Amazon und die Kritik

Maycroft

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In den letzten Wochen könnte man den Eindruck bekommen, das irgendjemand ein Kopfgeld auf Amazon ausgesetzt hat, zumindest empfinde ich es als neutraler Aussenstehender als sehr merkwürdig was da zurzeit abläuft.

Richtig stutzig wurde ich aber erst letzte Woche, da flatterte ein Beitrag von einer mir sehr geschätzten Autorin über die SocialMedia Kanäle ins Haus in der Sie Amazon fast schon als das pure Böse bezeichnete.

Vielleicht irre ich mich, aber ich bekommen langsam den Eindruck das diese ganze Kritik gestellt ist, wen man sich mal anschaut welche Medien am meisten Kritik an Amazon üben und welche Unternehmen hinter diesen stehen, wird man sehr nachdenklich.

Sicherlich Amazon ist nicht harmlos, aber ich denke das sind alle großen in diesem Bereich nicht, wen ich da an Aktionen von Thalia denke oder wie Weltbild erst vor kurzem mit seinem Mitarbeitern umging.

Wie seht ihr das?
 
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wolfschwerdt

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Hallo Maycroft,
dein Eindruck trügt dich sicherlich nicht. Auch ich halte amazon nicht für die Heilsarmee (und eben auch kein anderes Wirtschaftsunternehmen im Buchmarkt, also weder den stationären Buchhandel, die Verlage den on line-Handel und im übrigen natürlich auch nicht die Autoren).
Derzeit tobt jedoch ein Kampf zwischen den Buchmarktteilnehmern, die jeweils für sich versuchen, die Öffentlichkeit, die Leserschaft (also die Kunden) und andere Teile des Buchmarktes durch Argumente, Scheinargumente, Emotionen, Marketingaktionen, Manipulationen, Desinformationen etc. auf ihre Seite zu ziehen. Dabei geht es natürlich nicht - wie vordergründig immer behauptet wird - um die Qualität der Literatur, den Dienst am Leser, die Rettung der Kultur oder gar den Schutz von Arbeitskräften vor Ausbeutung (welch lächerlicher Gedanke in unserem Wirtschafssystem!) etc., sondern schlichtweg um die jeweils eigenen wirtschaftlichen Interessen.
Leider funktioniert das weitestgehend und natürlich werden für solche Kampagnen und "Enthüllungen" erhebliche Marketingmittel eingesetzt - übrigens nicht nur in der Buchbranche ;) wie mein Beitrag auf "Alien-Connection zeigt http://gastkommentator.blogspot.de/2013/02/aufgedeckt-ein-skandaldesigner-packt-aus.html

Ein paar weitere Informationen zum Büchermarkt aus Autorensicht, findest du hier: http://wolfgangschwerdt.wordpress.com/category/autorenkosmos/
 

Helmut Pöll

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9. Dezember 2013
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In den letzten Wochen könnte man den Eindruck bekommen, das irgendjemand ein Kopfgeld auf Amazon ausgesetzt hat, zumindest empfinde ich es als neutraler Aussenstehender als sehr merkwürdig was da zurzeit abläuft.
...in der Sie Amazon fast schon als das pure Böse bezeichnete.
Wie seht ihr das?
@Maycroft - das ist in meinen Augen purer Unfug. Die Buchbranche ist im Umbruch. Die Ursache für diesen Umbruch ist aber meiner Ansicht nach eine explodierende technische Entwicklung. Amazon ist selber nur ein Kind dieser explodierenden Entwickung, genauso wie Google oder Apple. In 5 Jahren können das ganz andere Firmen sein. Und mal ehrlich: was wäre denn Amazon würde über Nacht schließen, weil Jeff Bezos sagt "20 Milliarden Kontostand reichen, ich lege mich an den Pool"? In kürzester Zeit würde ein anderer die Lücke füllen. Ich glaube nicht, dass meinetwegen ein koreanischer Investor die hiesige Buchbranche mit Samthandschuhen anfassen würde.

Dieser Umbruch ängstigt natürlich alle, die jahrzehntelang vom Status Quo profitiert haben. Das ist ganz normal. Und normal ist vermutlich auch, dass man sich dann erstmal einen Sündenbock sucht, der an der Misera schuld hat, anstatt sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass man vielleicht selber gewisse Entwicklungen zu lange nicht ernst genug genommen hat.

Hallo Maycroft,
dein Eindruck trügt dich sicherlich nicht. Auch ich halte amazon nicht für die Heilsarmee (und eben auch kein anderes Wirtschaftsunternehmen im Buchmarkt, also weder den stationären Buchhandel, die Verlage den on line-Handel und im übrigen natürlich auch nicht die Autoren)....Dabei geht es natürlich nicht - wie vordergründig immer behauptet wird - um die Qualität der Literatur, den Dienst am Leser, die Rettung der Kultur oder gar den Schutz von Arbeitskräften vor Ausbeutung (welch lächerlicher Gedanke in unserem Wirtschafssystem!) etc., sondern schlichtweg um die jeweils eigenen wirtschaftlichen Interessen.

@wolfschwerdt - Die Heilsarmee sind sie sicher nicht, da hast Du recht. Aber das sind Randomhouse, Thalia, Hugendubel etc. auch nicht. Wenn ich mir ansehe, was gerade bei Weltbild passiert ist, dann möchte ich mir den Aufschrei gar nicht vorstellen, wenn Amazon auch nur annähernd so viele Leute vor die Tür gesetzt hätte.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
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Amazon ist in der Kritik, weil es seine Marktmacht äusserst schlau aus dem Nichts aufgebaut hat. Und das geht nun mal nicht, ohne andern auf die Füsse zu treten. Dazu kommen die wohl nicht nur zum Teil schlechten Arbeitsbedingungen seiner niederen Angestellten. Aber Amazon ist da nicht alleine! Ganz und gar nicht. Die Mitbewerber im Buchhandel machen das auch so. Hierzulande (Schweiz) gelten die Löhne im Buchhandel als aussgesprochen schlecht, hier arbeitet nur, wer eine Affinität zum Buch und zum Sprechen über dieses hat. Die Lehre ist anspruchsvoll, der finanzielle Ertrag derselben mies.
Die grossen Buchhandelsketten verdrängen die kleinen Buchhandlungen, das Sortiment wird immer einheitlicher...
Die kleinen Buchhandlungen, eigentlich die einzigen, die man noch Buchhandlung nennen mag, schrammen am Existenzminimum herum.

Genauso sieht es doch auch mit den Verlagen aus. Die grossen werden immer grösser, die kleinen dümpeln (finanziell gesehen) so vor sich hin.

Amazon ist ein grosser Player, also wird auf ihn geschossen. Wenn es um Amazon ruhiger geworden ist, kommen die andern grossen dran. Die Welt benötigt Sündenböcke.
 

wolfschwerdt

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@Helmut Pöll sag ich doch!
Aber Fakt ist auch, dass diese Amazon-Sündenbockgeschichte nicht nur ein sozusagen "natürliches" Resultat der Verunsicherung in der Buchbranche ist, sondern eben auch Ergebnis von gezielten Kampagnen mit dem profanen Ziel des Ausschaltens unliebsamer Konkurrenz und des Aufrechterhaltens (oder am besten gesetzlich Wiederherstellens) der bisherigen Privilegien.
Natürlich spielt die technische Entwicklung eine große Rolle bei der natürlichen Auflösung von bisherigen Privilegien und der literarischen Definitionshoheit und bei Buchhandel und Verlagen gegenüber Lesern und Autoren. Und natürlich hat da der eine oder andere in der Branche etwas verpennt. Aber bei genauer Betrachtung ergibt sich daraus eigentlich nicht zwangsläufig amazon als Sündenbock (denn die anderen Marktteilnehmer machen das meiste, was sie amazon vorwerfen auch selbst, nicht ganz so perfekt und eben nicht so erfolgreich). Um so einen im Grunde künstlichen Buhmann langfristig aufrecht zu erhalten, bedarf es schon strategischer Überlegungen, gezielter Kampagnen und vor allem emotionaler Nebenkriegsschauplätze wie "Arbeitssituation" etc.
Und das funktioniert eben nur (obwohl ich auch das zu beweifeln wage), weil der Kunde, Leser eben so gut wie gar nichts über die Strukturen im Buchmarkt weiß (ist eigentlich auch nicht sein Bier, schließlich will er lesen) und insofern auch hervorragend desinformiert werden kann.
 

Maycroft

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@wolfschwerdt

ein natürliches Resultat ist das sicherlich nicht, nur frage ich mich wo das ganze mal endet. Nehmt nur mal die Partner der Tolino Allianz und schaut mal welche Großkonzerne dahinter stehen, dann schaut mal welche Medien am meisten auf den Putz hauen und vergleicht mal zu wem die gehören, ich wette da würden hier einige sich wundern.
 
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Rainer Zenz

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Ich sehe die Sache dann doch etwas anders. Natürlich ist Amazon nicht der einzige Schuft im Spiel. Es stimmt, schon die nationalen Buchhandelsketten und Verlagsfusionen haben der Buchbranche ein anderes Gesicht gegeben. Doch Amazon ist nun mal der weltgrößte Akteur auf dem Gebiet und dazu von ausgesuchter Rücksichtslosigkeit. Die ganze Entwicklung wurde auch politisch gefördert, in den letzten Jahrzehnten galt ja radikaler Wirtschaftsliberalismus als Ideal.

Was Amazon besonders gefährlich macht, ist sein unverhohlenes Monopolstreben über die gesamte Verwertungskette vom Autor bis zum Leser, vom Produzenten bis zum Kunden. Das hat übrigens mit Marktwirtschaft dann nichts mehr zu tun. Prominent zu spüren bekommen das derzeit Hachette und Bonnier, später kann das genauso gut Autoren oder Kunden betreffen. Was wäre z. B., wenn Amazon kurzerhand von Selfpublishern 50 Prozent verlangen würde?

Dass alle mit dem Finger auf Amazon zeigen, liegt zum einen schlicht an Amazons Verhalten, zum anderen an seiner Prominenz. Ähnlich wie bei McDonald's, Coca Cola, United Fruit oder Shell wird eben auch Amazon stellvertretend für alle Akteure seiner Art ins Visier genommen. In meinen Augen völlig zurecht.

So manche Kommentare gefallen mir auch nicht. Gerade der Börsenverein fällt mir unangenehm auf, mehr des Tons als des Standpunkts wegen. Der Börsenverein hat ja nun wirklich genug Chancen selbst versägt. Jammern und Anklagen wirkt auch nicht sonderlich souverän, es hlift auch nur bedingt. Dennoch ist die Entwicklung besorgniserregend und Amazon sollten seine Grenzen gezeigt werden. ebenso wie Google und noch ein paar anderen Big Playern, die ungehindert immmer tiefer in unser Leben eingreifen.

Trotz der Überspitzungen, die bei so einem Prozess unvermeidlich sind, halte ich es für sehr erfreulich, dass langsam eine breite Debatte über die gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen des Internets und seiner Ökonomie beginnt. In dem Zusammenhang muss man auch Amazon als einen der Hauptakteure ins Visier nehmen.
 
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Helmut Pöll

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Was wäre z. B., wenn Amazon kurzerhand von Selfpublishern 50 Prozent verlangen würde?

Das Problem in so einem Fall ist immer die fehlende Konkurrenz. Um diese vernünftige Konkurrenz zu etablieren sind aber andere gefragt. Gäbe es diese Konkurrenz, dann ist die Beantwortung dieser Frage sehr einfach: die Autoren würden dahin abwandern, wo die Konditionen besser sind.

Trotz der Überspitzungen, die bei so einem Prozess unvermeidlich sind, halte ich es für sehr erfreulich, dass langsam eine breite Debatte über die gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen des Internets und seiner Ökonomie beginnt. In dem Zusammenhang muss man auch Amazon als einen der Hauptakteure ins Visier nehmen.

Ich finde diese Diskussion auch erfreulich @Rainer Zenz . Was mich aber stört ist eine Berichterstattung, die eben teilweise nicht sachlich ist, sondern voreingenommen und Dinge unterschlägt, siehe beispielsweise hier:

http://whatchareadin.de/community/threads/wie-amazon-den-buchmarkt-aufmischt.384/#post-1459

Zusammengafsst in zwei Sätzen: ARTE hat die Indie-Bestsellerautorin Emily Bold nach USA gebracht. Emily Bold, die durch Amazon erfolgreich wurde und wider willen zur Kronzeugin gegen Amazon gemacht wurde, nahm Stellung zum Film.

http://emilybold.de/emilys-blog/storyseller-dokumentation-auf-arte/

Natürlich darf man für oder gegen gewisse Vorgänge bei Amazon sein, man darf aber auch gegen schlampigen, voreingenommenen Journalismus sein, der vor der Recherche schon weiß, zu welchem ERgebnis er kommen will.
 
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wolfschwerdt

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Was Amazon besonders gefährlich macht, ist sein unverhohlenes Monopolstreben über die gesamte Verwertungskette vom Autor bis zum Leser, vom Produzenten bis zum Kunden. Das hat übrigens mit Marktwirtschaft dann nichts mehr zu tun. Prominent zu spüren bekommen das derzeit Hachette und Bonnier, später kann das genauso gut Autoren oder Kunden betreffen. Was wäre z. B., wenn Amazon kurzerhand von Selfpublishern 50 Prozent verlangen würde?

Das objektiv gefährliche an Amazon scheint mir vor allem sein Erfolg. Dass ein Wirtschaftsimperium sein Ziel "unverhohlen" anstrebt, erscheint mir hingegen besser, als das Verstecken von wirtschaftlichen Interessen hinter Scheinargumenten und durch Eröffnen von Nebenkriegsschauplätzen - wie es der Rest der Branche praktiziert. Einfach gesagt: Bei Amazon weiß eigentlich jeder, woran er ist. Bei so manchen versteckten und verzweigten und ebenfalls weltweit operierenden Amazongegnern in der Buchbranche fällt es oft genug sogar Insidern schwer, die Strukturen und die tatsächliche Marktposition zu erkennen. Manchmal habe ich aber auch den Eindruck, dass so einigen Branchenteilnehmern, die Gefahren, die vom Erfolg Amazons ausgehen und die Du hier völlig zu recht und richtig beschrieben hast, selbst gar nicht begreifen und der Strategie Amazons damit in die Hände spielen. Und natürlich ist das Streben, die gesamte Wertschöpfungskette einer Branche, eines Marktes zu beherrschen (wobei es da verschiedene Instrumente gibt, wie man an der Automobilindustrie sieht) teil unseres Wirtschaftssystems.

Das verrückte an der ganzen Geschichte, ist, dass es mir ziemlich Wurscht ist, ob Amazon irgendwann einmal 50% von mir als Autor verlangt (abgesehen davon, dass die ohnehin schon mindestens so viel an meinen Büchern verdienen - aber eben wegen der Wertschöpfungsmonopolisierung die einzigen sind). Denn ich habe tatsächlich gerade aufgrund der technologischen Entwicklung und der Tatsache, dass Amazon eben nicht der einzige Distributor ist, gerade wenn ich die traditionellen Wege verlasse, eine Reihe auch wirtschaftlich interessanter Alternativen für meine Publikationen. Bereits heute fahre ich mehrgleisig. Damit ist die Entwicklung bei Amazon nicht ungefährlich, die Gefahren lediglich aus der Position der anderen großen Marktteilnehmer zu beschreiben, geht aber ein wenig an der Gesamtproblematik vorbei. Da gibt es auch bei der Kritik an den anderen Global Datenplayern wie Google oder FB etc. immer wieder ein Glaubwürdigkeitsproblem. Denn gerade die, die immer wieder die Kampagnen gegen Amazon starten und ihren Lobbyeinfluss (Urheberrecht etc.) gegen andere Marktteilnehmer erfolgreich geltend machen, haben letztendlich die gleichen Ziele wie Amazon, nur eben eher verhohlen.
 

Rainer Zenz

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Kritik kommt ja nicht nur von Konkurrenten, sondern mittlerweile von vielen Seiten. Für mich gehört Amazon in einen weit größeren Kontext – zusammen mit Google, Facebook usw. und auch der NSA. Allen geht es um möglichst vollständige Kontrolle der Menschen. Leider ist das keine Schwarzmalerei oder Verschwörungstheorie. Da ist in den letzten fünfzehn, zwanzig Jahren etwas sehr schiefgelaufen. Natürlich kann man einzelne Unternehmen dafür nur bedingt verantwortlich machen – sie haben eben die Möglichkeiten genutzt, so eine Macht zu erlangen.
 
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Maycroft

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Das objektiv gefährliche an Amazon scheint mir vor allem sein Erfolg.

Und warum sind sie so Erfolgreich, weil sie mit unter den besten Service haben, Amazon gilt mit unter als das kulanteste Unternehmen in Deutschland, da gibt es keine Diskussionen bei einem Umtausch, ist etwas defekt wird es sofort ausgetauscht, der Kundenservice ist kostenlos usw usw

Man kann Kunden nur gewinnen wen sie sich gut behandelt und wohl fühlen, dies hat Amazon schon vor langem gelernt und hat seine Firmenpolitik danach ausgerichtet, die deutschen Unternehmen hängen da extrem hinter her, der Kundenservice ist teilweise grottig und brauch bei dem ein oder anderen Unternehmen mal eben 2-3 Wochen bis da mal etwas bearbeitet wird, oftmals wird sich quergestellt...

Ich hab einen Bekannten der hat sich kürzlich einen Tolino gekauft, er Nachhause ausgepackt und festgestellt das das gute Teil einen Displayfehler hatte, also zurück in die Filiale, da wollte man ihm erst klar machen das er sich das ganze nur einbildet, danach wollte man ihm das Gerät nicht umtauschen, als er dann sauer wurde bot man ihm doch noch ein Austausch an, was er frustriert ablehnte und sein Geld nahm und sich am gleichen Tag bei Amazon einen Kindle bestellte, nach seiner Aussage wird er keinen Fuß mehr in eine gewisse Filiale setzen....

Was ich damit sagen will, das Problem wird zwar auf Amazon geschoben, aber viele Probleme liegen bei den Unternehmen selbst und die müssten angegangen werdem.
 

Rainer Zenz

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Maycroft, das mit Amazons Erfolg durch Service ist eine fromme Legende. Der Service ist wichtig, keine Frage – aber er ist lediglich der Köder.

Amazon hat es vor allem durch äußerst aggressive Expansion mit der Unterstützung sehr geduldiger Investoren geschafft. Man darf nicht vergessen, dass Amazon bisher kaum Geld verdient. Alle Überschüsse werden in die Expansion gesteckt. Wirtschaftlich solide oder rational ist das nicht, aber darum geht es Bezos auch gar nicht. Er will unbedingt der Einzige und Größte werden.
 

Helmut Pöll

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Der Service ist wichtig, keine Frage – aber er ist lediglich der Köder.

Guter Service und schlechtes Angebot funktioniert natürlich nicht. Das ist klar. Aber der Service ist m.E, der entscheidende Punkt. Mir geht es übrigens genauso wie @Maycroft . Ich kaufe meine Elektronikartikel mittlerweile ausschießlich bei Amazon und zwar nach Horrorerfahrungen, die ich mit einigen defekten Geräten und anderen Lieferanten früher gemacht habe (falsche Bedienung, geht doch, das reparieren wir -> dauerte 3 Monate). Das tue ich mir nicht mehr an. Weil ich relativ viel einkaufe hatte ich auch schon in der Garantiezeit defekte Geräte, die über A. bezogen wurden. Und muss ich es dazu sagen? Es gab nie das geringste Problem mit Umtausch und Rücksendung. Nicht einmal.

Diese "äußerst agressive Expansionspolitik" kann man vermutlich mit einer milderen Formulierung Kapitalismus nennen oder "freie Marktwirtschaft". Da ist keine freiwillige Selbstbeschränkung von Unternehmen vorgesehen a la "wir könnten zwar 2 Millionen Produkte im Jahr verkaufen, aber so gross wollen wir gar nicht werden und beschränken uns auf 100000."

Man darf nicht vergessen, dass Amazon bisher kaum Geld verdient. Alle Überschüsse werden in die Expansion gesteckt. Wirtschaftlich solide oder rational ist das nicht

Das kommt auf das Auge des Betrachters an. Und doch, @Rainer Zenz , Überschüsse nicht an die nimmersatten Aktionäre auszuschütten, sondern diese Summen zu reinvestieren, ist wirtschaftlich solide. Vielleicht ist das im Zeitalter, wo es fast nur noch um schöne Quartalszahlen geht, ungewöhnlich, aber schlechtes Wirtschaften ist es gewiss nicht.
 

Rainer Zenz

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Kapitalismus ist kein Naturgesetz. Marktwirtschaft begrüße ich, doch sie braucht einen Rahmen. Das ist der ordoliberale Ansatz. Sonst ist das Ganze eben nur das Recht des Stärkeren, nicht mehr Marktwirtschaft.
 

Helmut Pöll

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Kapitalismus ist kein Naturgesetz. Marktwirtschaft begrüße ich, doch sie braucht einen Rahmen. Das ist der ordoliberale Ansatz. Sonst ist das Ganze eben nur das Recht des Stärkeren, nicht mehr Marktwirtschaft.

Völlig klar. Aber eben diesen Rahmen müsste der Gesetzgeber vorgeben. Diesen Rahmen werden sich die Firmen nicht selbst stecken. Insofern wäre es also vernünftiger das Ausbleiben dieser Regelungen von Seiten der Gesetzgeber zu beklagen.

Mir ist bei diesen Diskussionen über Amazon oft nicht ganz klar, was der eigentliche Vorwurf ist. Das bleibt nach meiner Beobachtung oft recht schwammig. "Aggressive Expansionspolitik" ist mir zu diffus, weil nicht messbar. Da wird es bei 100 Leuten unterschiedliche Meinungen dazu geben, was denn nun zu expansiv ist und was nicht. Ich glaube man kommt eher weiter mit Fragen wie "Haben sie Gesetze gebrochen? Ja oder nein? Sind diese Gesetze ausreichend oder nicht?"

Die hohen Umweltstandards, die wir im Vergleich zu von vor 30 Jahren haben, wurden ja auch nicht erreicht, indem man Chemiefirmen bat bitteschön freiwillig den Rhein nicht mehr so zu verschmutzen, sondern indem man überprüfbare Grenzwerte für Schadstoffe nach unten korrigierte.
 

Rainer Zenz

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Du hast schon recht, dass vieles eine Frage des Rechts ist. Steuer- und Kartellrecht sind (genau wie das Urheber- und Datenschutzrecht) noch lange nicht an die die Bedingungen der Globalisierung und Digitalisierung angepasst.

Es stimmt auch, dass alle unternehmerischen Antworten auf Amazon bisher die Kunden nicht hinreichend überzeugen konnten.

Ich finde allerdings nicht, dass man deshalb allein den Gesetzgeber zum Handeln auffordern und die Wirtschaft um Alternativen bitten sollte. Man kann durchaus mit dem Finger auf Amazon, Google & Co. zeigen und laut sagen »Euer Verhalten ist unerwünscht!« Unternehmen agieren nicht im moralfreien Raum.
 
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Helmut Pöll

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Man kann durchaus mit dem Finger auf Amazon, Google & Co. zeigen und laut sagen »Euer Verhalten ist unerwünscht!« Unternehmen agieren nicht im moralfreien Raum.

Absolut, @Rainer Zenz . Da stimme ich Dir voll und ganz zu. Es ist schwer verständlich, warum ein Konzern, der hierzulande Millionenumsätze mit Buchverkäufen macht, nur 3% Umsatzsteuer zahlen soll, weil er versichert seine Zentrale liege im steuerfreundlicheren Luxemburg, während ein kleinerer Händler, der den Globalisierungsjoker nicht ziehen kann, 19% bezahlen muss.

Aber das ist ja leider ein generelles Problem mit globalisierten Konzernen, nicht nur in der Medienbranche. Länder wie Luxemburg leben ja im Grunde von solchen Konstellationen.
 

wolfschwerdt

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Ich denke schon, dass es um das Verhalten der Menschen (Bürger, Kunden, Arbeitnehmer) gegenüber Verstößen gegen Moral, ethische Grundsätze und Demokratie geht. Dem Gesetzgeber würde ich angesichts seiner "Arbeit um (und für) jeden Preis-Mentalität" nicht wirklich eine menschenfreundliche Regulierung - in welchem Bereich auch immer - zutrauen.
Aber wenn der Bürger sich tatsächlich selbst regulierend gegenüber den Mächtigen verhalten soll, muss er auch über die tatsächlichen Zusammenhänge (und zwar aus der Sicht aller Beteiligten) informiert sein. Sonst bleibt es eben bei öffentlichen und von interessierter Seite initiierten Kampagnen (faktisch also globale Marktschlachten mit intellektuell und materiell verheizbaren Bauernheeren), die (vor allem) aus der sozialen Netzgemeinde bestehen, die den jeweiligen Meinungsführern eher wie eine Schafherde nachläuft, statt bewusst zu handeln. Das permanente stolze Verkünden: "ich kaufe nie wieder bei amazon" hat ja wohl mit politisch bewusstem, reflektiertem Handeln weniger zu tun, als mit dem Bedürfnis, in seinem sozialen Umfeld toll dazustehen.
Wie gesagt, auf alles, was schief läuft muss gezeigt werden. Aber gegen Parolen, die der Beruhigung des eigenen Gewissens und dem Vermeiden der Reflektion dienen, bin ich furchtbar allergisch, auch, wenn der Anlass für den Protest im Einzelfall natürlich gegeben ist.

Im übrigen zähle ich die, die hier gerade diskutieren ausdrücklich nicht zu den "Bauernheeren". Ich finde die Diskussion sehr erfreulich und durchaus weiterführend.
 
20. Mai 2014
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Etwas offtopic, aber es musste sein!

Im übrigen zähle ich die, die hier gerade diskutieren ausdrücklich nicht zu den "Bauernheeren".

Schiller, Wilhelm Tell:
"Lern dieses Volk der Hirten kennen, Knabe!
Ich kenn's, ich hab es angeführt in Schlachten,
Ich hab es fechten sehen bei Favenz.
Sie sollen kommen, uns ein Joch aufzwingen,
Das wir entschlossen sind, nicht zu ertragen!"

Ein Bauernheer ist nichts Negatives. Auch als Indianer stellen wir uns der "grossdeutschen" Kavallerie eines Herrn Steinbrück entgegen.
 
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