Rezension Das Schneemädchen / The Snow Child - Eowyn Ivey

Sakuko

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27. Juni 2016
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NRW
Buchinformationen und Rezensionen zu The Snow Child von Eowyn Ivey

USA in den 1920ern: Jack und Mabel sind aus den wärmeren Gefilden Amerikas nach Alaska ausgewandert. In der kalten, kaum erschlossenen Wildnis wollen sie sich ein Leben aufbauen. Nachdem Mabel vor Jahren ein Kind verloren hatte und nie ein weiteres bekommen konnte, möchte sie die Gesellschaft meiden und ein ruhiges, abgeschiedenes Leben nur mit ihrem Mann führen.
Aber Alaskas Winter sind hart für die unerfahrenen Aussiedler, sie haben kaum noch Ersparnisse und die Felder werfen noch nicht genug für den Winter ab. Auch das Verhältnis zwischen Mabel und Jack ist nicht immer das beste. Jack hat keinen echten Zugang zu Mabels Trauer, wirkt oft distanziert und ablehnend.
Eines Abends, als der erste Schnee fällt, bauen sie ein Schneekind, am nächsten Morgen ist es zerstört und Schal und Handschuhe fehlen, aber Jack und Mabel sehen nun öfters ein junges Mädchen durch die abgelegenen Wälder streifen, in den Schal des Schneekindes gekleidet. Mabel fühlt sich an ein Märchen aus ihrer Kindheit erinnert. Haben sie ein Schneekind erschaffen, oder streift da ein echtes Mädchen durch die Wildnis?

Das Buch beschreibt auf wunderbar bildliche Weise die Wildnis Alaskas. Es beschönigt nicht die harten Zustände, das entbehrliche Leben, das man dort als Farmer hat, die Gefahren, den Mangel, aber es zeigt auch die schönen Seiten auf, die atemberaubende Landschaften, die tier- und pflanzenreiche Natur, die Hilfsbereitschaft der Siedler.
Gerade die Beschreibungen der Landschaften und der Tiere ist wirklich gut gemacht und wirkt sehr realistisch und vorstellbar.

Das Hauptthema des Buches scheint Jacks und Mabels Beziehung zu sein. Die beiden sind sehr nachvollziehbare, auch sympathische Charaktere, aber sie haben ihre Lasten zu tragen. Die Beziehung ist nie einfach, aber ich fand sie sehr schön beschrieben, den es ist klar, trotz aller Schwierigkeiten, das die beiden sich wirklich sehr lieben und beide Versuchen, irgendwie einen Weg für sich zu finden.
Dabei wechseln die Rollen der beiden während des Buches, und die Beziehung nimmt immer wieder verschiedene Formen an. Auch wenn diese nicht immer funktionieren und manchmal die Reaktionen auch unsinnig erscheinen, fand ich diese Wandlungen doch irgendwie immer sympathisch.

Und dann ist da das Schneekind. Es ist das Geheimnis des Buches, das Unergründbare. Es gibt zu ihr keine klare Antwort. Es wird immer wieder die Parallele zu dem russischen Märchen gezogen, aber ob sie ein magisches Geschöpf ist, eine Personifizierung der Wildnis oder einfach ein Mensch aus Fleisch und Blut wird nie 100% geklärt.

Ich fand die ersten 2/3 des Buches wirklich gut, melancholisch ja, aber auch voll Hoffnung und Lichtblicken. Leider schlägt im letzten Drittel, das einige Jahre nach den ersten zwei Teilen spielt, das der Ton des Buches doch arg um und es wirkte für mich irgendwie nicht mehr stimmig. Der Teil ist nicht an sich schlecht, aber ich fand den Übergang holprig und den letzten Teil auch eigentlich nur traurig und unpassend.
 

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