7. Leseabschnitt: Vierter Teil Vierunddreißigstes bis Vierundvierzigstes Kapitel

Anjuta

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8. Januar 2016
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Der 7. LA ist für mich ein absoluter Lesehöhepunkt. Es fängt schon an mit einer Einstimmung der so unbekannt bleibenden Ich-Erzählerin, die uns deutlich macht, worum es in diesem Roman geht, ohne uns über das Thema belehren und aufklären zu wollen: grandios: S. 507:
[zitat]Tugend und Laster waren Schuß und Kette unseres frühesten Bewusstseins, und sie werden das Gewebe unseres letzten bilden, ungeachtet aller Veränderungen, die wir Feld, Fluß und Berg auferlegen, aller Wandlungen von Wirtschaft und Lebensweise. [/zitat]
Das Thema von dem guten und dem schlechten Kern in jedem Menschen zieht sich streng und konsistent tatsächlich durch diesen ganzen Roman, ohne dass der Autor uns aber mit der Nase drauf stößt. Nein: das macht hier die Weltliteratur aus, mit der wir es zu tun haben. Wir lesen Landschaftsbeschreibungen, schauen dem Treiben der Menschen zu beim Lesen und immer kreist es um dieses Thema, mag der Autor sich auch scheinbar noch so weit von ihm entfernen. Es bleibt im Fokus, ohne aufdringlich zu werden!!!
Ein ganz großartiges Kapitel ist dann auch das Vater-Sohn-Gespräch zwischen Adam und Caleb (S. 550 ff.).
Ich bekomme den Eindruck, der Autor kennt seine Helden tatsächlich. Und so schildert er sie uns in unterschiedlichen Situationen, die zum Teil unwichtig erscheinen und zur Handlung nicht viel beitragen. Aber weit gefehlt: der Autor ist sich bei all diesen Szenen bewusst, dass er damit auch jeweils ein kleines Mosaiksteinchen des Charakters seiner Helden an die Leser vermitteln kann. Mosaiksteinchen aber, die nicht er selbst für uns zusammensetzt, sondern mit denen er den Leser seine eigenen Schlüsse ziehen lässt. Und so kreisen wir in der Lektüre im Sog von Gut und Böse, von Tugend und Laster und wissen nie so genau, auf welcher Seite wir selber stehen und uns bewegen.
 

Querleserin

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30. Dezember 2015
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Mir ging es in diesem Leseabschnitt wie @Anjuta, der Ich-Erzähler verdeutlicht uns zu Beginn, worum es letztlich immer geht, um es anschließend anhand der Figuren zu demonstrieren. Caleb, der mit sich ringt, ob er aufgrund seiner Mutter böse werden muss, oder ob er anders handeln kann - da schließt sich auch der Kreis zur Diskussion zwischen Samuel und Lee zur Kain und Abel Geschichte, zum „Timschal“ - der Mensch hat immer die Wahl!
Das Gespräch zwischen Adam und Cal ist großartig, es öffnet Adam die Augen und seine Rechtschaffenheit wird offensichtlich.
Aron bleibt für mich blass, er hat keine Ecken und Kanten...
 
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Die Häsin

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11. Dezember 2019
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Aus gegebenem Anlass - ich lese gerade noch ein anderes Buch, in dem eine derartige Wendung vorkommt - frage ich mich, ob es sein könnte, dass Aron und Caleb nicht den gleichen Vater haben.
Ich weiß, dass das biologisch möglich ist, obwohl natürlich ein irrer Zufall, kann aber vorkommen. Bedingung wäre natürlich zeitlich dicht nacheinander liegender Verkehr mit beiden Männern. Kann sich jemand erinnern, wie das kurz vor bzw. nach dieser bewussten Nacht mit Charles war?