Anke Engelke überarbeitet den Klassiker "Die Häschenschule"

Literaturhexle

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Ich habe einen Post gefunden, der zu unserer Diskussion passt, inwiefern Klassiker überarbeitet oder gleich neu geschrieben werden sollten. Die Komödiantin Anke Engelke hat sich jetzt "Die Häschenschule" vorgenommen, die dieses Jahr ihren 100. Geburtstag feiert.



Im Netz häuft sich Entrüstung über die Neu-Interpretation. Der Fuchs ist nun Veganer und wird zum friedlichen Mitschüler. Gefahren lauern bei den Menschen, deren Mähdrescher kleine Tiere zermalmt...
Was hat das noch mit der Häschenschule von 1924 zu tun? Warum schreibt Engelke nicht eine wirklich neue, eigene Geschichte?

Näheres hier:

@Wandablue @dracoma @Federfee @Emswashed
und alle anderen!
 

Emswashed

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9. Mai 2020
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Was hat das noch mit der Häschenschule von 1924 zu tun? Warum schreibt Engelke nicht eine wirklich neue, eigene Geschichte?
Haha, hatten wir nicht gerade dieselbe Frage bei "James" von Everett? Ich kann die neue Häschenschule jetzt aus der Ferne nicht wirklich beurteilen, aber wenn es ähnlich ihrer Sketches ist, dann ist es bestimmt lustig.

Grundsätzlich stehe ich erst einmal skeptisch den Leuten gegenüber, die aus Funk und Fernsehen bekannt sind und dann Bücher schreiben. Bei Anke bin ich mir aber sicher, dass sie es sich genau überlegt hat. Wenn nicht, bin ich sauer und eine Ikone fällt vom Sockel.
 
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Die Häsin

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11. Dezember 2019
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Ich habe gelesen, dass die Proteste aus den Reihen der Landwirte groß waren. Ich kenne das Buch nicht, aber es hieß, es würde die Landwirtschaft als per se tierquälerisch und als Zerstörerin der Natur darstellen.
 
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Federfee

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13. Januar 2023
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Für ein fundiertes Urteil speziell zu den beiden Büchern müsste ich sie vergleichen. Aber nur mal so: Die alte 'Häschenschule' ist mir vom Cover her bekannt; sie ist Kult und sicher eher für Erwachsene als Erinnerung an ihre Kinderzeit aktuell. Wie kann man also daran herumpfuschen?!
Wenn A. Engelke ein Anliegen hat, dann soll sie ein eigenes Bilderbuch schreiben, können auch Häschen sein, aber doch nicht das alte Häschenbuch verändern. Es gibt auch zwei Dinge, die mich unangenehm berühren: das 'Vegane'. Das klingt für mich schon fast wie Indoktrination. Und Fuchs und Hase befreunden sich? Schreien jetzt nicht die Tierkenner auf?
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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hatten wir nicht gerade dieselbe Frage bei "James" von Everett?
Genau deshalb hat mich das Thema angesprungen;)
Ankes Rollen sind auch oft überspitzt und ziemlich beleidigend,
Was Kinder aber nicht erkennen und differenzieren können, deshalb:
Wenn A. Engelke ein Anliegen hat, dann soll sie ein eigenes Bilderbuch schreiben,
gebe ich hier Federfee Recht.

Wenn ihr den verlinkten Artikel bis zu Ende lest, bekommt ihr eine gute Zusammenfassung des neuen Bilderbuches.

Den Klassiker habe ich gerade erst mit den Senioren angeschaut. Das Mädchenbild ist natürlich nicht mehr zeitgemäß, aber der Fuchs doch noch immer eine reale Gefahr. Vor dem Hintergrund seiner Entstehungszeit ist das Buch völlig okay.
Warum sattelt Engelke auf etwas Altem auf?
 

Die Häsin

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11. Dezember 2019
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Rhönrand bei Fulda
Ich habe in den Siebzigern mal einen Sketch gesehen, der komisch gemeint war damals. Über einen Kinderladen. Die Kinder wollten unbedingt von dem Erzieher (ein langhaariger Mann) Rotkäppchen vorgelesen bekommen. Der Erzieher wollte zuerst nicht, das sei eine Geschichte über Unterdrückungsmechanismen. Schließlich ließ er sich doch überreden. "Aber immer dann, wenn eine Stelle kommt, wo die Eltern oder sonst jemand Rotkäppchen zum Gehorsam zwingen wollen, dann schreit ihr bitte ganz laut NEIN!"

Jetzt kommt ihr bestimmt wieder mit meinem abartigen Gedächtnis, aber ich erinnere mich tatsächlich. War wie gesagt komisch gemeint.
Hätte der junge Mann genug Zeit gehabt, hätte er sicher eine umgeschriebene Fassung gelesen. Und falls er noch lebt, ist er bestimmt begeistert.
 

Emswashed

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9. Mai 2020
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Anke Engelke ist passé und brauchte mal wieder Aufmerksamkeit - und die hat sie ja jetzt bekommen.
Och, da hätte sie sich aber nicht gleich die Mühe eines Buches machen müssen, das geht heute mit schrägen Tik Toks, angeblichen Trennungen und Partnerwechsel, oder Aufregerstatements viel einfacher.
Nö, ich glaube, dass sie sich das sehr gut überlegt hat.
 
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Wandablue

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Grundsätzlich bin ich in diesem Punkt ja bei Anke. Die Bauern nehmen viel Übles in Kauf und kaum Rücksicht. Das aber wiederum haben sie nicht allein zu vertreten! Trotzdem kann sie was Eigenes schreiben; es ist so viel leichter und bequemer auf was Altes aufzusatteln - und was vegan essen betrifft - und sogar vegetarisch - ist es paradox - das können sich heute nur die Wohhabenderen leisten. Früher wars umgekehrt, da konnte man sich kein Fleisch leisten. Aber so richtungsmäßig sollte die Menschheit sich Richtung Selbstbestimmung der Tiere entwickeln. Woher nimmt man sich das Recht heraus, zu bestimmen, Tiere zu töten oder sie in unglaublicher Weise zu halten und damit zu quälen?
Das Hauptproblem (von allem) ist der Mensch. Darüber möchte ich was lesen!
Und wenn die Woken sich mal der Tiere annehmen würden, Zirkus etc. und Tierhandlungen etc. - dann würde ich überlegen, mich mit ihnen zu versöhnen.
 

YukiOnna

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Ich finde es eigentlich in Ordnung, wenn alte Geschichten neu interpretiert werden. Siehe Stolz und Vorurteil. Diese Geschichte wird seit Jahrhunderten immer wieder neu erzählt. Aktuell ist eine Bezeichnung dafür "Enemies to Lovers" :grinning

Bei einer Kindergeschichte darf man aber den emotionalen Wert und die Bindung dahinter nicht vergessen. Hier ist es immer eine Gradwanderung und gerade hier ist das Marketing in der Pflicht. Wenn die Neu-Interpretation richtig vermarktet wird und allfälligen Versuchen die Geschichte zu politisieren direkt Einhalt geboten wird, kann das sehr gut funktionieren. Wichtig ist dabei, dass man den Klassiker in Ehren behält und nicht etwa das Gefühl vermittelt, die Werte von damals seien falsch/schlecht gewesen etc. Denn sind wir ehrlich: Niemand hört von einer Geschichte, die einem in der Kindheit sehr gefallen hat und an die man schöne Erinnerungen knüpft, gerne, dass sie "schlecht/böse/falsch" ist.
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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und sogar vegetarisch - ist es paradox - das können sich heute nur die Wohhabenderen leisten. Früher wars umgekehrt, da konnte man sich kein Fleisch leisten. Aber so richtungsmäßig sollte die Menschheit sich Richtung Selbstbestimmung der Tiere entwickeln. Woher nimmt man sich das Recht heraus, zu bestimmen, Tiere zu töten oder sie in unglaublicher Weise zu halten und damit zu quälen?
Sehe ich genauso! Fleisch müsste grundlegend teurer werden, vegetarische Produkte günstiger, um dieses Modell umsetzen zu können. Manchmal sehe ich im Supermarkt, dass jemand Fleisch kurz vor der Kasse irgendwo hinwirft, weil er sich umentschieden hat. Wenn die Kühlkette eventuell zu lang unterbrochen war, wird das weggeworfen - und das Tier ist umsonst gestorben. Da werde ich furchtbar wütend.

Sorry, hat wenig mit Anke zu tun, aber passte zu Wandas Beitrag.
 

Wandablue

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Denn sind wir ehrlich: Niemand hört von einer Geschichte, die einem in der Kindheit sehr gefallen hat und an die man schöne Erinnerungen knüpft, gerne, dass sie "schlecht/böse/falsch" ist.
Das ist mir eigentlich egal. Jeder kann sagen, dass meine Geschichten von damals böse, politisch unkorrekt (höchstwahrscheinlich), dumpfbackig sexistisch (wenn ich an die vielen Georgette Heyer Romane denke) oder einfach brainwashing waren (Pucki) - nur überschreiben darf er sie nicht. Ich hab Harry P (noch immer nicht) gelesen - ist er nicht auch sexistisch, patriarchalisch, autoritär - Jungs machen, Jungs können, und Harry ist keine Henriette. Schon allein das ist politisch unkorrekt. Ist die Raupe Nimmersatt eigentlich divers und wie siehts mit Schnappi, dem Krokodil aus?
 
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YukiOnna

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29. Januar 2024
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Deswegen bin ich auch der Meinung, dass die Art und Weise der Neu-Interpretation durchdacht sein sollte. Ich finde es tatsächlich besser, wenn der Kern der Geschichte neu erzählt wird. Mir persönlich ist es zu flach, wenn einem bestehenden Charakter einfach nur ein neues Etikett aufgesetzt wird. Das hat auch nichts mehr mit Kreativität zu tun. Wenn man aber die Kernaussage der Geschichte nimmt und sie in ein moderneres Setting packt, kann man auch die Charaktere moderner/diverser gestalten. Und das lässt die Geschichte wiederum neu und erfrischend aufblühen.
 

Barbara62

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19. März 2020
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Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Umfrage bei meinen Buchhandelsazubis: Alle haben über Ostern die traditionelle Häschenschule verkauft, kaum jemand kannte die Neuausgabe. Wenn sie überhaupt im Laden war, wurde sie nach Ostern remittiert. Das ist nicht repräsentativ, es sind alles kleine, unabhängige Sortimente, aber vielleicht trotzdem interessant.

Wahrscheinlich lohnt sich die Aufregung gar nicht. Letztlich stimmen die Buchkäuferinnen und -käufer ab.