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Genre Genreleserunde Gegenwartsliteratur - ab 05.06.17

Dieses Thema im Forum "Kleine Leserunden" wurde erstellt von Helmut Pöll, 4. Juni 2017.

  1. Helmut Pöll

    Helmut Pöll Autor

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    Ein Buch ohne Kompromisse und Beschönigungen, auch ohne konstruiertes Dauerleid oder zur Schau gestellte Betroffenheit, was mich an Büchern meist nervt. Guenassias Geschichte ist authentisch lustig und schrecklich gleichzeitig, in schneller Taktung.

    Cecile und Michel unterhalten sich über die berufliche Zukunft. Sollen sie Lehrer werden?
    Ich habe plötzlich Angst davor. Stell Dir vor, kleiner Bruder, ein ganzes Leben vor Schwachköpfen wie uns zu stehen! Du rackerst Dich für sie ab, und sie hassen dich.


    Aber die Unbekümmertheit währt nicht lange. Die ewige Zerissenheit der beiden Familienzweige, die Unversöhnlichkeit zwischen Unternehmern und Kommunisten in der Verwandtschaft entzweit die Familien. Ein Selbstmordversuch kommt dazu. Und dann die Katastrophe eines Zerwürfnisses zwischen Mutter und ältestem Sohn aus einer Unbedachtheit heraus. 25 Jahre sollen sie keinen Kontakt haben.

    Guenassia hat einen beeindruckenden Familienroman vorgelegt.
     
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  2. Literaturhexle

    Literaturhexle Bekanntes Mitglied

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    Der guten Ordnung halber möchte ich auch hier einstellen, dass ich dieses Buch heute beendet habe. Es gibt hier bereits drei tolle Rezensionen, die den Inhalt beschreiben.

    Es handelt sich um einen französischen Gesellschaftsroman, der an vier Personen aufgehängt wird: einem aus Afghanistan zurückgekehrten und traumatisierten Soldaten, einem ehemaligen Streetworker, der als Berater des Präsidenten eingestellt wurde, einem Firmenboss und schließlich dessen Ehefrau, die als Journalistin aber auch eine Affäre mit dem Soldaten unterhält.
    Sympathisch ist keiner von ihnen. Es geht um Aufstieg und Fall, um Intrigen, Verlust, Loyalität, Leidenschaft...
    Eine wichtige Rolle kommt im Roman auch der Macht der Medien zu: wie sie den Ruf einer Person zerstören oder aber beflügeln kann...

    Alles, was ein guter, süffiger Roman braucht. Besondere Bedeutung kommen Vorurteilen im Zusammenhang mit religiöser oder ethnischer Zugehörigkeit zu. Zum Ende hin wird es nochmal richtig tragisch. Das Buch hat mir gefallen, ich denke noch immer über dies und jenes nach. Das ist ein gutes Zeichen ;)
     
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  3. Literaturhexle

    Literaturhexle Bekanntes Mitglied

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    War unsicher, ob dieses Buch zum Krimi oder hierher gehört... Ich weiß es schlicht noch nicht.
    Flanagans Bücher bestechen zunächst einmal durch ihr sprachliches Niveau: man liest gespannt und gefesselt dahin und auf einmal kommt wieder so eine Stelle, so eine Weisheit- wo man verharren muss und nachdenkt.
    Beispiel: Er hatte über Jahre eine Affäre, sie hat erst jetzt davon erfahren, obwohl sie vorbei ist:
    Sie blieben zusammen und wurden einander täglich fremder, sie sahen ihre Liebe verenden, wie man einem alten Eukalyptus beim Sterben zuschaut. Für ihn war die Affäre vorbei, für sie hatte sie gerade erst begonnen.(...)
    Zuerst wurden nur die Spitzen der Blätter braun (... ) Als seine Ehe mit dem Sterben anfing, musste Nick feststellen, dass nichts wieder gut werden würde.
    Jeden Tag entdeckte Nick eine neue Kleinigkeit - ein Witz, eine vertraute Geste...- die verwelkt und gestorben war.

    In der Einleitung lernt der Leser "die Puppe" kennen, die im Nachtclub an der Stange tanzt, Geld spart und von einer besseren Zukunft träumt. Nicht nur durch ihren Namen bleibt sie uns seltsam fremd.
    Richard Cody wurde als Fernsehmoderator gerade degradiert. Und dann ist da noch Tariq, der Lebensretter, den Puppe zufällig beim Carneval auf der Straße trifft....
    Der oben genannte Nick ist Polizist. Die Affäre hatte er wohl mit Puppes Freundin.
    Ist Tariq der Attentäter? Und Puppe die unbekannte Terroristin?
     
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  4. Sassenach123

    Sassenach123 Platin Mitglied

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    Mittlerweile befinde ich mich im Buch in der Zeit 1938, also 5 Jahre später als zu Anfang. Die Angst die Anni Kluger da schon innewohnte, hat sich bestätigt. So gern würde sie Ausreisen, aber das ist einfach zu teuer, und außerdem ist es schwierig ein Visum zu erhalten.
    Als die Synagogen brennen eskaliert es in Frankfurt komplett. Der Mann ihrer Nachbarin Herrmann Sommer wird abtransportiert, der Sohn Walter muss dies schonungslos mitansehen.

    Dieses Buch ist keine leichte Kost, da die Tragödie sich ja wirklich so ähnlich abgespielt haben könnte, fällt es nicht leicht dieser Handlung ohne Bestürzung zu folgen.
     
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  5. Literaturhexle

    Literaturhexle Bekanntes Mitglied

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    Das glaube ich aufs Wort, @Sassenach123. Das Cover ist aber wieder genau so gestaltet, wie man es schon oft gesehen hat, z.B. bei den Romanen von Charlotte Roth, die auch sehr ähnliche Titel aufweisen....

    Aufgrund der hübschen Frau auf dem Cover hätte ich jetzt kein Zeitdokument erwartet. So kann man sich irren;)
     
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  6. Literaturhexle

    Literaturhexle Bekanntes Mitglied

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    Die Puppe hat eine leidenschaftliche Nacht mit dem gut aussehenden Tariq verbracht. Da er am nächsten Morgen nicht mehr da ist, verlässt sie seine Wohnung und stellt fest, dass das Haus von Polizisten umstellt ist- Terrorverdacht! Ihr Liebhaber steht im Verdacht, mehrere Bomben gelegt zu haben und aufgrund von Videoaufnahmen Gerät sie ebenso ins Fadenkreuz....

    Es dauert einige Zeit, bis sie feststellt, dass sie selbst eine Gesuchte ist, sie weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Dazu kommt, dass ein degradierter Journalist seine große Story sucht und der Puppe auf den Fersen ist...

    Die Spannung baut sich langsam auf. Man bekommt viel von Puppes Umfeld, ihren Jobs mit. Als Strip-Tänzerin, die auch Drogen konsumiert, fehlt ihr im Ernstfall Glaubwürdigkeit. Das weiß sie und flüchtet....
    Schade ist, dass die Figur einem sehr fremd bleibt. Trotzdem ist sie die Schwächste und ich hoffe, sie wird nicht zum Spielball der Männerwelt.
     
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  7. Literaturhexle

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  8. Helmut Pöll

    Helmut Pöll Autor

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    Der ältere Bruder Franck ist 150-prozentiger Kommunist und meldet sich freiwillig zum #Algerienkrieg. Hat er was vor? ich habe da ein mulmiges Gefühl. Der Vater schafft es wegen einer Autopanne nicht rechtzeitig zur Verabschiedung des Sohnes, der in die Festund Vincennes einrückt, bevor es nach Afrika geht. Der Vater gerät in Panik. Fürchtet er, dass er seinen Sohn nicht mehr wiedersehen wird?
     
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  9. Sassenach123

    Sassenach123 Platin Mitglied

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    Gestern habe ich den Roman nun beenden können. Es war eine sehr berührende Geschichte. Interessant zu wissen ist auch, dass einige Figuren reale Vorbilder haben. So lehnt die Figur der Ruth Kluger an das Leben von Eva Heymann an. Diese wurde 1924 in Berlin geboren und hatte ein sehr großes musisches Talent. Ihr Vater war Jude, ihre Mutter Protestantin. Ihr Vater verstarb im KZ, die Mutter erlag einer Krankheit. Sie wurde 1939 mit einem Kindertransport verschickt. Eva Heymann verstarb erst im letzten Jahr, eine Zeitzeugin die sehr viel durchgemacht hat, deren Schicksal ähnlich gewebt war, wie dass der kleinen Ruth, die mir in diesem Roman so ans Herz gewachsen ist.
     
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  10. Helmut Pöll

    Helmut Pöll Autor

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    Da Michel sehr viel liest wird in diesem Roman auch sehr viel über Bücher diskutiert.
    Ich will ja nicht vorgreifen. Aber neben Isabel Archer ist Karenina völlig unbedeutend.

    Das sagt die Bibliothekarin Christiane, die Henry James eindeutig Tolstoi vorzieht.

    Ansonsten entwickelt sich die Geschichte dramatisch. Der vom Militär desertierte Sohn Franck wird nicht nur wegen Fahnenflucht, sondern wegen Mordes an einem Offizier gesucht. Es gibt gerüchte, dass er sich den Aufständischen angeschlossen hat. Ich habe kein gutes Gefühl, wenn ich mir überlege, wie das ausgehen könnte.
     
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  11. Helmut Pöll

    Helmut Pöll Autor

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    Dieses Buch wird immer mehr zur Aufarbeitung eines Teiles der französischen Geschichte anhand des Schicksals einer Familie.
    Franck, der desertierte Bruder, kehrt nach Paris zurück und nimmt Kontakt zu Michel auf. Er braucht Geld um unterzutauchen und die Exilrussen aus dem Club der Optimisten helfen ihm. Francks Geschichte klingt anders. Er ist nicht nur ein Mörder, hat nicht nur einen französischen Offizier der Fallschrimjäger erschossen, plötzlich erzählt er von Kriegsverbrechen, von willkürlichen Massenerschießungen, auch von Frauen und Kindern im Nirgendwo. Was stimmt nun?

    Heute wissen wir, dass das Undenkbare geschehen ist. Tatsächlich erschütterte erst 40 Jahre später, im November 2000, die Beichte zweier greiser französischer Generäle, Jacques Massu und Paul Aussaresses, das Land. Sie gaben zu, dass während des Algerienkriegs 1954 bis 1962 französische Truppen systematisch Gefangene gefoltert und summarisch hingerichtet wurden. Massu war Oberkommandierender der Fallschirmspringereinheit, Aussaresses sein Geheimdienstchef in Algier.

    "Die Folter hat mir keinen Spaß gemacht, aber ich musste mich dazu entschließen", sagte Aussaresses 1990. Und: "Ich habe selbst Massenerschießungen vorgenommen...und wenn ich es noch mal machen müsste, würde ich es tun."

    So ähnlich haben sich auch SS-Schergen bei ihren Aussagen zu Massenhinrichtungen geäußert.

    Dreitausend Menschen sind spurlos allein im Verantwortungsbereich von General Massu verschwunden. Die Politik in Paris war eingeweiht. Aufgearbeitet hat die Grande Nation das Thema bis heute nicht, zur Verantwortung gezogen wurde niemand. Das Buch "Die Frage" des französischen-algerischen Journalisten Henri Alleg, in dem er die Verbrechen dokumentierte, unter anderem auch seine eigene Folter, wurde in Frankreich verboten. Alleg selbst überlebte nur und verschwand nicht, weil er nach öffentlichen Protesten einem Zivilgericht überstellt wurde.

    Henri Alleg – Wikipedia
    www.berliner-zeitung.de: Frankreich führt eine Debatte über Folter im Algerienkrieg / Militärs müssen sich nicht für ihre Taten verantworten: Es gibt kein Schuldbekenntnis ©2017
     
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  12. parden

    parden Forumlegende

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    Ausgelesen und für gut befunden:


    Susanne Schädlich wehrt sich gegen ein weichgezeichnetes Bild der DDR, gegen die Unterschlagung der zerstörten Leben und der Repressionen, von denen auch Nichtbetroffene wussten, dass es sie gab. Sie positioniert sich ganz klar: 'Die DDR war eine Diktatur, und Diktaturen sind per se unmenschlich, sind Unrechtsstaaten.' Auch wenn als verharmlosender Vergleich gerne die deutsche Vergangenheit zwischen 1933 und 1945 herangezogen wird mit der Kriegstreiberei und dem Holocaust der Nationalsozialisten, wehrt sich die Autorin gegen solch zweierlei Maß. Hierzu zitiert sie Hubertus Knabe: 'Beim Umgang mit den Diktaturen verläuft die Grenzlinie nicht zwischen schlimmen und ganz schlimmen Regimen, sondern zwischen Diktatur und Demokratie.'

    Kein einfaches Buch, das Susanne Schädlich hier präsentiert - aber das hat sie auch nie behauptet. Schließlich war ihr Lebensweg durch die gezeichneten Umstände auch kein einfacher. Die Aufarbeitung iherer ganz persönlichen Vergangenheit gerät zur Aufarbeitung eines Stückes deutscher Geschichte, für das wir beginnen blind zu werden. Um dies zu verhindern, gebührt derlei Büchern großes Augenmerk. Bleibt noch, der Autorin zu wünschen, ihren Platz im Leben zu finden und wirklich anzukommen.

    Von mir gibt es hier ein klare Leseempfehlung.
     
    #32 parden, 18. Juni 2017
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 19. Juni 2017
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  13. parden

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    Ich frage mich nur, wo die Rezension geblieben ist? Sie wird offensichtich keinem Genre zugeordnet, schade... :(
     
  14. Xirxe

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    Ja, stimmt. Direkt beim Buch kann man sie sehen, aber bei den Genres taucht sie nicht auf. Merkwürdig ...
     
  15. Helmut Pöll

    Helmut Pöll Autor

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  16. Helmut Pöll

    Helmut Pöll Autor

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  17. parden

    parden Forumlegende

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  18. Xirxe

    Xirxe Aktives Mitglied

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    Jetzt bin ich ja auch gespannt ;) Aber verrate bloß nicht zuviel!
     
  19. Helmut Pöll

    Helmut Pöll Autor

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    Nein, mache ich nicht @Literaturhexle , versuche möglichst allgemein zu schreiben bzw. öfter den Spoiler zu verwenden.

    Die Mitglieder im Club der Optimisten debattieren über ihr Verhalten während ihrer Zeit in Russland. Haben sie Freunde verraten, im Stich gelassen, oder hätte man ohnehin nichts tun können?
    Hoffnung vorzutäuschen bedeutet, dass man nicht durch und durch ein Mistkerl ist
    , kommentiert etwa Sascha dieses Verhalten.

    Ansonsten vermehr sich das Chaos in Michels Umgebung. Die Familienstrukturen liegen in Trümmern, die Freunde sind zu Beginn des neuen Schuljahres verschwunden, da umgezogen.

    Aber einen kleinen Triumph gibt es, und der hat mit der Fotografie zu tun.
     
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