6. Leseabschnitt: Fünftes Buch - Die tote Hand (S. 571 - 706)

renee

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9. Februar 2019
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An Brookes Kandidatur und der Parlamentsreform habe ich ein wenig zu knapsen. Hier hat mich die Lesemotivation dann doch verlassen, da ich's wieder ein wenig langatmig finde.
Dieses politische Thema hier lässt mich leider ebenso unberührt, mich interessieren eher die Konstellationen der Menschen zueinander. Obwohl das Politische ja auch dazu gehört, da es ja auch überall hineingreift. Gefallen hat mir, dass Brooke seinen Irrweg einsieht und die Reißleine zieht. Interessant wird jetzt was Will unternehmen wird.
 

renee

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9. Februar 2019
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10. Das letzte Kapitel fällt erneut etwas aus der Handlung der Liebesbeziehungen heraus. Es geht erneut um Stone Court und den Brief, den der Stiefvater Joshua Riggs - Mr. Raffle- zufällig mitgenommen hat. Es stellt sich heraus, dass er Mr. Bulstrode, der jetzt Besitzer von Stone Court ist, kennt, er ihn aufgrund des Briefes ausfindig gemacht hat und ihn nun mit einem dunklen Fleck in seiner Vergangenheit konfrontiert. Offenkundig hat er eine reiche ältere Dame geehelicht, die dann verstorben ist und die eine Tochter hatte - Sarah Ladislaw. Das ist eine echte Überraschung - ist sie Wills Mutter. Da scheint noch einiges an Verwicklungen auf uns zuzukommen.
Hier kommt wieder der Brief zur Sprache, der von Raffle bei Riggs aufgehoben wurde. Raffle besucht Bulstrode, den jetzigen Besitzer von Stone Court und den Strippenzieher von Middlemarch und konfrontiert ihn mit seiner dunklen Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die sich wie auf Bulstrode auswirken wird??? Überrascht hat mich, dass Bulstrode und Will dann wahrscheinlich Verwandte sind. Mal sehen was dies wieder für Auswirkungen haben wird.
Gefallen hat mir auch hier der etwas zynische Blick auf das gänzlich von Featherstone unbeabsichtigte Geschehen und wie die überlebende Verwandtschaft der Featherstones jetzt lacht. Stone Court gelangt in den Besitz eines Nicht-Featherstone, der alte Featherstone wird sich sicher im Grabe umdrehen. :rolleyes:
 

renee

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9. Februar 2019
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Schön und versöhnlich stimmend fand ich ebenfalls, das Lydgate seinen "Fehler" für Tyke zu stimmen, wieder gut macht, indem er Farebother ins Gespräch bei Verteilen der Pfründe Dodos bringt. Außergewöhnlich und richtig finde ich, dass er Farebothers Vorliebe für um Geld spielen ins Spiel bringt, hätte er bei Dodo damit ja auch auf Ablehnung stoßen können, aber gut gemacht, finde ich!
Ich gönne den Farebrothers auch sehr die Veränderung ihrer Lebensumstände. Wenn jetzt vielleicht noch einige Heiratspläne umgesetzt werden könnten, wird es sicher noch besser. Es ist nur die Frage wen sich Farebrother jetzt auswählen wird, nachdem er weiß, dass Mary es nicht sein wird/sein kann.
 

renee

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Mir fällt gerade noch ein Gesichtspunkt ein: der gute Mr Garth, den wir mit seiner Gesinnung und seinem Fleiß so sehr schätzen, hat ja auch seine Fehler. Zu Anfang wurde gesagt, dass er wenig Geschäftssinn besäße, dass er die Preise für seine Dienste/Waren zu niedrig kalkuliere. Das ist schließlich auch eine Art Leichtsinn, die da in ihm steckt und die die Familie auch schon materiell spüren musste...
Seine Frau ist da wesentlich tougher unterwegs, weiß aber auch, wo ihre Grenzen liegen. (Schade eigentlich: wenn Sie hätte "das Büro" übernehmen dürfen, wäre der Betrieb Garth bestimmt ein sehr erfolgreicher gewesen...)

Auf alle Fälle wird diese Schwäche von Mr Garth Verständnis für die Schwächen des jungen Fred zur Folge haben.
(Denn nur, wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein ;))
Genau, das sehe ich genau so. Fehlerlos ist wohl niemand. ;)
 
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3. Wir erfahren von den Vorbehalten gegenüber Lydgate, wie es ihm einerseits gelingt, sich als Arzt zu etablieren, andererseits wird er jedoch auch Opfer von Verleumdungen. Dass Mr. Bulstrode ihn unterstützt, entzieht ihm von anderer Seite Sympathie. Zumindest Dorothea ist gewillt sein Krankenhaus finanziell zu unterstützen.
Dieser Teil ist so menschlich, Neues wird abgelehnt, noch dazu wenn derjenige mit seinem Neuen/ den neuen medizinischen Behandlungen Erfolg hat und damit zur Konkurrenz wird. Zumindest kann man dies aus der Sicht der Kollegen so sehen, warum die Patienten Lydgate genauso ablehnen, erschließt sich hier nicht so schnell, vielleicht aus einer Art Routine heraus. Ebenso wichtig sind hier auch die Verbindungen Lydgates und damit greift politisches Geschehen auch in andere Lebensbereiche, denn die Verbindung Lydgates zu Bulstrode steht unter keinem guten Stern, ich bin gespannt ob das auch Folgen für Dorothea haben wird.
 

renee

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1. Dorothea trifft zum ersten Mal bewusst auf Rosamond und ist erstaunt, Will bei ihr zu finden. Beide haben gemeinsam musiziert und diese Begegnung löst bei Will schlimmste Befürchtungen aus:
" Ein Mann mit gröberen Sinnen hätte nicht so wie er gespürt, dass zum ersten Mal in Dorothea das Gefühl geweckt worden war, ein vollkommen freier Umgang mit ihm sei ungebührlich, und dass ihr Schweigen, als er sie zum Wagen begleitete, etwas Frostiges an sich hatte." (578)
Interessant fand ich hier vor allem wie Rosamond Dorothea und Will wahrnimmt, dass wirkt für mich so, als hätte auch Rosamond gewisse Veränderungen hinter sich. Denn dem etwas auf sich bezogenen Mädchen hätte ich solche Betrachtungen gar nicht zugetraut.
 

renee

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Erst Celia klärt Dorothea letztlich auf:
"Nun, er hat seinem Testament ein Kodizill angehängt, nach dem du den ganzen Besitz verliersen sollst, wenn du heiraten solltest - ich meine - (...) Nur, wenn du Will Ladislaw heiratest, keinen anderen" (651)
Das Celia Dorothea schließlich aufklärt fand ich wunderbar! Ich hab mich beim Lesen mit dem Gedanken getragen "Nun sagt es ihr doch endlich!" Alle wissen Bescheid, nur diejenige um die es geht nicht. Das finde ich schrecklich! Aber dies soll kein Vorwurf den Männern gegenüber sein, die hatten schließlich nur Angst vor Dorotheas Reaktion. Auch irgendwie verständlich, aber nicht missverstehen, ich finde dieses Verhalten von James und Brooke nicht gut, ich kann es nur verstehen. Huuuh, die Hysterie. :rolleyes::confused::eek: Etwas, was auch heute noch bei Manchem zu finden ist. :confused:o_O
 

renee

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Will scheint als Redakteur der Brook'schen Zeitung seine Berufung gefunden zu haben. Er organisiert den Wahlkampf, scheitert aber am Dilettantismus seines Arbeitgebers.
Will geht in dem Job regelrecht auf. Ich bin gespannt was er jetzt machen wird. Bei dem Thema unterscheiden sich Will und Fred, die ja sonst recht ähnlich rüberkommen, Fred muss seinen Platz erst noch finden und tut sich etwas schwer darin, bei Will geht das schneller, vielleicht auch aufgrund bisheriger Erfahrungen. Wills bisheriges Leben scheint ja nicht so behütet gewesen zu sein. Fred wurde dagegen immer aufgefangen und weiß das auch.
 

nineLE

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Interessant fand ich hier vor allem wie Rosamond Dorothea und Will wahrnimmt, dass wirkt für mich so, als hätte auch Rosamond gewisse Veränderungen hinter sich. Denn dem etwas auf sich bezogenen Mädchen hätte ich solche Betrachtungen gar nicht zugetraut.
Ich verstand es so, dass sie es nur deshalb so wahrnimmt, eben WEIL sie weiterhin ausschließlich im Mittelpunkt stehen will und das sie Dodo vielleicht durch die "Ablenkung" als Konkurrenz wahrnimmt und das gefährdet sieht?
 
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Ich glaube Casaubon hätte auch nichts gehabt, was er Dorothea hätte sagen wollen. Bis auf seine Eifersucht Will gegenüber habe ich wenig Gefühlsleben bei Casaubon herauslesen können. Er war ein vertrockneter Mann, dies ist zwar sehr schade für ihn, aber er hat ja einiges dafür getan so zu werden.

und gerade das glaube ich der Autorin nicht. Schließlich hat der Mann einige nette Nächte mit seiner jungen Ehefrau erlebt. Also war da schon was. Es ist nicht nachvollziehbar, dass da gar nichts ist.
 
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Wir kommst du darauf? Habe ich eine Andeutung überlesen? Ich mutmaßte schon, dass.die Ehe nicht vollzogen wurde, wie es so schön heißt....

Das finde ich jetzt nimmer. Es stand da irgendwo im Ehekapitel - Rom? Dass er seinen Pflichten nachgekommen wäre ... ein wenig verklausuliert. Warum sollte er nicht? Dann hätte er nicht geheiratet. Einmal ziehen sie auch Hand in Hand ins Schlafgemach.
 

Literaturhexle

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Das finde ich jetzt nimmer. Es stand da irgendwo im Ehekapitel - Rom? Dass er seinen Pflichten nachgekommen wäre ... ein wenig verklausuliert. Warum sollte er nicht? Dann hätte er nicht geheiratet. Einmal ziehen sie auch Hand in Hand ins Schlafgemach.
Stimmt! Aber "seine Pflichten erledigen" klingt nicht besonders liebevoll...
Aber klar: das ist der Zeit geschuldet.
 
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und gerade das glaube ich der Autorin nicht. Schließlich hat der Mann einige nette Nächte mit seiner jungen Ehefrau erlebt. Also war da schon was. Es ist nicht nachvollziehbar, dass da gar nichts ist.
Aber einige nette Nächte bedeuten nicht gleich tiefe Gefühle und was machen Menschen manchmal um Sex zu bekommen? bzw. Wie nett können manche Menschen plötzlich sein, die eigentlich so gar nichts nettes haben? :eek::rolleyes:
 
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renee

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Das finde ich jetzt nimmer. Es stand da irgendwo im Ehekapitel - Rom? Dass er seinen Pflichten nachgekommen wäre ... ein wenig verklausuliert. Warum sollte er nicht? Dann hätte er nicht geheiratet. Einmal ziehen sie auch Hand in Hand ins Schlafgemach.
Andererseits kann es natürlich ebenso sein, dass Casaubon sich ebenso verändert hat, seine Eifersucht ihn verändert hat/ihn paranoid gemacht hat. Und stand nicht irgendwo auch, dass ein Grund für die Heirat Casaubons die Hilfe in seiner Bibliothek war. Ich weiß, das klingt eigenwillig. Aber er erscheint doch auch eigenwillig, heute würde man glaube ich Nerd sagen. Älterer Nerd, aber Nerd. :);)
 

Wandablue

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Andererseits kann es natürlich ebenso sein, dass Casaubon sich ebenso verändert hat, seine Eifersucht ihn verändert hat/ihn paranoid gemacht hat. Und stand nicht irgendwo auch, dass ein Grund für die Heirat Casaubons die Hilfe in seiner Bibliothek war. Ich weiß, das klingt eigenwillig. Aber er erscheint doch auch eigenwillig, heute würde man glaube ich Nerd sagen. Älterer Nerd, aber Nerd. :);)

Klar, er wollte jemanden, gerne jung und hübsch aussehend, der sich mit seiner Zettelwirtschaft befasste - vor allem aber jemanden, der ihn für seine "gekritzelten Geistesblitze" grenzenlos bewundert. Niemals aber jemand, der ihm kritische Fragen stellt ... das wird seine Zuneigung abgekühlt haben.

So weit im Buch. Casaubon ist auch nicht ganz gelungen als Figur, meine ich. Es gibt niemanden, absolut niemanden, der sich für gar nichts interessiert, wie man bei C. meinen könnte.
 

MRO1975

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11. August 2018
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Stimmt! Aber "seine Pflichten erledigen" klingt nicht besonders liebevoll...
Aber klar: das ist der Zeit geschuldet.
Ich hatte auch den Eindruck, dass die Ehe vollzogen wurde. Allerdings nicht, weil die beiden sich gern gehabt hätte, sondern weil das zu den ehelichen Pflichten dazugehört. Und im Pflichtenerfüllen waren Casaubon und Dorothea Weltmeister.

Kleine Anekdote am Rande: Robert Schumann hat in seinem Haushaltsbuch täglich mit einem „V“ vermerkt, wenn er mit Clara Sex hatte. Zu wenige Vs waren nicht akzeptabel. Trotz Liebe wurde hier strenge Buchhaltung geführt. ;)
 

milkysilvermoon

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13. Oktober 2017
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Diesen Leseabschnitt fand ich wieder deutlich langatmiger. Es war ganz gut, dass ich am Wochenende viel Zeit hatte und so vieles in einem Rutsch lesen könnte, sonst hätte ich dafür vermutlich länger gebraucht.

Begeistert bin ich nach wie vor von der Vielschichtigkeit der handelnden Personen: Wir lernen sie immer genauer kennen. Ergab sich zu Beginn des Romans jeweils nur ein grober Rahmen, so kommt nun nach und nach das Bild dazu.

So empfinde ich das auch. Und das gefällt mir richtig gut. Man bekommt von vielen Personen ein sehr genaues Bild. Ich glaube aber auch, dass man hätte ein paar Ausführungen etwas kürzen können.

Sehr hilfreich hätte ich zudem eine (ausführliche) Personenliste gefunden.

Den Gedanken hatte ich auch schon mehrmals. Mir würde eine Auflistung mit den Namen und ein paar Stichworte zu den jeweiligen Verbindungen reichen. Solche Personenverzeichnisse waren damals aber wohl noch nicht üblich. ;-)