FAZIT zu "Malnata"

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
19.867
51.399
49
Wie hat euch der Roman als Ganzes gefallen?
Bitte gebt uns ein spontanes Fazit in ein paar Sätzen.
 

Kwinsu

Mitglied
2. Oktober 2023
56
233
17
43
Salzburg
Malnata ist, neben "Und alle so still" mein zweites Lesehighlight des Jahres!
Ich finde es faszinierend, wie vielschichtig und ambivalent die Autorin die Charaktere gestaltet! Und wie sie die Atmosphäre des faschistischen Italiens der 1930er wie nebenbei beschreibt, ich konnte mich da so hineinfühlen!
Trotzdem es im gesamten Roman mitschwingt, finde ich die feministische Haltung besonders am Ende großartig! Vor allem weil wir wissen, dass eine Gleichstellung bis heute noch nicht gegeben ist, doch waren diese Gedanken bereits vor 90 Jahren allgegenwärtig. Und die Standesdünkel und die Ignoranz und Egozentriertheit der Erwachsenen tun einfach so weh - Gewalt in jeglicher Form, wohin man auch blickt.

Was mir jetzt am Schluss noch aufgefallen ist, wie treffend die einzelnen Teile gewählt wurden - besonders der Epilog mit "Die Macht der Stimme".

Ich frage mich auch, weshalb mir Malnata im ersten Leseabschnitt unsympathisch war... wahrscheinlich weil sie so grenzenlos ist und sich einfach an keine Konventionen hält, dadurch hart und grausam wirkt, was aber nur ein Zeichen ihrer Verletzbarkeit ist.

Ich bin schon sehr gespannt auf Euer Fazit!

Ich frage mich, wie lange ich mit der Rezension warten soll - bis alle fertiggelesen haben oder kann ich das jetzt auch schon tun?
 

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
19.867
51.399
49
Ich frage mich, wie lange ich mit der Rezension warten soll - bis alle fertiggelesen haben oder kann ich das jetzt auch schon tun?
Das kannst du machen, wie du möchtest. Die meisten werden deine Rezension aber erst lesen, sobald sie selbst durch sind;)
(Bei deinem Lesetempo muss das Buch ja der Hammer sein?! Ich fange gerade erst an.)
 

alasca

Bekanntes Mitglied
13. Juni 2022
3.328
10.680
49
Für mich war das Buch nach anfänglicher Begeisterung eine Enttäuschung. Die Figuren ohne Grautöne, teils mit unglaubwürdigen Verhaltensänderungen; die Rollen für Gut und Böse klar verteilt, der historische Hintergrund bloße Folie. Eine altkluge Zwölfjährige taugt für mich nicht zur Heldin der Resistenza. Ich kann auch weit und breit keine ermächtigten Frauen erkennen. Dass dann allen Ernstes "Die Macht der Stimme" zum Einsatz kommt! OMG. Zum Ende hin Kitsch pur.

Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich noch drei Sterne vergeben mag oder ob es nur zwei werden. Der letzte Satz hat mich enorm geärgert.
 
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Lesehorizont

Bekanntes Mitglied
29. März 2022
2.652
10.090
49
53
Mainz
Ich glaube, ich bin einig mit Alasca.
Zu Beginn hat mich das Buch fasziniert und ich habe sehr gerne gelesen. Meines Erachtens fällt das Buch jedoch in der zweiten Hälfte stark ab. Historische wie auch religiöse Bezüge werden nicht ausgearbeitet, bilden dennoch aber die Folie des Geschehens.
Die Geschichte lebt von hartnäckigen Vorurteilen in den Köpfen der Menschen und strikte Entgegensetzungen von gut und böse. So einfach ist das aber nicht. Insofern ist die grundlegende Idee der Selbstermächtigung zwar theoretisch toll, aber für mich hier nicht überzeugend. Dass am Ende die zögerliche Francesca durch ihre Stimme zur heldenhaften Retterin der persona non grata werden soll, ist auch für mich purer Kitsch.
Sehr schade! Das wird Punktabzüge geben müssen...
 

Maesli

Mitglied
29. März 2024
57
249
17
52
Für mich war das Buch nach anfänglicher Begeisterung eine Enttäuschung. Die Figuren ohne Grautöne, teils mit unglaubwürdigen Verhaltensänderungen; die Rollen für Gut und Böse klar verteilt, der historische Hintergrund bloße Folie. Eine altkluge Zwölfjährige taugt für mich nicht zur Heldin der Resistenza. Ich kann auch weit und breit keine ermächtigten Frauen erkennen. Dass dann allen Ernstes "Die Macht der Stimme" zum Einsatz kommt! OMG. Zum Ende hin Kitsch pur.

Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich noch drei Sterne vergeben mag oder ob es nur zwei werden. Der letzte Satz hat mich enorm geärgert.
Hartes Urteil, aber bei mir fällt es ähnlich aus. 3 Sterne für den Unterhaltungswert.
 

Maesli

Mitglied
29. März 2024
57
249
17
52
Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einem Mittelteil, der mich mit Hoffnung füllte, endete die Geschichte einer Mädchenfreundschaft in (leider) typisch italienischer Melodramatik.
Von Anfang an störten mich die klischeehaften Romanfiguren, der zeitliche Bezug zum Faschismus, der wohl als Aufmacher herhalten musste, und eine Mädchenfreundschaft, mit leicht lesbischen Andeutungen. Eine Jugendliche als Widerstandsfigur zur damaligen Gesellschaft und politischen Führung zu stilisieren, ist der Autorin nicht gelungen. Vielmehr schwappt die Handlung zum Ende hin ins Unrealistische, Obszöne (ich denke unter anderem an die Szene (Filippo / Francesca) in der Kirche während der Heiligen Messe).
 

Barbara62

Bekanntes Mitglied
19. März 2020
4.164
15.997
49
Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Ich bin in der @alasca-Fraktion: eine Enttäuschung, zumindest ab etwa der Hälfte, was daran liegt, dass ich nicht die richtige Leserin bin. Ich halte die Vermarktung durch den Verlag für nicht gelungen, sie suggeriert einen emanzipatorischen Roman vor dem Hintergrund des italienischen Faschismus auf gutem literarischem Niveau, und das ist er für mich nicht. Ich glaube nicht, dass das deutsche Feuilleton so begeistert wäre, wie das italienische es laut Rückentext zu sein scheint.

Was mich ebenfalls enttäuscht hat, ist die immer geringere Bedeutung des historischen Kontextes. @Maesli hatte das schon früh moniert, damals war es mir noch nicht so aufgefallen. Aber in den letzten beiden Abschnitten verlor sich der Zeitbezug bis hin zur Bedeutungslosigkeit, ohne Bezug zur Handlung.

Nicht zu begreifen ist für mich, dass "Maifliegenzeit" aus dem gleichen Verlag hinter "Malnata" als Frühjahrs-Spitzentitel zurückstehen muss. Für mich liegen Welten zwischen diesen beiden Büchern. Hätte doch "Maifliegenzeit" das gleiche Werbebudget!

Es fällt mir immer schwer, Bücher zu verurteilen, wenn ich eindeutig nicht das richtige Publikum dafür bin. Verkaufen wird sich der Titel sicher gut. Vermutlich lande ich bei 3 Sternen und werde in meiner Rezension versuchen, es an die richtige Frau oder den richtigen Mann zu bringen.
 

Barbara62

Bekanntes Mitglied
19. März 2020
4.164
15.997
49
Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Ich habe euch vor einiger Zeit von den sog. Lesemotiven erzählt, die relativ neu im Buchhandel sind.
Das VLB-TIX, wo man diese Lesemotive findet, verzeichnet für "Malnata":

Haupt-Lesemotiv: Entspannen

Neben-Lesemotiv: Leichtlesen

Wenn "Leichtlesen" dabei ist, passt es für mich meist nicht. Hätte ich mal vorher nachgeschaut...
 

Eulenhaus

Aktives Mitglied
13. Juni 2022
347
1.645
44
Salvionis Debüt ist ein leicht zu lesendes Buch mit erheblichen Schwächen im letzten Drittel. Sie versucht, den Weg eines zum Gehorsam erzogenen Mädchens zu einer selbstbestimmten Jugendlichen an der Seite der frei lebenden den Konventionen die Stirn bietenden Protagonistin im faschistischen Italien zu beschreiben. Leider bleibt die Geschichte an der Oberfläche.
Die drastischen Schilderungen einiger gewaltsamer Szenen hätte es nicht gebraucht. 3 Sterne
 

Wandablue

Bekanntes Mitglied
18. September 2019
10.163
23.477
49
Brandenburg
Leichtlesen. Das ist genau richtig.
Der Roman ist insbesondere nach dem gelungenen Auftakt des Prologs eine Riesenenttäuschung. Als die Szene aufgelöst wird, verliert sie ihren Charakter. Warum kein Mord? Das hätte den Roman gehoben und tragisch gemacht.
Die echten Tragödien im Leben werden von dem netten Plauderton übermalt.
Die Protagonisten haben kein Innenleben. Es wird von außen draufgeschaut. Der Zeitgeist spielt eine untergeordnete Rolle, die Dialoge sind meistens unglaubwürdig. Was soll ich Wertschätzendes in die Rezension schreiben? Brauchen wir solche Romane? Auch unsere Jugend ist erwachsener als noch die von vor 40 Jahren. Hatte der Roman in Italien wirklich so eine gute Resonanz? *kopkratz*.
 
Zuletzt bearbeitet:

alasca

Bekanntes Mitglied
13. Juni 2022
3.328
10.680
49
Ich bin in der @alasca-Fraktion: eine Enttäuschung, zumindest ab etwa der Hälfte, was daran liegt, dass ich nicht die richtige Leserin bin. Ich halte die Vermarktung durch den Verlag für nicht gelungen, sie suggeriert einen emanzipatorischen Roman vor dem Hintergrund des italienischen Faschismus auf gutem literarischem Niveau, und das ist er für mich nicht.
Exakt. Sowas nehme ich übel, denn es kostet mich Lebenszeit, die ich mit einem guten Buch hätte verbringen können.
Verkaufen wird sich der Titel sicher gut.
Das glaube ich auch. Genau die richtige Dosis seichtes Drama. Insofern braucht er unsere Werbung nicht.
Vermutlich lande ich bei 3 Sternen und werde in meiner Rezension versuchen, es an die richtige Frau oder den richtigen Mann zu bringen.
Das ist aber äußerst großzügig von dir! Ich sehe meine Aufgabe eher darin, die anspruchsvollen Leserinnen zu warnen.
 

RuLeka

Bekanntes Mitglied
30. Januar 2018
6.903
26.064
49
66
Ich gehe in der Regel mit viel Wohlwollen an ein neues Buch heran. Schliesslich habe ich es mir aus bestimmten Gründen ausgesucht.
Der Beginn war vielversprechend, ein Prolog von ungeheurer Wucht. Man möchte natürlich wissen, was hier genau vorgefallen ist und wie es dazu kommen konnte.
Und es ging auch ganz gut weiter. Die Atmosphäre wurde gut getroffen, die einzelnen Figuren waren interessant, wenn auch schablonenhaft.
Auch der historische Hintergrund war für mich mehr als Staffage. Durch die kindliche Perspektive nahm er nicht so viel Raum ein, doch was F. beobachtet hat, ergab ein Bild dieser Zeit.
Doch dann wurde es mir zu viel Mädchenfreundschaft , zu viele dumme Mutproben . Das Verhalten war kindisch ( hätte zum Alter gepasst), doch gleichzeitig sollen die Mädchen mit ihrer Auflehnung usw. positiv rüberkommen. Das passt nicht.
Und das Ende war ärgerlich. Fährten, die gelegt wurden, verliefen in eine ganz andere Richtung, Figuren machten plötzlich eine Kehrtwende und das melodramatische Finale wurde ziemlich schnell abgehandelt.
Schade um die Lesezeit.
 

Barbara62

Bekanntes Mitglied
19. März 2020
4.164
15.997
49
Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Hatte der Roman in Italien wirklich so eine gute Resonanz? *kopkratz*.
Ich wundere mich v.a. über das "Feuilleton". Tickt das in Italien anders als in Deutschland, @Maesli ? Ich stelle mir gerade Denis Scheck über "Malnata" vor und höre ihn schon daraus zitieren... :apenosee Während manche Frauenzeitschriften sicher damit glücklich wären.
 

alasca

Bekanntes Mitglied
13. Juni 2022
3.328
10.680
49

Wandablue

Bekanntes Mitglied
18. September 2019
10.163
23.477
49
Brandenburg
Der Beginn war vielversprechend, ein Prolog von ungeheurer Wucht. Man möchte natürlich wissen, was hier genau vorgefallen ist und wie es dazu kommen konnte.
Und es ging auch ganz gut weiter. Die Atmosphäre wurde gut getroffen, die einzelnen Figuren waren interessant, wenn auch schablonenhaft.
Prolog plus 1. LA waren sehr gut. Danach zu viele Nichtigkeiten ...
 

Maesli

Mitglied
29. März 2024
57
249
17
52
Ich wundere mich v.a. über das "Feuilleton". Tickt das in Italien anders als in Deutschland, @Maesli ? Ich stelle mir gerade Denis Scheck über "Malnata" vor und höre ihn schon daraus zitieren... :apenosee Während manche Frauenzeitschriften sicher damit glücklich wären.
Ich musste in Google nachlesen und komme auf ähnliche Urteile, wie hier sie hier geschrieben haben. Oft triften Buchpromotionen und Lesegeschmack doch weit auseinander. Wir sind hier vielleicht eine etwas kritischere Gruppe von Lesern, vielen wird der Roman gefallen. Dazu könnte ich doch einige andere Beispiele aufzählen...

Im Allgemeinen kann man durchaus sagen, dass Italien und Deutschland einen unterschiedlichen Lesegeschmack haben, doch zu beachten ist, dass in Italien ein Buch als Kassenschlager gilt, wenn er sich zwischen 5.000 - 10.000 x verkauft. Deutschland kennt da ganz andere Zahlen.