Rezension Der Dampfkochtopf - Marion Bach

Sakuko

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27. Juni 2016
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NRW
Leider konnten wir zu diesem Buch keine Daten ermitteln.

Der Dampfkochtopf ist eine Sammlung an 16 Steampunk Kurzgeschichten kombiniert mit 16 Rezepten, die in diesen Geschichten erwähnt wurden. Eigentlich eine etwas seltsame Mischung, aber ich mag gerne exotische und ungewöhnliche Küchen und hatte auf ein paar viktorianische Gerichte oder extravagante Kreationen spekuliert.

Es gibt eine gute Bandbreite an Richtungen. Von Krimis bis Liebesgeschichten, Abenteuer und Humor ist vieles dabei.
Wie es mit einer Sammlung an Geschichten verschiedener Autoren nun einmal so ist, war es etwas Hit & Miss. Die Hälfte der Geschichten fand ich gut bis geht so, die andere Hälfte hat mir nicht gefallen.
Das ist leider keine besonders guter Schnitt, der wohl zu einem nicht zu unterschätzenden Teil an der Kürze der Geschichten lag. Vom Herausgeber wurden 25.000 Zeichen vorgegeben, Rezept inklusive, da bin ich in gut 10 Minuten durch. Einige der Autoren haben es in der Kürze auch nicht geschafft, einen zusammenhängenden Narrativ zusammenzubekommen, oder etwas Spannung aufzubauen.
Ein paar der Geschichten wirkten eher lieblos um das Rezept herum gezwungen, während bei anderen Geschichten das Rezept nur beiläufig erwähnt wird.
Deswegen möchte ich hier besonders meine Favoriten mal erwähnen.

"Tante Eufemia" ist eine Briefwechsel zweier Schwestern über die Besuche einer verhassten, über-kritischen Tante. Es ist eher eine Sammlung von Anekdoten, aber sehr amüsant geschrieben, und das Rezept ist nicht nur gut integriert, es ist auch das einzige wirklich viktorianische und außergewöhnliche Rezept in der ganzen Sammlung.

"Kannibalische Gastfreundschaft" erzählt über die Weltumrundung eines frisch verheirateten Ehepaares. Die Geschichte ist witzig und augenzwinkernd erzählt und erinnert an alte Abenteuerromane. Dass das Rezept mitten im Text steht ist zwar kreativ gemacht, stört aber den Fluss etwas.

"Tödliches Tiramisu" ist ein netter, leicht noir gehaltener Krimi, der trotz seiner Kürze Spannung aufbauen kann und ein paar überraschende Momente bereithält.

"Milch und Zitrone" beschreibt die gesellschaftlichen Plaudereien eines jungen Forschers mit der Witwe eines Erfinders, dessen Pläne für ein Unterseeboot der junge Mann abwerben möchte. Die Unterhaltung ist interessant und clever gemacht und natürlich ist nicht alles so, wie es erst scheint.

Leider waren die meisten Rezepte auch eher bekannte Rezepte wie z.B. Tiramisu, Königsberger Klopse, Pilaw, gefüllte Champignons. Zudem simple Hausmannskost wie Kürbis-Kartoffelpüree, Spagetti mit Gemüse oder Fliegerallerlei (Reis, Hack, Gemüse, mit Käse überbacken). Wirklich kreative, steampunkige oder einfach periodische Rezepte gab es nicht, mit Ausnahme der Weißweinsuppe aus "Tante Eufemia".
Auch waren die Beschreibungen der Rezepte eher kurz gehalten. Angaben für wie viele Portionen oder Personen die Rezepte sind fehlten meist.
Wenn man kochen kann, macht das meist nicht so viel, aber wenn man Anfänger ist oder selten kocht, dann ist diese Geschichtensammlung ein eher schlechter Begleiter. Bei den Schokotörtchen z.B. wüsste ich sogar als alter Hase anhand der Beschreibung absolut nicht, wie sie gedämpft werden müssen.