Ein bisschen Island gefällig?

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Hi people,
Ich weiß ziemlich wenig von Island. Mein Nichtwissen reicht bis kurz vor Garnichts. Ein paar Schlagworte, Rejkjavik, Eyjafjallajökull, heiße Quellen, Arnaldur Indriðason, Lesetage zwischen Weihnachten und Neu Jahr (nachahmenswert) - und das wars auch schon. Ich hoffe, ihr wisst mehr.
Die kalten Regionen der Welt haben mich nie so angezogen, ich fand, als ich noch Reiseliteratur in rauen Mengen las, den Amazonas um Längen spannender. Aber vielleicht gab es nur mehr Berichte über den Amazonas und andere grüne Höllen als über eisige Welten. Obwohl, die Polarforscher stehen und standen ebenfalls hoch im Kurs. Aber das waren immer solche Tierquäler. Dafür hab ich nix übrig. Tierquäler... die Kataris lieben es, abgerichtete Falken hinter einer Taube herzujagen, die Null Chance hat, das Ganze wird über riesengroße Bildschirme übertragen und ist eine Art Volkssport. Andere Länder andere Fuchsjagden. Kamele lassen sie auch gerne springen ... Kamelrennen, Pferderennen, gibt es irgendeine Tierart, die Mensch nicht missbraucht?
Zurück zum Eis und zur Demokratie. Angeblich sollen den Isländern die Bodenschätze Islands mitgehören. Allerdings ist meine Informationsquelle nicht ganz politisch aktuell.
Das ist gerade mein Lieblingsbuch. Pionierinnen wider Willen.
Ich mag alles, was über diese Frauen und über ihr Leben in Island berichtet wird, aber Island? Nicht mal zum Gucken würde mich das reizen. Andererseits muss es sehr schön sein, wer einmal dort war, schwärmt. Ich habe nie etwas Negatives über Island gehört. Können sie Fussball? Auswandern ist das Thema heute. Entweder für immer oder doch für sehr lange. Und Europa. Und Katar. Ach, eigentlich alles, aber dann doch Island!
Ich hätte mir Auswandern gut vorstellen können, vielleicht so für zwanzig Jahre. Aber für immer? Na ja, das weiß man vorher nicht, wenn man erst einmal heimisch ist, dann womöglich auch für immer.
Wenn man die freie Wahl hätte, wohin? Für mich keinesfalls Island. Und warum nicht? Zu viel Berge!
Für mich wäre Portugal oder Frankreich in Frage gekommen; die Schweiz und Österreich, obwohl Ausland, sind sie einfach zu ähnlich, also, wer dorthin will, das giltet nicht als Auswandern. Das ist bloss Umziehen. Aber auf alle Fälle Europa. Ich bin Europäerin durch und durch, ich glaube, der europäische Gedanke wurde mir von einer der Feen, die damals um mein Bettchen standen, mitgegeben. Es gibt auch böse Feen. Wollt ihr weiter weg, wenn ihr denn weg wolltet - was hättet ihr euch vorstellen können? Übrigens, zum Auswandern gehört auch die neue Sprache. Wer wo anders wohnt, aber nicht die Sprache lernt, wohnt im Ausland, ist aber nicht ausgewandert. Herz und Hirn (falls vorhanden) sind zuhause geblieben.
Aber letztlich findet doch (fast) jeder, das Land, in dem er geboren wurde, für das beste und einzig wahre. Oder? Und die meisten Auswanderer wandern nicht (ganz) freiwillig.
Momentan befindet sich die Welt wieder in einem irrsinnigen Karussell des Wandels. Alle sind verrückt geworden. Ich denke an den 30jährigen Krieg. 30 Jahre! Das ist Irrsinn hoch drei. Aber mir scheint, wir sind wieder an einem entscheidenen Punkt der Menschheitsgeschichte angekommen.
Daher - bloss weg. Aber wohin? Island. Wer weiß mehr und möchte dorthin, wenigstens mal für ein Jahr.
Abgesehen davon, dass uns die Isländer nicht herein lassen würden, was ist so toll an Island?
Es ist weit weg von allem.
Eure Donnerstagswanda
 
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Emswashed

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9. Mai 2020
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Oh, ich habe gehört, dass in Island mindestens jeder Zweite ein Schriftsteller ist. Kein Wunder, wenn die Energiequellen von ganz allein sprudeln und die Rechenzentren auch wenig Personal brauchen.


Vielleicht gibt das Buch Aufklärung darüber, warum keiner wirklich dorthin auswandern will. In jeder Dystopie steckt ja auch ein Trend.

Mein großer Auswanderungstraum war Australien, aber die lassen auch nicht jeden rein.
 

pengulina

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22. November 2022
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Auswandern. Da sagst du was. Ich habe in mehreren Ländern gelebt und lebe jetzt wieder in Deutschland. Nicht, weil es das einzig wahre Land wäre, aber doch, weil es das am besten bekannte ist. In meinem Alter wandert man nicht mehr aus.

Aber warum Polarforscher mit Island gleichsetzen? Zum Jagen in Island sage ich nichts, das weiß ich nämlich nicht genau, aber meines Wissens wird auch dort nur zur Nahrungsmittelbeschaffung gejagt und keine Tierquälerei betrieben.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Mauri Kunnas: Wo der Weihnachtsmann wohnt

Das fällt mir pünktlich zum ersten Kalendertürchen dazu ein. Vier Bilderbücher haben wir davon, eins reizender als das andere.
Vielleicht geht es aber doch um Finnland in den Büchern... Hüstel.

Ich wollte nie auswandern. Ich finde mich schon sehr fortschrittlich, dass ich Hochdeutschland vor nunmehr 21 Jahren verließ, um mir im Ländle eine neue Heimat zu suchen. Die Sprache habe ich allerdings nicht gelernt und wenn ich es hier und da versuche, werde ich verlacht. Schluchz! Ist das nicht offener Rassismus?!?:monocle

Bei Island denke ich an Islandpferde - ganz zottelige Ponys. Literatur fällt mir keine ein, bestimmt habe ich schonmal Krimis von dort gelesen. Bin gespannt, was euch zum Thema so einfällt.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Auswandern. Da sagst du was. Ich habe in mehreren Ländern gelebt und lebe jetzt wieder in Deutschland. Nicht, weil es das einzig wahre Land wäre, aber doch, weil es das am besten bekannte ist. In meinem Alter wandert man nicht mehr aus.

Aber warum Polarforscher mit Island gleichsetzen? Zum Jagen in Island sage ich nichts, das weiß ich nämlich nicht genau, aber meines Wissens wird auch dort nur zur Nahrungsmittelbeschaffung gejagt und keine Tierquälerei betrieben.
Das Jagen war auf Katar bezogen. Als Volkssport. Die Tierquäler auf die Polarforscher. Was die mit ihren Hunden anstellten ist mehr als grausam. Es dreht sich mir der Magen um, wenn man als Lohn für einen aufopferungsvollen Dienst in den Kochtopf kommt und nicht nur das ... das Tier weiß genau, was ihm bevorsteht. Mögen sie in der Hölle braten, alle diese Kerle.
Polarforscher sind auch in kalten Gegenden unterwegs. Das war der Bezug.
Das Ganze ist eine Assoziationskette, Pengu ;-)).
Warst du mal auf Island?
Meine Freunde sind ganz verrückt danach.
 

pengulina

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Kein Buch, aber eine Künstlerin, die leider mittlerweile tot ist:
Karolina Larusdottir. Sie hat sowohl Ölgemälde als auch Aquarelle und Lithographien produziert. Ihr Stil ist eher naiv, ihre Themen manchmal surreal oder satirisch. Am besten sind die Bezeichnungen.
 

Die Häsin

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Rhönrand bei Fulda
Nach diesen Büchern:



... und "Sein eigener Herr" von Laxness, das System behauptet, das Buch nicht zu kennen -

... nach der Lektüre dieser Bücher habe ich jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass bei Isländern das "Kunst-Machen" viel mehr im Volk verwurzelt ist als bei uns. In Island dichtet man "Rimur", während man Fenster putzt oder Autoreifen wechselt. Nach Feierabend trägt man sie dann der Familie vor. (Ich habe das Thema mal im Büchereulenforum erwähnt, da bestätigte mir ein Teilnehmer, der längere Zeit in Island gelebt hatte, dass dem tatsächlich so sei.)

Meine Töchter haben in diesem Jahr eine Island-Rundreise mit Mietwagen und Zelt gemacht und berichteten mir, es sei fürchterlich teuer, ziemlich leer und eisig kalt, aber ganz wunder-wunderschön.
Mich zieht es dort überhaupt nicht hin, obwohl ich Islandpferde niedlich finde und die isländiischen Stricktraditionen mag - zu kalt, zu wenige Bäume.

Die Islandglocke von Laxness empfehle ich jedenfalls zur Lektüre. Ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat; ich werde es mit Sicherheit ein zweites Mal lesen wollen.
 
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Die Häsin

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Rhönrand bei Fulda
Sollte man Island nicht im Sommer bereisen?
Nun, als meine Töchter dort waren, war es ja noch Sommer, jedenfalls hier. Es war in der ersten Augusthälfte.
Die Große (also die Ältere, sie sind 35 und 32 Jahre alt) hat mir später erzählt, dass sie praktisch die ganze Zeit alles an Kleidung, was sie mitgenommen hatten, auch getragen haben. Koffer leer - alles am Körper (außer Unterwäsche und Socken, die wurden natürlich gewechselt ...).
 

Die Häsin

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11. Dezember 2019
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Rhönrand bei Fulda
Ich nehme an, dass die Islandkrimis von Ragnar Jonasson ein gutes Bild von Milieu und Landschaft geben:


Hulda, die Kommissarin, ist eine einsame, frustrierte, vom Leben gebeutelte Person. Genauso wie Indridasons Ermittler Erlendur.
Mein persönlicher Favorit war lange:

Buchinformationen und Rezensionen zu Todeshauch von Arnaldur Indriðason
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Allerdings habe ich mich daran "übergelesen", ebenso wie an den Krimis von Yrsa Sigurdardottir.

Aus meinen Krimilektüren habe ich folgende unbestätigte Vorurteile mitgenommen:

1. Alle Isländer sind miteinander verwandt. (In Rejkjavik ist eine Datenbank mit dem DNA-Profil aller Einheimischen in Arbeit - auch das war mal Thema in einem der Erlendur-Krimis.)
2. Alle Isländer duzen einander und reden einander mit Vornamen an.
3. Isländer essen (nach unseren Maßstäben nicht essbare) Sachen wie gesengten Schafskopf und Gammelfisch. (In den Verfilmungen nach Indridason-Krimis hat der Ermittler tatsächlich das eine oder andere Mal sehr merkwürdige, undefinierbare Sachen auf dem Teller.)

Einen schönen Eindruck von der Landschaft gewinnt man übrigens auch bei der Gruselserie "Katla".
 

Helmut Pöll

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Ich weiß ziemlich wenig von Island. Mein Nichtwissen reicht bis kurz vor Garnichts.
Das ist sehr beruhigend. Mein Islandwissen ist ähnlich detailliert. Ich kenne Island hauptsächlich über die isländischen Autoren, deren Familiennamen gefühlt alle auf "son" oder "dottir" enden und die - ebenfalls gefühlt - an jeder Ecke gefrorene Leichen herumliegen lassen.
Dieses Wissen wird ergänzt durch die Serie Vikings, in der der verrückte Schiffsbauer Floki vom Kurs abkommt und dann da landet, in der irrigen Annahme das gehöre zu Wallhalla. Dank Google Maps wissen wir heute, dass es nicht zu Wallhalla gehörte, war Island. Seitdem sind die da.

Und weil die Isländer nicht viele sind - ca. 400.000 - sind sie alle über drei Ecken miteinander verwandt. Und wenn man sich die unzählig vielen erfolgreichen isländischen Autoren ansieht und die vielen Morde, die sie schildern (gibt ja im Grunde keine isländischen Familienromane, nur Thriller), dann wundert es einen auch gar nicht, dass sie nicht mehr werden. So das war mein Fachwissen zu Island. :cool:
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Das ist sehr beruhigend. Mein Islandwissen ist ähnlich detailliert. Ich kenne Island hauptsächlich über die isländischen Autoren, deren Familiennamen gefühlt alle auf "son" oder "dottir" enden und die - ebenfalls gefühlt - an jeder Ecke gefrorene Leichen herumliegen lassen.
Dieses Wissen wird ergänzt durch die Serie Vikings, in der der verrückte Schiffsbauer Floki vom Kurs abkommt und dann da landet, in der irrigen Annahme das gehöre zu Wallhalla. Dank Google Maps wissen wir heute, dass es nicht zu Wallhalla gehörte, war Island. Seitdem sind die da.

Und weil die Isländer nicht viele sind - ca. 400.000 - sind sie alle über drei Ecken miteinander verwandt. Und wenn man sich die unzählig vielen erfolgreichen isländischen Autoren ansieht und die vielen Morde, die sie schildern (gibt ja im Grunde keine isländischen Familienromane, nur Thriller), dann wundert es einen auch gar nicht, dass sie nicht mehr werden. So das war mein Fachwissen zu Island. :cool:
Umwerfend!
 
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RuLeka

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30. Januar 2018
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Ich kenne einiges an isländischer Literatur, weil das Land 2011 Gastland der Frankfurter Buchmesse war.
Dort war ich noch nicht. Aber mir liegen die nordischen Länder und die Literatur aus diesen Ländern mehr als die aus südlicheren Gefilden. Spanische Literatur fand ich viel weniger interessant als kanadische oder finnische.
Auswandern will ich nicht, auch wenn mich die vielen Menschen hier oft nerven. Aber ich liebe meine Heimat und bin verwurzelt in der deutschen Sprache.

Zum Lesen empfehlen kann ich:

( das war unser Lesekreisbuch)
und von der gleichen Autorin


des Weiteren die Bücher von
Jon Kalman Stefansson : Sommerlicht, und dann kommt die Nacht

folgende Autorin schreibt schöne historische Frauenromane

Buchinformationen und Rezensionen zu Die Eismalerin: Roman von Kristín Marja Baldursdóttir
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und mehr
Wer lieber einen schrägen Krimi will, für den dürfte das was sein:
Hallgrimur Hellgasson Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen
 

Wandablue

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Brandenburg
Aber das Auge isst ja mit! Wie muss man sich das vorstellen? Ein ganzer Schafskopf auf dem Teller? Und dazu ein gemischter Salat? Kein Wunder, dass die isländische Küche nicht von Weltrang ist!
Das glaube ich nicht. Wahrscheinlich schabt man das Fleisch ab und kocht es. Die Frau, die das Essen lobte, ekelte sich vor Schafskopf - sie wusste nicht, dass es Schafskopf war. Also muss man es wohl ohne Schädel servieren.
 

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