7. Leseabschnitt: Kapitel 19 bis 22

Federfee

Bekanntes Mitglied
13. Januar 2023
2.571
10.698
49
Székely kann zwar die Atmosphäre sehr gut beschreiben, die bei der Versammlung in der Küche von Garas herrscht, aber die Gespräche finde ich sehr langatmig geschildert und irgendwie verpufft alles. Ich weiß nicht, ob es nun Streik geben wird oder nicht. Überhaupt springt Székely mit seinen Themen hin- und her, so dass ich mich auf keines richtig einlassen kann.

Marci finde ich zunehmend widerlich. Ob er eigentlich noch ganz normal ist? Er ist schon mit dem Geigen im Bordell sehr beansprucht und dann verausgabt er sich auch noch bis zur völligen Erschöpfung mit Sex: Julka, die 'Dame' im Schloss und auch mal ein 'Freudenmädchen'. Immer wieder beschimpft er die Frauen und man hat den Eindruck, dass er sei völlig orientierungslos ist und überhaupt nicht weiß, was er will.

Ehrlich gesagt: ich bin froh, wenn ich mit dem Buch zu Ende bin. Ich weiß nicht mehr, was es mir sagen will, ob überhaupt etwas.
 

Anjuta

Bekanntes Mitglied
8. Januar 2016
1.673
4.975
49
63
Essen
So langsam aber sicher beginnt mich das Buch zu langweilen. Ich habe das Gefühl, alles ist schon einmal beschrieben worden und wird nun nochmal aufgegriffen. Die Liebesdreiecksgeschichte, die sexuellen Gelüste von Garas etc, etc. ich weiß es jetzt wirklich und muss nicht nochmal ein ganzes Kapitel damit beschäftigt werden. Dem Roman fehlt zum Ende hin Fokus und Struktur. Schade! Weniger wäre mehr gewesen!
 

otegami

Bekanntes Mitglied
17. Dezember 2021
2.018
7.101
49
71
Da gab es wieder einige Highligts in diesem Leseabschnitt, die mir sehr gut gefielen:

das innere Zwiegespräch des Abwägens von Garas beim Treffen der Bauern im Dorf,
die Geschichte von 'Nusi' (oder sollen wir sagen 'Aufstieg'?), der Frau des stellvertretenden Ministers,
die Überlegungen des Támas Bonczas, des Grafen: wir lesen von seiner Familie, seinen Überzeugungen (z.B. 'auch Mut war reine Übungssache' oder 'Ein Ehrenmann beherrschte sich selbst, das gemeine Volk musste beherrscht werden'), über Geschichte ( die die einzigen verlässlichen Berichte über jenes unzuverlässige Phänomen: das Verhalten der Massen liefern), seine Meinung zum Bolschewismus und seine Pläne bezüglich seines eigenen Endes. (Dieses Kapitel nahm mich total in Beschlag!)

Auch über Marci steht auf S. 488 ein zusammenfassender, sehr treffender Satz: 'Frauen waren für ihn, was Schnaps für den Säufer war.'
 

Irisblatt

Bekanntes Mitglied
15. April 2022
1.352
5.644
49
53
Hier war mir das letzte Kapitel zu lang, vor allem die Überlegungen des Grafen, sein Buchprojekt und sein geplanter Selbstmord.
Die Besprechung in Garas Küche habe ich als sehr lebendig und interessant empfunden. Julka sitzt nun in der Grube - lebendig begraben - bleibt nur zu hoffen, dass Garas oder Marci überleben, um sie dort wieder herauszuholen.
Nusis Geschichte hat mich überrascht, ihre Unsensibilität Marcis Situation gegenüber ebenfalls. Über sie erhalten wir Einblicke in die Gewerkschaft und damit einen weiteren Baustein im Gesellschaftsportrait der damaligen Zeit.
Ich bin gespannt, ob das plötzliche Eintreffen von Baranky Nusi und Marci in Schwierigkeiten bringen wird.
 

Barbara62

Bekanntes Mitglied
19. März 2020
4.284
16.484
49
Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Ich weiß nicht, ob es nun Streik geben wird oder nicht.
Wie ich es verstehe, sind wir am Abend des ersten Streiktages seit 700 Jahren.

Marci finde ich zunehmend widerlich. Ob er eigentlich noch ganz normal ist? Er ist schon mit dem Geigen im Bordell sehr beansprucht und dann verausgabt er sich auch noch bis zur völligen Erschöpfung mit Sex: Julka, die 'Dame' im Schloss und auch mal ein 'Freudenmädchen'. Immer wieder beschimpft er die Frauen und man hat den Eindruck, dass er sei völlig orientierungslos ist und überhaupt nicht weiß, was er will.
Volle Zustimmung. Wenn ein Mann eine Frau als "appetitlich" bezeichnet, möchte ich das Buch am liebsten in die Ecke werfen. Aber zum Glück sind die meisten Kapitel anders und ich finde das Buch inzwischen - trotz der Langatmigkeit - sehr spannend. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Faszination über die langen Beschreibungen und dann auch wieder Langeweile wegen der Weitschweifigkeit. Ein guter Lektor hätte hier Wunder bewirken können, aber 200 Seiten wären bei mir einer Kürzung garantiert zum Opfer gefallen.

Interessant, dass die Rosenbergs ihre Rettung dem Grafen verdanken.

Spione im Schloss: Marci hatte wohl doch recht mit seinen flüchtigen Beobachtungen...
 

RuLeka

Bekanntes Mitglied
30. Januar 2018
7.060
26.846
49
66
Marci finde ich zunehmend widerlich. Ob er eigentlich noch ganz normal ist? Er ist schon mit dem Geigen im Bordell sehr beansprucht und dann verausgabt er sich auch noch bis zur völligen Erschöpfung mit Sex: Julka, die 'Dame' im Schloss und auch mal ein 'Freudenmädchen'. Immer wieder beschimpft er die Frauen und man hat den Eindruck, dass er sei völlig orientierungslos ist und überhaupt nicht weiß, was er will.
Diese Figur schadet dem Anliegen des Romans.
das innere Zwiegespräch des Abwägens von Garas beim Treffen der Bauern im Dorf,
Hier wird auch deutlich, welche Rolle Sündenböcke in einer Gesellschaft spielen. Den Hass der Unzufriedenen auf Minderheiten lenken, das funktioniert auch heute noch sehr gut.
Wie ich es verstehe, sind wir am Abend des ersten Streiktages seit 700 Jahren.
Hier kommen wir zum Titel. Zum ersten Mal in 700 Jahren verweigern die Bauern ihre Arbeit, setzen sich zur Wehr.
Auch über Marci steht auf S. 488 ein zusammenfassender, sehr treffender Satz: 'Frauen waren für ihn, was Schnaps für den Säufer war.'
Das passt, aber es macht die Figur nicht sympathischer. „ Seine Seele blieb leer, und er suchte in den Körpern der Frauen, was Männer dort immer vergeblich suchen…“
Julka sitzt nun in der Grube - lebendig begraben - bleibt nur zu hoffen, dass Garas oder Marci überleben, um sie dort wieder herauszuholen.
Eine grauenhafte Vorstellung für mich. Das wäre kein Ort, wo ich es aushalten würde.
Nusis Geschichte hat mich überrascht, ihre Unsensibilität Marcis Situation gegenüber ebenfalls. Über sie erhalten wir Einblicke in die Gewerkschaft und damit einen weiteren Baustein im Gesellschaftsportrait der damaligen Zeit.
Szekely greift hier wirklich fast alle Gesellschaftsschichten heraus. Nuss ist zwar die Tochter eines kämpferischen Proletariers, aber sie sucht für sich einen anderen Weg. Den, den eine attraktive junge Frau einschlagen konnte, wenn sie etwas vom Luxus der Oberen abhaben wollte.
Marci und sie passen gut zusammen. Beide sehen in erster Linie sich selbst.

Aber auch hier wieder Szekelys Botschaft. Sorgt dafür, dass alle genug zu essen haben, sorgt für einen gewissen Wohlstand und es braucht keine Ideologien. „ Armut ist leicht entzündlich…“
vor allem die Überlegungen des Grafen,
Auch die Abschnitte gefielen mir gut. Schon die Überlegung, wie subjektiv jegliche Meinung ist, hat mich für den Grafen eingenommen.
„ Der Weg von den Barrikaden in Paris konnte nur in die Ruinen von Stalingrad führen.“ „ Freiheit für die Katze hieß Tod für die Maus.„
Über dieses Kapitel könnte man lange diskutieren. Dabei darf man nicht vergessen, dass es ein alter Aristokrat ist, der hier spricht. Allerdings einer, der weiß, dass seine Zeit vorbei ist.
ch bin hin- und hergerissen zwischen Faszination über die langen Beschreibungen und dann auch wieder Langeweile wegen der Weitschweifigkeit. Ein guter Lektor hätte hier Wunder bewirken können, aber 200 Seiten wären bei mir einer Kürzung garantiert zum Opfer gefallen.
Das geht mir genauso. Wie ich das bei meiner Bewertung berücksichtige, weiß ich noch nicht.
 

otegami

Bekanntes Mitglied
17. Dezember 2021
2.018
7.101
49
71
Das passt, aber es macht die Figur nicht sympathischer. „ Seine Seele blieb leer, und er suchte in den Körpern der Frauen, was Männer dort immer vergeblich suchen…“ (Marci)
Marci erinnert mich an einen Artikel, den ich mal über 'Womanizer' (neudeutsch für Casanova :rofl ) gelesen habe: "Genießen Sie die Zeit, in denen er um Sie wirbt - da läuft er nämlich zu seiner Höchstform auf. So eine Zeit werden Sie nie wieder erleben! Aber machen Sie um Himmels Willen keine Zukunftspläne, die ihn mit betreffen. Er wird Sie genauso schnell abservieren, wie er Ihre Vorgängerinnen abserviert hat", hieß es sinngemäß. (Persönliche Erfahrungen habe ich mit solchen Typen GottseiDank nicht! ;) )
Auch die Abschnitte gefielen mir gut. Schon die Überlegung, wie subjektiv jegliche Meinung ist, hat mich für den Grafen eingenommen.
„ Der Weg von den Barrikaden in Paris konnte nur in die Ruinen von Stalingrad führen.“ „ Freiheit für die Katze hieß Tod für die Maus.„
Über dieses Kapitel könnte man lange diskutieren. Dabei darf man nicht vergessen, dass es ein alter Aristokrat ist, der hier spricht. Allerdings einer, der weiß, dass seine Zeit vorbei ist.
Ich war richtig fasziniert davon! Wann können/konnten wir dieses Gedankengut schon mal in dieser Deutlichkeit lesen?!
 

otegami

Bekanntes Mitglied
17. Dezember 2021
2.018
7.101
49
71
Eine Umwerbung von einem, der Frauen für sein Ego braucht, möchte ich nicht haben.
Ich auch nicht! :p Aber ich bin überzeugt, dass so und so viele Frauen darauf abfahren - besonders die mit einem schwachen Selbstwertgefühl! (Mein Mann liest gerade 'Auf dünnem Eis: die Psychologie des Bösen' von Lydia Benecke. Da geht es um Psychopathen und wie sie Menschen 'einwickeln' können. Uffffff, allein, was er mir davon erzählt, bzw. ich für Abschnitte lese,........ :monocle Ja, an Marci denke ich da auch öfters! ;) )
 

Lesehorizont

Bekanntes Mitglied
29. März 2022
2.698
10.255
49
53
Mainz
So langsam aber sicher beginnt mich das Buch zu langweilen. Ich habe das Gefühl, alles ist schon einmal beschrieben worden und wird nun nochmal aufgegriffen. Die Liebesdreiecksgeschichte, die sexuellen Gelüste von Garas etc, etc. ich weiß es jetzt wirklich und muss nicht nochmal ein ganzes Kapitel damit beschäftigt werden. Dem Roman fehlt zum Ende hin Fokus und Struktur. Schade! Weniger wäre mehr gewesen!
Wirklich gelangweilt habe ich mich im Buch nie. Allerdings hätte Manches durchaus gestrafft werden können, da gebe ich Euch Recht.
 
  • Stimme zu
Reaktionen: Barbara62 und RuLeka

Lesehorizont

Bekanntes Mitglied
29. März 2022
2.698
10.255
49
53
Mainz
Volle Zustimmung. Wenn ein Mann eine Frau als "appetitlich" bezeichnet, möchte ich das Buch am liebsten in die Ecke werfen. Aber zum Glück sind die meisten Kapitel anders und ich finde das Buch inzwischen - trotz der Langatmigkeit - sehr spannend. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Faszination über die langen Beschreibungen und dann auch wieder Langeweile wegen der Weitschweifigkeit. Ein guter Lektor hätte hier Wunder bewirken können, aber 200 Seiten wären bei mir einer Kürzung garantiert zum Opfer gefallen.
Das verstehe ich. Wer von uns Frauen wird schon gerne auf ein "Lustobjekt" reduziert?
Ich mag Székelys Schreibstil und auch den Roman sehr gerne - trotz mancher Längen. Vielleicht hat er den Roman bewusst nicht veröffentlicht und war sich dessen bewusst. Wer weiß das schon...
„ Armut ist leicht entzündlich…“
So wahr! In "Verlockung" kam das auch sehr eindrücklich rüber.
 

Lesehorizont

Bekanntes Mitglied
29. März 2022
2.698
10.255
49
53
Mainz
Ich habe das Buch bereits vor ein ppar Tagen beendet und da ich unterwegs war, die Abschnitte 7 und 8 hintereinander weg gelesen. Zu Abschnitt 7 wurde hier schon das Wichtigste gesagt; hier sah ich auch noch mal Längen. Aber manche Szenen waren schon sehr eindrücklich, die von Julka in der Grube etwa. Auch Erwägungen des Grafen fand ich durchaus interessant und ansprechend.
 

luisa_loves-literature

Aktives Mitglied
9. Januar 2022
871
3.485
44
aber die Gespräche finde ich sehr langatmig geschildert und irgendwie verpufft alles.
Für mich auch ein zunehmendes Problem. Seltsamerweise lese ich den Roman dennoch gern.
Ich habe das Gefühl, alles ist schon einmal beschrieben worden und wird nun nochmal aufgegriffen.
Das geht mir auch so. Die Geschichte von Adel und dem Maski und dem Grafen - die kannte ich schon. Da scheint es mir so, als ob der Autor seine eigene Storyline nicht im Griff hat.
die Geschichte von 'Nusi' (oder sollen wir sagen 'Aufstieg'?), der Frau des stellvertretenden Ministers,
Ja, für mich auch der beste Part.
Szekely greift hier wirklich fast alle Gesellschaftsschichten heraus.
Und er fängt sie trotz der sehr starken stereo- und idealtypischen Zeichnung recht gut ein. Wobei es mir gerade beim Grafen schon sehr klischeehaft vorkam: der Adel ist so und so und das lebt der Graf mit seiner Ehre bis zum letzten Atemzug.
Freiheit für die Katze hieß Tod für die Maus.
Sehr präziser und zutreffender Satz. Ich habe mir dazu passend gerade in der Verfilmung von Margaret Atwoods "The Handmaid's Tale" gemerkt: "Better never means better for everyone...It always means worse, for some." Das ist wohl so.
Wer von uns Frauen wird schon gerne auf ein "Lustobjekt" reduziert?
Alles richtig zu Marci, aber er "prostituiert" sich meiner Meinung nach auch. Sex ist sein Betäubungsmittel, es verhindert, dass er denken muss/kann - angesichts seiner Lage in den Zeiten kann ich ihm das nicht verdenken. Und sich der älteren Frau des Ministers anzudienen, ihr zu Diensten zu stehen - auch, wenn es ihm vielleicht nicht schwerfällt - ist für mich auch eine Form der Prostitution, des Ausgenutztwerdens und seines Ansinnens, seine verfahrene Situation zu verbessern.
 

luisa_loves-literature

Aktives Mitglied
9. Januar 2022
871
3.485
44
Für mich war die ausführliche Lebensgeschichte von Nusi hier der reizvolle Teil. Besonders ihre politischen und ideologischen Einsichten haben mich fasziniert - ich kann mir allerdings nicht helfen: es erscheint mir so, als würde Székely ihr seine Ansichten in den Mund legen, den ganz authentisch zu ihrer Figur passend habe ich es nicht empfunden.
Ich kämpfe auch mit den Längen, manchmal schaltet man doch ab und muss dann wieder eine halbe Seite zurück, um alles mitzubekommen, dass sich dann doch auch als überflüssig entpuppt. Aber nach wie vor, aus mir sich nicht zu erschliessenden Gründen, lese ich mit Interesse - auch wenn ich nicht sicher bin, ob der Roman gut über die Ziellinie gebracht werden wird.