FAZIT zu "Das Fest"

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
19.870
51.405
49
Wie hat euch der Roman als Ganzes gefallen? Bitte gebt uns ein spontanes Fazit in ein paar Sätzen.
 

Christian1977

Bekanntes Mitglied
8. Oktober 2021
2.772
13.610
49
47
Mir hat "Das Fest" insgesamt sehr gut gefallen. Lebendige, bunte Figuren an einem tollen Ort, dazu eine absolut unterhaltsame und spannende Handlung.

Auch die Sprache mochte ich sehr. Sie strahlt eine gewisse Eleganz aus, die Dialoge sind überwiegend erfrischend und die Mischung aus intelligentem Witz und berührenden zwischenmenschlichen Beziehungen traf meinen Nerv. Viele der Figuren wuchsen mir ans Herz.

Gelungen fand ich auch die unterschiedlichen Stilmittel wie Briefe, Tagebucheinträge und Erzählstücke.

Das Finale war für mich jedoch nicht der stärkste Teil, weil mir die Überraschung fehlte. Zwar gibt es noch einen wirklich dramatischen Moment, aber dass letztlich genau die Menschen die Opfer sind, die wir auch erwartet haben, fand ich etwas schade.

Meinen Gesamteindruck schmälert dies jedoch nur geringfügig, so dass ich auf 4,5 Sterne komme, die ich aufrunden werde.
 

Wandablue

Bekanntes Mitglied
18. September 2019
10.163
23.477
49
Brandenburg
Für leichte Lektüre ist das eine sehr gute Leistung. Die meisten leichten Romane sind sehr schlecht geschrieben, platzen vor klischeehaften Sätzen und überhöhten Romanzen. Hier - nichts davon. Eine gute Sprache, die Autorin beherrscht ihr Handwerk, es gibt witzige Dialoge und auch Nachdenkliches.
Das Ganze hat Agatha-Christie-Atmosphäre und das gefällt mir sehr gut. Man muss auch die Zeit in Betracht ziehen, in der der Roman spielt und in der er geschrieben wurde.
Ich mag den Humor und die Geschichte.
Eine super Sommerunterhaltung. Von mir wird es eine positive Bilanz geben.
 

Federfee

Bekanntes Mitglied
13. Januar 2023
2.404
9.956
49
Ein gut geschriebener, leichter Sommerroman, der bei weiterem Nachdenken durchaus seine Tiefen hatte: die Personen und ihre Handlungen und Gedanken, fast ein Spiegelbild der verschiedenen Menschen wie sie sind. Die Sprache war für mich genau richtig: weder zu anspruchsvoll noch kitschig und das Gleiche gilt für die Personen, die vielschichtig und interessant gezeichnet wurden. ich hab's sehr gerne gelesen.
 

Federfee

Bekanntes Mitglied
13. Januar 2023
2.404
9.956
49
Mischung aus intelligentem Witz und berührenden zwischenmenschlichen Beziehungen

Gelungen fand ich auch die unterschiedlichen Stilmittel wie Briefe, Tagebucheinträge und Erzählstücke.
Da stimme ich dir voll zu. Das hat M. Kennedy richtig gut gemacht.
Eine gute Sprache, die Autorin beherrscht ihr Handwerk, es gibt witzige Dialoge und auch Nachdenkliches.
Das sehe ich auch so, eine gute Mischung.
 

Emswashed

Bekanntes Mitglied
9. Mai 2020
2.819
10.133
49
Das war eindeutig mehr als eine leichte Sommerlektüre.

Die Kinder haben mich ein wenig an die Fünf-Freunde-Bücher erinnert. Die Nachkriegszeit mit ihren Lebensmittelzuteilungen und politischen Diskussionen, wer denn nun seinem Land gegenüber loyaler war, waren ein wenig Geschichtsunterricht. Die vielen unterschiedlichen Charaktere waren nicht nur amüsant, sondern hatten auch etwas von einer psychologischen Studie.
Etwas Liebe, etwas Betrug, ein bißchen Krimi und ein paar abscheuliche menschliche Abgründe, diese Mischung bietet eigentlich jedem Leser etwas.
Und anstatt nun die Judikative und die Exekutive die Verfehlungen ihrem gerechten Ende zuführen zu lassen, erledigt ein fast natürliches Ereignis alles in einem "Rutsch". Hach, wenn im Leben immer alles so einfach wäre. Vielleicht kommt Pfarrer Bott ja auch noch zu dieser Einsicht.
 

RuLeka

Bekanntes Mitglied
30. Januar 2018
6.906
26.068
49
66
Was mir vielleicht auch noch fehlt, ist ein kleiner Begleittext zur Autorin.
Der fehlt mir auch. Wir haben in letzter Zeit einige Klassiker gelesen, die dem deutschen Leser eher unbekannt sind. Da gab es als Nachwort sehr oft eine erhellende Einordnung von Autor und dem vorliegenden Buch. Das wäre hier auch hilfreich gewesen.
 

RuLeka

Bekanntes Mitglied
30. Januar 2018
6.906
26.068
49
66
Ich habe den Roman ausgesprochen gern gelesen. Die Autorin vermag es, eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Die Figuren sind, obwohl sie eigentlich Archetypen repräsentieren sollen, keineswegs eindimensional, sondern vielschichtig und z.T. widersprüchlich. Die Autorin zeichnet manche mit einem leicht spöttischen Blick, andere dagegen mit viel Sympathie.

Das Unglück an den Anfang zu setzen und dabei offen zu lassen, wer davon betroffen ist, verleiht dem Roman eine ungeheure Spannung. Die wird durch das Hin und Her am Ende ( mitkommen oder nicht, abreisen heute oder morgen , zurückkehren und den vergessenen Wein holen) nochmals gesteigert. Ziemlich bald hatte ich Kandidaten, bei denen die Trauer gering ausfallen würde und Personen, von denen ich mir wünschte, sie mögen überleben.
Dass am Ende die Bösen, die Vertreter der sieben Todsünden sterben und die Guten überleben, hat mich getröstet. Vor allem angesichts einer Gegenwart, wo es so ganz anders ist.

Auch sprachlich gibt es keine Kritikpunkte von mir. Schöne Beschreibungen und Formulierungen finden sich genug, die Dialoge haben Witz und zum Nachdenken gab es auch Stoff. Die verschiedenen Textformen und die wechselnden Perspektiven bringen Abwechslung sowie einen differenzierten Blick. Der Leser weiß oft mehr als die handelnden Figuren.

Als Hintergrundrauschen sind der erst kurz zurückliegende Krieg und die Bedingungen der Nachkriegszeit präsent.

Von mir wird es die volle Punktzahl geben. Unterhaltung auf hohem Niveau.
 

Barbara62

Bekanntes Mitglied
19. März 2020
4.164
15.998
49
Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Meine Rezension wird noch 1-2 Wochen auf sich warten lassen, weil ich morgen zur Klassenfahrt aufbreche. 5 Sterne werden es auf jeden Fall, denn ich hatte einen unterhaltsamen Roman erwartet und 100% gute, niveauvolle Unterhaltung in einem sehr guten Erzählstil mit lebensechten Dialogen bekommen. Mit den politischen Bezügen war es sogar ein wenig mehr.
Einzig die vielen Druckfehler haben mich irritiert, denn bei Schöffling ist mir das noch nie passiert. Für einen Punktabzug hat es mich allerdings nicht genug gestört, ich war einfach durch den Inhalt dauer-positiv gestimmt. Ich habe lange nicht so viel geschmunzelt (über den oft bösen Inhalt und die überzeichneten Figuren, nicht über die Druckfehler!).
Eure Rezensionen lese ich dann hinterher. Bei mir wird der Schwerpunkt auf den Unterhaltungselementen, der Spannung und den eigenwilligen Figuren liegen, nicht auf den Todsünden.
 

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
19.870
51.405
49
Ich bin mit diesem Roman rundum zufrieden! Mich haben Einstieg, Setting, Charaktere, Dialoge, etc. bis auf ganz wenige Ausnahmen gefesselt und bestens unterhalten. Ich sehe durchaus Tiefe in diesem Roman, ich würde ihn nie auf reine Unterhaltung reduzieren wollen. Es ist eines der erfreulichen Bücher, die man auf zweierlei Arten lesen kann, wie unsere Diskussion bewiesen hat.
Von mir kriegt das Buch volle Punktzahl! Ich bin froh, etwas hinterher gelesen zu haben und schließe mich Barbara und RuLeka vollumfänglich an:).
 

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
19.870
51.405
49
Dass am Ende die Bösen, die Vertreter der sieben Todsünden sterben und die Guten überleben, hat mich getröstet. Vor allem angesichts einer Gegenwart, wo es so ganz anders ist.
Man empfindet es ja genau so, wenn man die sieben Todsünden nicht zuvor definiert hat. Die sympathischen Figuren überleben. Das zählt.
Bei mir wird der Schwerpunkt auf den Unterhaltungselementen, der Spannung und den eigenwilligen Figuren liegen, nicht auf den Todsünden.
Genau. Sie sind das Sahnehäubchen.
 

Sassenach123

Bekanntes Mitglied
27. Dezember 2015
4.419
10.821
49
49
Das war seit langem mal wieder ein Leseerlebnis, dass durch weg gut war. Ich hatte Spaß, spannend war es auch, und auch wenn ich den Bezug zu den Todsünden alleine nicht hergestellt hätte, hätte es auch ohne dieses Wissen gut funktioniert.
Da sieht man mal, dass auch ältere Romane was zu bieten haben können, ohne anstrengend zu sein.
 

Barbara62

Bekanntes Mitglied
19. März 2020
4.164
15.998
49
Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Ich habe endlich meine Rezension geschafft:


Nochmal ein großer Dank an @Literaturhexle, dass du mich kurzfristig zu dieser Lektüre "überredet" hast!
 

Lesehorizont

Bekanntes Mitglied
29. März 2022
2.652
10.090
49
53
Mainz
Für mich war das Buch eine schöne, unterhaltende Sommerlektüre. Es eignete sich ganz gut als Zwischendurchlektüre.
Ganz so gefesselt wie viele von Euch hat mich das Buch aber leider nicht. Daher gibt es am Ende solide 3 Sterne, was bei mir immernoch "überdurchschnittlich gut" bedeutet.
 
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Reaktionen: Emswashed

luisa_loves-literature

Aktives Mitglied
9. Januar 2022
855
3.427
44
Der Roman hat mir von Anfang an sehr viel Freude bereitet, besonders die verschiedenen Perspektiven am Anfang und Erzählstil (Tagebuch, Brief usw.). Sehr gelungen waren für mich auch allmählichen Enthüllungen der Charakterschwächen der einzelnen Figuren, die Mini-Rätsel innerhalb der Handlung und überhaupt das Setting und die Zeit. Ich mochte die Art des Schreiben, das Nostalgische, Gemütliche und Entschleunigende des Romans und habe es sehr genossen. Mit dem Ende tue ich mich tatsächlich etwas schwer, da es mir zu christlich verbrämt erscheint (kein Wunder beim Thema der Todsünden) - der Satz "Denn sie waren es gewohnt, derart gewaltige Ereignisse mit den Menschen in Verbindung zu bringen und nicht mit Gott" (S. 426) hat für mich etwas Bekehrendes, das mir einfach nicht zusagt. Insgesamt aber ein wirklich feines und empfehlenswertes Lesevergnügen, auch wenn der Schluss etwas schwächelt.