ElisabethBulitta

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Ich habe es auch endlich geschafft, das erste Buch zu lesen, muss allerdings zugeben, dass ich so meine Probleme habe; weniger inhaltlicher, als viel mehr stilistischer Natur. Mir persönlich sagt der Stil, insbesondere die milieuhafte Sprache über weite Strecken, nicht wirklich zu. Ich weiß, dass es authentisch ist, ändert aber nichts daran.
Nichtsdestotrotz enthält das Buch gute Analysen und immerwährende Wahrheiten: "Wenn der Vater ä Pflänzchen ist, so möcht er, der Sohn soll ä Baum sein." Das gilt auch heute noch, auch für gesellschaftliche Fragen, allerdings denke ich immer, dass auch jede Entwicklung irgendwann ihren Höhepunkt hat. Und dann geht es bergab, wie Zannowichs Geschichte auch darstellt. Wobei ich die Geschichte jetzt gar nicht auf "unerwartete Weise" vollendet fand, sondern auf ein ähnliches Ende gewartet habe - jedenfalls dass sie bestimmt nicht gut ausgeht. "Und solange er Geld hatte, blieb er anständig." Auch ein immer wiederkehrendes Motiv, dass vieles erklärt, aber letztlich nichts entschuldigt. Ebenfalls die Geschichte vom Ball hat mir gut gefallen. Wie oft glaubte und glaubt der Mensch nicht, alles im Griff zu haben ... allerdings liegt weniger in seiner Hand, als man möchte. Und damit umzugehen ist schwierig.
Dass Biberkopf sich nach den strikten Regeln und Vorgaben im Knast sehnt, kann ich ebenfalls nachvollziehen. Ich weiß nicht, ob Döblin das ebenfalls so sieht, aber ich selber denke und sehe auch oft: Die Menschen wollen Freiheit, allein damit umzugehen, ist nicht so einfach.
Interessant ist, dass der Roman im Grunde eine Collage ist. Sehr auffällig finde ich bisher die oben schon erwähnte milieuhafte Sprache, das Einflechten von mehr oder weniger lehrreichen Geschichten, von Kinderliedern und die fast wissenschaftlich, auf jeden Fall aber knapp und trocken anmutenden Passagen.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Mir persönlich sagt der Stil, insbesondere die milieuhafte Sprache über weite Strecken, nicht wirklich zu.
Im ersten und zweiten Buch erging es mir ähnlich. Danach hatte ich mich entweder dran gewöhnt oder es wurde leichter verständlich.
Das gilt auch heute noch, auch für gesellschaftliche Fragen,
Oh ja! Da werdet ihr Lehrer ein Lied von singen können! Gerade gestern berichtete mir eine (bildungsferne) Mutter, dass ihre Tochter (kommt in die 2.) "auf einmal " Schwierigkeiten mit dem Lesen habe. Nun wolle man die Fibel mit in den Urlaub nehmen....
Lesen erfordert kontinuierliche Übung!!!
Das Kind soll "ein Baum" werden - aber am besten ganz von allein...ohne Zutun. Und wenn es nichts damit wird: ach, die Lehrer taugen dort alle nichts!
Sorry, für den Ausflug ;)
Interessant ist, dass der Roman im Grunde eine Collage ist.
Das fasziniert mich auch! Habe noch nichts dergleichen gelesen. Döblin selbst soll es Montagestil genannt haben.
 

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Ansatzweise habe ich es bei
Buchinformationen und Rezensionen zu Lincoln im Bardo: Roman von George Saunders
empfunden. Da würden auch historische Quellen eingebunden. Aber deutlicher abgegrenzt als in "Berlin Alexanderplatz". In dieser Hinsicht ist der Roman schon außergewöhnlich.
 

MRO1975

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Ich habe es auch endlich geschafft, das erste Buch zu lesen, muss allerdings zugeben, dass ich so meine Probleme habe; weniger inhaltlicher, als viel mehr stilistischer Natur.
Ich glaube, damit hatten am Anfang einige von uns Probleme. Lass dich einfach darauf ein, dass es etliche Erzähler, Perspektiven und Kommentatoren gibt. Dann macht es wirklich Freude. ;)