Anke Dörrzapf, Die wunderbaren Reisen des Marco Polo

dracoma

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16. September 2022
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Zu den Autoren (Quelle: Gerstenberg Verlag):

Anke Dörrzapf
, geb. 1973 in München, studierte Politik, Kunstgeschichte und Italienisch in München und Bologna. Sie arbeitet als freie Redaktionsleiterin des Kindermagazins P.M. Willi wills wissen, schreibt u.a. für Geo Saison, Brigitte, Spiegel, art, P.M. und verfasst Sachbücher für Kinder und Jugendliche.

Claudia Lieb, geb. 1976, hat Kommunikationsdesign in Münster und Hamburg studiert und arbeitet seitdem in einer Münchner Ateliergemeinschaft als Illustratorin und Grafikerin. Für Die wunderbaren Reisen des Marco Polo wurde die Künstlerin mehrfach ausgezeichnet.


Mein Leseeindruck:

Im Gefängnis von Genua, in dem der Venezianer Marco Polo nach einem verlorenen Krieg gegen Genua gefangen gehalten wurde, diktiert er einem Mitgefangenen, dem Dichter Rustichello, auf dessen Betreiben hin seine Erlebnisse. Dieser Bericht ging in die Literaturgeschichte als Le Livre des merveilles du monde (Das Buch von den Wundern der Welt) ein – und auf diesem Bericht basiert dieses Buch.

Die Autorin hält sich eng an die Vorlage und folgt den Stationen der jahrelangen Reise. Dabei gibt sie auch Marcos Beobachtungen zu den Menschen, den fremdartigen Sitten und auch zu den Landschaften wieder, und so entstehen vor dem Auge (auch des erwachsenen) Lesers Bilder von faszinierenden Städten, von ungeheuren Gebirgen und der gefährlichen Wüste Taklamakan, die bezwungen werden müssen. Sie berichtet, wie wendig und vorurteilsfrei Marco Polo fremde Sprachen lernt, mit welchen Gütern er handelt und welche Beschwernisse er überwinden musste. Mit Marco Polo kommt der Leser schließlich in der Hauptstadt des mongolischen Großreichs an und lernt Kublai Khan kennen, den mächtigsten Herrscher der damaligen Welt - und siehe da: "Der Khan war neugierig, wollte alles über Europa wissen: Wie die Kaiser dort regierten, wie sie Krieg führten, wie Europäer lebten und woran sie glaubten. Ein gebildeter und toleranter Mann war Kublai, kein Barbar, wie in Europa oft über ihn behauptet wurde" (S. 21).

Wenn das nicht "pädagogisch wertvoll" ist...

Ausführliche, kindgerechte Karten lassen den Leser mit dem Zeigefinger die Reise nachfahren.

Das Buch ist als Kinderbuch ausgewiesen, d. h. die Verfasserin muss den Reisebericht Marco Polos herunterbrechen auf die Fähigkeiten eines 8jährigen Kindes.
Das gelingt ihr nicht immer. Ihr Chronikstil wirkt gelegentlich recht steif, und manche Satzbildungen sind für Kinder des empfohlenen Lesealters nicht immer sinnbetont zu erfassen. Gelegentlich hätte sie auch durchaus den sachlich berichtenden Stil verlassen können zugunsten einer lebhafteren Schilderung z. B. eines Unwetters auf der langen Rückreise. Immerhin kamen von vielen Hundert Menschen, die vom Kublai Khan entsandt wurden, nur wenige in Hormos an. Was war denn unterwegs geschehen? fragt das Kind.

Diese Nachteile werden voll und ganz aufgewogen durch die wunderschönen Illustrationen. Mit pastosen, sanften Farben entstehen Bilder von einem ganz besonderen Reiz: stille, klare, durchaus anspruchsvolle Bilder, die durch klare Konturen und ihre Simplizität einfach nur bestechend schön sind. So werden die Schönheiten der durchreisten Landschaften und des Aufenthalts im märchenhaften Reich des Kublai Khans nicht nur über das Ohr, sondern auch durch das Auge vermittelt.

Fazit: ein wunderschönes Lesebuch für Menschen ab 10.

4,5/5*
 
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Kennst Du von Gary Jennings

Gary Jennings Marco Polo Der Besessene I Von Venedig zum Dach der Welt
+
Gary Jennings Marco Polo Der Besessene II Im Land des Kubilai Khan?

Das ist allerdings nichts für Kinder - da sind Szenen drin, auweia! (Aber unheimlich spannend und auch interessant)

Total begeistert war ich bei diesem Autor von:


(Das war der Einstieg für mich, Anfang 1980 :joy )
 
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So grausam? Dann ist das bestimmt auch nichts für mich und mein Seelchen ...
Ja, dann ist es besser, Du lässt die Finger davon!
(In China wurde z.B. Schach mit lebenden Figuren gespielt. Diejenige Figur, die geschmissen wurde, wurde gleich am Spielrand enthauptet. Diese Szene muss ich beim Kaffeetrinken im Büro mal erzählt haben. Nach bestimmt mind. 10 Jahren traf ich auf einem Seminar die ehemalige 'Stiftin' wieder und sie erzählte mir, dass sie immer noch (!) diese erzählte Szene präsent hatte :apenosee -> musste ich offensichtlich sehr eindrucksvoll erzählt haben. :helo )
 
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otegami

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Und warum erzählst Du mir dann diese Schach-Geschichte?
Das war noch eine der harmloseren! ;)
Wobei - enthaupten, einfach so, zack, das geht ja noch.
In China gabs noch ganz andere Methoden
Oh ja! (Und da kommt es für mich immer drauf an, ob es einfach zusammenfantasiert wurde, der Grausamkeit wegen, oder ob es historisch belegt ist. Fakt ist halt mal, dass die früheren Zeiten wesentlich brutaler waren und in manchen Ländern noch verstärkt.)