je mehr der Junge ins Rotweinglas schaut.
[zitat]Die Tante in ihrem Spitzenburnus lag in der Sofaecke wie eine abgespielte Puppe, die man neu bekleidet hat.[/zitat]
Mich würde nicht wundern, wenn sich bei genauerem Hinschauen in der Menge der beschriebenen Personen ein paar Begegnungen Keyserlings zu Lebzeiten wiederfinden würden.
 

Sakuko

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In der Privatbibliothek einer Familie deren Namen eh keiner aussprechen kann, verschwinden immer wieder Bücher, werden herumgetragen und gelesen, bis der Kurator fast verrückt wird vor Sorge.

Dann offenbart sich Maurice, dem Sohn der Familie bei einem Tet-a-Tet mit seiner Geliebten plötzlich ein Engel. Er nennt sich Arcade und ist Maurices Schutzengel, der sich in der in Theologie, Metaphysik, Philosophie und Naturwissenschaften gebildet hat.
Darüber ist er zu dem Schluss gekommen, dass Gott nur ein Scharlatan ist der nie und nimmer die komplette Welt erschaffen haben kann, hat er doch selbst keine Ahnung von natürlichen Vorgängen, die dort vor sich gehen. Daher eröffnet er Maurice, dass er ihn verlassen wird um eine Revolte der Engel gegen den Himmel anzuzetteln. Maurice ist davon entsetzt, kann Arcade aber nicht umstimmen.

Arcade macht sich also hinaus in die Welt und trifft einige weitere gefallene Engel, aber außer dem ehemaligen Erzengel Zita kann er niemanden finden, der sich für seine Revolte begeistern mag. Die meisten glauben selbst noch an Gott oder sind zu zerstritten und uneins für eine organisierte Rebellion.

Maurice hingegen ist verzweifelt. Obwohl ihm vorher nicht bewusst war, dass Arcade ihn begleitet, vermisst er ihn nun schrecklich und sucht nach dem Engel mit Zeitungsanzeigen, Privatdetektiven, Hellsehern, und durch die eigenständige Suche in Anarchistenkneipen und Revolutzertreffpunkten, aber ohne Erfolg.
 
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Xirxe

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Du nimmst es aber auch sowas von genau.... o_O
So viel zu diesem Thema ;)
Mit zwei Tagen Verspätung habe ich jetzt begonnen, aber immerhin, ich habe ;) Ich bin jetzt beim 4. Kapitel und bin bisher wirklich angetan. Ok, der Tonfall ist recht altertümlich, aber was Hans da so in puncto Beziehungen von sich gibt, könnte in jedem aktuellen Ratgeber drin stehen. Klasse, das hätte ich nicht erwartet. Die Generalinnenfamilie ist so spießig und engstirnig, wie man häufig zu der Zeit wohl war. Ich bin gespannt, wie ein Zusammentreffen mit den Grills verläuft.
@Literaturhexle Hast du auch damit angefangen? Falls ja, wie weit bist Du denn schon gekommen?
 

Xirxe

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So habe ich das auch in Erinnerung, @Xirxe . Aber es gab zu der Zeit auch Ausnahmen, Hans etwa oder den Geheimrat, der ganz weltoffen wirkt.
So wie Du Dein aktuelles Buch schilderst, hatte Keyserling wohl eine Aversion gegen diese Art von Menschen. Denn sie sind ja in Deinem Buch wieder Thema.
Ich bin gespannt, ob Doralicemit den Geistern, die ihr noch folgen, fertig wird. Sicherlich nicht ganz so einfach, wenn man so lange der Oberschicht angehörte und sich dann plötzlich im einfachen Volk wieder findet. Diese Problematik finde ich gut beschrieben von Keyserling.
 

Sakuko

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@Sakuko Ach Du je, das klingt aber schräg ;) Wie liest es sich denn?

Schräg? Naja, geht so. Ist eine typische Komödie der Zeit mit viel Biss, Sarkasmus und sozialem Kommentar, aber auch einigen anstrengenden Stellen, wenn zu viel Literatur oder Geschichte vorkommt.

Aber die Moral entspricht genau dem satanischen Ideal, also gefällt es mir.
[zitat]I knew that all that exists, exists of iteself and not by the caprice of Iaveh; that the world is itself its own creator and the spirit its own God.[/zitat]
 
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