6. Leseabschnitt: 2. Buch / Kapitel 2 (S. 289 bis S. 338)

Xirxe

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Eric ist kaum zu zurück in New York und gleich konfrontiert mit den Problemen der Anderen, die seine Unsicherheit, Verlassenheit und Ängste auch nicht gerade verringern. Ach menno, wieso muss das immer so kompliziert sein ....
Dieses tiefe Misstrauen der Schwarzen gegenüber den Weißen scheint ein immanenter Bestandteil des eigenen Selbst zu sein, so wie ich Ida betrachte. Ich glaube schon, dass sie Vivaldo liebt, aber irgendwo ist da noch kein 100%iges Vertrauen und andersherum ist es nicht viel besser.
Am unkompliziertesten finde ich Ellis; er erkennt Vieles auf einen Blick und spricht es direkt aus, ohne allzu viel Theater darum zu machen. Macht das seine Unabhängigkeit, sein Erfolg?
Beeindruckt bin ich von Baldwins Analyse der Menschen, sowohl der Männer und Frauen. Dass er sich mit Männern auskennt, ok. Aber woher nimmt er dieses Wissen über die Frauen, wie sie fühlen?
 

kingofmusic

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30. Oktober 2018
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Beim lesen wähnte ich mich konsequent in diesem Club in New York - so intensiv war die Szene, in der Ida auf die Bühne geht und singt. Die Playlist ist auch um einige Titel gewachsen :D . Es macht richtig Spaß, sie mit Leben zu füllen ha ha ha. Ansonsten gebe ich @Xirxe völlig Recht, was die Analyse Baldwin's bezüglich Männer und Frauen betrifft. Habt ihr auch einen Schauer auf der Haut bekommen, als Eric am Ende des Kapitels denkt
Noch nicht, nicht du. Noch nicht. Noch nicht.
Ich habe irgendwie ein ungutes Gefühl...
 

kingofmusic

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30. Oktober 2018
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Noch ein bemerkenswerter Absatz findet sich auf S. 330, als sich Ida irritiert zeigt, wie Vivaldo so herablassend reden kann. Sie fragt sich zu Recht
Ich werde Weiße nie verstehen, nie, nie, nie! Wie könnt ihr so reden? Wie könnt ihr von irgendjemandem erwarten, dass er euch respektiert, wenn ihr euch selbst nicht respektiert?
 

Anjuta

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Eric kommt in NY an und sucht gleich seine alten Freunde auf. Er trifft auf sie in einer Situation, in der Ida gerade ihren ersten Clubauftritt hat und großen Eindruck macht. Sie ist mit Vivaldo zusammen. Die Beziehung, wie sie sich uns im vorherigen Kapitel vor Augen geführt wurde, hat sich weiter entwickelt. Nicht in eine schlechte Richtung. Immer und immer aber steht da etwas zwischen den Beziehungen der verschiedenen Paare/Freunde: die Hautfarbe. Das lässt sich einfach nicht ausblenden.
Ich werde Weiße nie verstehen, nie, nie nie! Wie könnt ihr so reden? .... Zum Kotzen, ach, was lass ich mich auch mit einer Schwarzen ein, die sich für was besseres hält? Und ich bin nicht die Weißen.
Über Rufus direkt erfahren wir wieder sehr wenig. Das Buch verlangt von uns wohl, sich aus seinem Umfeld den Menschen mit seinem Schicksal, das ihn in den Tod getrieben hat, zu erschließen.
Ich bin gerne auf dieser suchenden Lesereise und erwartungsvoll, was noch kommt.
 
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Renie

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Eric ist mein Mann. Von allen Charakteren, die mir bisher in diesem Roman begegnet sind, ist er derjenige, der auf mich den ausgeglichensten Eindruck macht und sein Leben im Griff hat. Zumindest versucht er es.
Bei Cass und Richard zeichnen sich Eheprobleme ab. Sie machen sich auch nicht mehr die Mühe, ihre Auseinandersetzungen für sich zu behalten.
Idas Erfolg in dem Club lässt sie zur Konkurrenz für Vivaldo werden. Er bringt als Schriftsteller nichts zustande und Ida zieht auf der Erfolgsleiter an ihm vorbei. Ein übler Schlag für sein Ego, den er auch nicht gut wegstecken kann. Stattdessen konzentriert er sich auf seine Eifersucht. Es würde mich nicht wundern, wenn er Ida irgendwann auch vermöbelt. Wobei sie sich bei ihrem Temperament und Selbstbewusstsein wehren würde - gut so.
Wusste Ida eigentlich von der Beziehung zwischen Eric und Rufus?
 

Sassenach123

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Mich hat in diesem Abschnitt wieder gewundert wie unterschiedlich die Personen Rufus sehen. Als Ida ihren Bruder beschreibt, konnte man fast greifen, dass Eric erstaunt ist, wie sie ihn und die Definition von Liebe erklärt.
Die Prügelei der Jungen schürt die altbekannten Probleme. Wenn Cass und Richard bisher auch kein Problem mit Schwarzen hatten, wird sich dies nun unter Umständen ändern.
Dieser Abschnitt ging für mich sehr in die Tiefe
 

Sassenach123

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Wusste Ida eigentlich von der Beziehung zwischen Eric und Rufus?
Ich denke nicht. Wenn dann weiß sie nur wenig, denn bei dem Gespräch zwischen den beiden schien es mir so, als wenn sie von den Problemen nichts wusste. Andererseits scheint Ida eh ein verklärtes Bild zu haben, denn ich habe es auch nicht so empfunden, dass die Frau aus dem Süden Rufus geschadet hat, es war wohl eher umgekehrt. Entweder Ida hat falsche Informationen, oder, und das denke ich, sie idealisiert Rufus.
 

Xirxe

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19. Februar 2017
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Wusste Ida eigentlich von der Beziehung zwischen Eric und Rufus?
Nein, kann ich mir nicht vorstellen. Denn Homosexualität war für Rufus etwas so Ungeheuerliches - er hat es vor sich selber ja immer schlecht geredet, obwohl ihm genau bewusst war, dass er die Zeit mit Eric (gegen seinen Willen) genossen hat.
Mich hat in diesem Abschnitt wieder gewundert wie unterschiedlich die Personen Rufus sehen.
Ja, jeder sieht in Rufus das, was er und sie sehen möchte. Ida den geliebten Bruder, der Weiße so verabscheut wie sie. Vivaldo den besten geliebten Freund, Eric den Geliebten, die Weißen den begnadeten Schlagzeuger - all diesen Ansprüchen gerecht werden zu wollen, ist praktisch unmöglich.
und das denke ich, sie idealisiert Rufus.
Sie ist halt immer noch die kleine Schwester, die bewundernd zu ihrem großen Bruder aufschaut. Und er hat wohl auch immer Alles dafür getan, damit es so ist.
 

Circlestones Books Blog

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Wusste Ida eigentlich von der Beziehung zwischen Eric und Rufus?
Wie ich es lese, wusste sie zwar, dass sie enge Freunde waren, aber ich bin auch nicht sicher ob sie wusste, dass die beiden tatsächlich eine Beziehung hatten. In Paris hat er es wohl geschafft, er selbst und erwachsen zu sein, während die Beziehung mit Rufus auch für Eric erniedrigend und hoffnungslos war. Interessant, dass sich der Autor aus Zeit nimmt, abgesehen von seinen Hauptfiguren mit den Konflikten durch ihre Hautfarbe, Beziehungsprobleme oder sexuelle Orientierung, auch die Lebensweise der Menschen in New York sehr gut zu beobachten und zu beschreiben, die Gesichter der Menschen auf der Straße, das intensive Gespräch zwischen Vivaldo und Cass. Vivaldo und seine ungezügelte Eifersucht, ihm fehlt das Vertrauen zu Ida und da sind manche Szenen wirklich dramatisch und ähnlich, nur mit umgekehrter Hautfarbe, hat sich wohl auch Rufus verhalten.
 

Sassenach123

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Vivaldo und seine ungezügelte Eifersucht, ihm fehlt das Vertrauen zu Ida und da sind manche Szenen wirklich dramatisch und ähnlich, nur mit umgekehrter Hautfarbe, hat sich wohl auch Rufus verhalten.
Da sieht man schön, dass die Eifersucht keinen Unterschied macht bei den Hautfarben. Schade, dass diesem Umstand immer noch so viel Wert beigemessen wird.
Meine Tochter hat eine Freundin die schwarz ist. Ich dachte bisher immer, dass sie hier in unserem kleinen Städtchen keine Probleme mit diesen Vorurteilen hat. Als ich mit meiner Tochter nun über den Roman sprach, erzählte sie mir, dass sie oft dumme Kommentare einstecken muss, und dass die Leichtfertigkeit, mit der sie das kompensiert nur Selbstschutz ist.
 

ulrikerabe

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Ich glaube, dass Baldwin selbst in seiner eigenen Community Außenseiter war, weil er bi/homosexuell war, weil er weiße Freunde hatte, weil er keine Mitglied der Black Panthers war, keiner religiösen Gruppierung angehört hat (weder christlich noch islamisch). Was nicht ausschließt, dass er mmn ein enormer Chauvinist war.
 

Literaturhexle

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Er bringt als Schriftsteller nichts zustande und Ida zieht auf der Erfolgsleiter an ihm vorbei. Ein übler Schlag für sein Ego, den er auch nicht gut wegstecken kann.
Genau so interpretiere ich es auch. Vivaldo nervt mit seiner krankhaften Eifersucht! Er würde Ida so gern dominieren, aber das lässt sie nicht zu. Der Typ nervt mich. Auch wie er Eric nach Hause schickt, nur weil er mit Idas Erfolg nicht klar kommt und eine Aussprache braucht.
Nur weil er selbst nichts auf die Reihe bringt, wird er missgönnig. Bäh!

Entweder Ida hat falsche Informationen, oder, und das denke ich, sie idealisiert Rufus.
Wahrscheinlich beides. Sie hatte ein enges Verhältnis zu ihrem Bruder und jede Geschichte hat mindestens zwei Seiten. Sie wird die ihres Bruders kennen...
Dass sie ihn idealisiert, merkt man ja auch an ihren Ausführungen, dass Rufus zu gut für diese Welt war. Das können wir bislang kaum bestätigen. Sein Verhalten seiner Freundin gegenüber war gewalttätig und übergriffig. Allerdings ist Rufus tot und wird auch dadurch verklärt.
 

Literaturhexle

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Der Rassismus ist sehr präsent in diesem Abschnitt. Das fängt schon an mit der "Rauferei" der Kinder, die offenbar grundlos von Schwarzen angegriffen wurden. Ida vermutet einen Rachefeldzug gegen unbekannt.
Auch Vivaldo und Ida haben Meinungsverschiedenheiten. Sie mag seine vulgäre Sprache nicht, er findet eine Schwarze, die sich für was Besseres hält, zum Kotzen. Es mag sein, dass diese Leute so sprechen, manches nervt. Auch die pathetischen Worte für große Gefühle sind mir teilweise zu gewichtig:
und dieses furchbare Gefühl war persönlich, unergründlich, unaussprechlich und buchstäblich mit etwas anderem verbunden - es verwandelte und zerstörte, schenkte Leben und tötete. 321
Meine Herren, geht es nicht eine Nummer kleiner?

Eric hat noch niemandem etwas von Yves erzählt. Gab es noch keine rechte Gelegenheit oder will er Yves erst einmal für sich behalten? Ich hoffe nicht, dass er seine Liebe verschweigt, um wieder alles Chancen zu haben.
 

Xirxe

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Gab es noch keine rechte Gelegenheit oder will er Yves erst einmal für sich behalten?
Ich denke, von Beidem ein bisschen, aber ohne den Hintergedanken, sich alle Chancen offen zu halten. Er hat Angst um diese Liebe, fürchtet, dass sie Anforderungen in New York vielleicht nicht stand hält - manchmal redet man doch einfach nicht von Dingen, solange sie nicht hieb- und stichfest sind. Denn im letzten Moment könnte es doch noch schiefgehen.
 
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Renie

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Eric hat noch niemandem etwas von Yves erzählt. Gab es noch keine rechte Gelegenheit oder will er Yves erst einmal für sich behalten? Ich hoffe nicht, dass er seine Liebe verschweigt, um wieder alles Chancen zu haben.
Man muss ja nicht jedem gleich alles auf die Nase binden. Ich habe herausgelesen, dass Eric durch seine lange Abwesenheit den Draht zu seinen alten Bekannten verloren hat, so dass er ihnen anfangs auch nicht alles erzählen wird. Das ist für mich nachvollziehbar.
 
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