5. Leseabschnitt: Buch III, Kapitel I und II (Seite 335 bis 388)

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Du meine Güte, das ist bei mir wirklich ein Auf und Ab der Gefühle. Liegt es an mir oder am Buch? Jedenfalls fand ich diesen Abschnitt wieder recht langweilig und teilweise sogar belanglos.

Ich hatte das Gefühl, als würde Miqui Otero hier auf Teufel komm raus die Rolle des "Chronisten" Barcelonas erfüllen wollen, der er laut Klappentext ja sein soll. Politische Themen wie der Terroranschlag auf den Ramblas und das Referendum vom 1. Oktober wirken seltsam deplatziert. Zum Referendum äußert er sich äußert schwammig. Nun gut, er will sich wohl mit keiner Seite anlegen. Schon 2017 äußerte er sich in der spanischen Presse ähnlich vage. Dann hätte man es vielleicht auch ganz weglassen können.

Auch den Aufbau fand ich misslungen. Wie aus dem Nichts erzählt er die Geschichte des Vaters und Onkels von Simón. Das hätte ich mir ehrlich gesagt am Anfang gewünscht, um ein besseres Gespür für die Figuren zu bekommen.

Rico zeigt sich äußerst selbstmitleidig, dabei ist er im Grunde selbst schuld an seinem verkorksten Leben. Ein gemeinsames Projekt mit Estela und ihm scheint mir zum Scheitern verurteilt.

Den Mopedunfall während des Anschlags fand ich zu albern, auch die anschließenden Szenen mit Rico im Rollstuhl waren mir nicht ernsthaft genug.

Gut gefallen hat mir auf S. 365 die Anspielung auf die eigenen gelungenen Kapitelenden.

Onas Stadtführung fand ich elendig lang, hier verliert sich der Roman total. Oder ist das auch die Chronistenpflicht?
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Jetzt hat mich der Roman am Haken behalten!

Erneut sind 7 Jahre vergangen. Simon ist sozial abgestiegen, er hat nicht wieder als Koch irgendwo Fuß fassen können. Mitschuld trägt daran die allgemeine Wirtschaftskrise, in deren Folge die mittleren Restaurants Probleme hatten. Simon arbeitet am Ende der gesellschaftlichen Hierarchie als fahrender Lieferant - zum Hungerlohn. Seine Ängste sind sehr existentiell.Krass! Sozialkritik taucht in diesem LA immer wieder auf: die Kluft zwischen Arm und Reich, die Ungerechtigkeit ererbten Vermögens uvm.

Er hat die Hoffnung auf sein Ladenlokal noch nicht aufgegeben, auch wenn es offensichtlich ist, dass Beth ihm aus dem Weg geht. Aktuelle Ereignisse werden in den Roman gekonnt eingeflochten. Es werden die Gefühle deutlich, die in einer Stadt herrschen, die einem willkürlichen Attentat zum Opfer fiel - jeden hätte es treffen können, auch Simon!

Rico hat eine Anämie. Es scheint etwas Ernstes zu sein, er passt auf, dass die Familie nicht mit den Ärzten zum Reden kommt.

Ein weiterer aktueller Twist ist ein Referendum zur Loslösung Kataloniens am 1. Okt. 2017. An dem Tag fängt Simons Moped Feuer und er entgeht wieder knapp dem Tod, was dazu führt, dass er den Kontakt zu einigen alten Freunden wieder sucht. Die Szenen, in denen Ona den Touristen das koloniale Barcelona zeigt, haben mir gut gefallen. Sie ist mittlerweile mindestens verlobt und hat kein Interesse mehr an Simon.

Beth ist Mutter geworden, angeblich ist Rico der Kindsvater. Beth ist eine tragische Figur. Sie wirkt versumpft, nimmt Drogen. Das Kind hält sich indessen bei ihrer Mutter auf. Trostlos wirkt das auf mich. Diese Dialoge vor ernstem Hintergrund gefallen mir. Sie sind sehr atmosphärisch gestaltet. Überhaupt kann ich mit den ernsten Passagen in der zweiten Buchhälfte viel besser umgehen.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Jedenfalls fand ich diesen Abschnitt wieder recht langweilig und teilweise sogar belanglos.
Ich gar nicht!

Ich hatte das Gefühl, als würde Miqui Otero hier auf Teufel komm raus die Rolle des "Chronisten" Barcelonas erfüllen wollen
Komisch, ich empfand gerade diesen Teil sehr interessant. Die Interaktion zwischen Ona, Simon und den Touristen wirkt sehr authentisch auf mich. Das Referendum gibt den richtigen Hintergrund zum abfackelnden Moped, weil die Umstehenden Simon dadurch für einen der Aktivisten halten. So schnell kann man in Verdacht geraten!

Wie aus dem Nichts erzählt er die Geschichte des Vaters und Onkels von Simón.
Es zeigt, dass die intensive Nähe während der Baraja-Zeit nur erzwungen war. Seitdem die Kneipe verkauft ist, hat man keinen Kontakt mehr zueinander. Die Brüder sind sehr unterschiedlich. Es wird klarer, warum Rico damals abgehauen ist und zeigt die Risse, die durch die Familie gehen, aber angesichts der Not in den Hintergrund treten. Familie eben.

Also diesen Abschnitt habe ich als sehr intensiv und menschlich wahrgenommen:)!
 

Christian1977

Bekanntes Mitglied
8. Oktober 2021
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Das Referendum gibt den richtigen Hintergrund zum abfackelnden Moped, weil die Umstehenden Simon dadurch für einen der Aktivisten halten. So schnell kann man in Verdacht geraten!
Das muss ich korrigieren, weil es sich hier um zwei verschiedene Ereignisse handelt, die für die Geschichte Simóns nicht so entscheidend sind, aber für Barcelona schon. Das Moped brennt am 11. September, dem katalanischen Nationalfeiertag, der jedes Jahr von friedlichen Demonstrationen geprägt ist. Ich selbst war schon dreimal anwesend, es ist immer ein riesiges Fest. Dass das Moped in Flammen aufgeht, ist wohl eher ein kleiner literarischer Seitenhieb von Miqui Otero. Nach dem Motto: Endlich passiert mal was.

Den Tag des Referendums, den 1. Oktober, einen Tag voller Gewalt, sieht Simón fast nur in der Wohnung von Beth im Fernsehen, während um ihn herum nur Drogenabhängige rumlumgern. Das fand ich nicht gut umgesetzt.

Interessant ist aber, dass der Roman für dich offenbar auch ein Auf und Ab ist - nur an unterschiedlichen Stellen als bei mir. ;)
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Das Moped brennt am 11. September, dem katalanischen Nationalfeiertag,
Danke für die Richtigstellung! Das es um zwei Ereignisse ging, ist mir abhanden gekommen.

Das fand ich nicht gut umgesetzt.
Ist es dann wohl auch nicht.
Aber wie du schon sagtest: diese Ereignisse bilden eher ein Hintergrundrauschen.

Interessant ist aber, dass der Roman für dich offenbar auch ein Auf und Ab ist
Jaaaa. Ein Ab und Auf. Mal gucken, ob es jetzt so bleibt. Wäre mir sehr Recht;)
 

Die Häsin

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11. Dezember 2019
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Rhönrand bei Fulda
Beim 11. September dachte ich spontan an was anderes, die spezielle Bedeutung dieses Tages kannte ich auch nicht. Für Nicht-Katalanen ist die Passage mit dem Referendum wohl schwer zu verstehen (danke an @Christian1977 für die Erläuterung). An das Attentat erinnere ich mich aber gut und der typische Betroffenheitstourismus danach ist wohl auch bittere Wahrheit.

Mir geht's wie dem lieben Hexle, der LA hat mich gefesselt, streckenweise sogar begeistert. Speziell die Wendung mit der Familiendebatte im Krankenhaus fand ich geradezu genial. Hier gehts endlich mal nicht um ein finsteres Familiengeheimnis, das lange verschwiegen wurde und irgendwann auf den Tisch muss, sondern um etwas so viel Profaneres und Schwierigeres: einen kindischen Fehltritt aus einer Laune heraus, der bis ins Erwachsenenalter und die Folgegeneration einen Schatten wirft und alle Beziehungen einfärbt - ähnlich wie ein Gewürz in einer Suppe, das immer deutlicher den Geschmack dominiert, je öfter die Suppe aufgewärmt wird. (Die andere Geschichte, die etwas später herauskommt, die Verbindung zwischen dem Schneider und Biels und Onas Vater - wenn ich es richtig verstanden habe, wurde der Schneider ermordet wegen seiner Mitwisserschaft an den Machenschaften Camprubís? - das fand ich dagegen ziemlich überflüssig. Es sei denn, es kommt noch etwas nach, wofür diese Verbindung gebraucht wird ...?)

Ich bin nach diesem LA wirklich sehr angetan von dem Roman. Ein Fünfer wird es nicht, dafür hatte ich am Anfang zu viele Hänger, aber ein Vierer.

"Es gab kein Heldentum in dieser Suppe aus Gewalt ..." (S. 344).
Otero bringt oft vor wichtigen Wendepunkten einen längeren einführenden Absatz, in dem er immer wieder aufs Neue den Vergleich zwischen Leben und Roman aus dem Hut zieht. Diese Stellen gefallen mir oft sehr gut, diese zum Beispiel.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Ich bin mit den besten Absichten an die weitere Lektüre ran gegangen, aber nach einem kurzen Hochgefühl hat sich der vorige Überdruss wieder eingestellt.
Das Missverständnis von @Literaturhexle ist den wirren Ausführungen des Autors geschuldet. Wichtige Dinge gegen im allgemeinen Geschwurbel unter.
Das Buch ist zu geschwätzig, Wichtiges und Unwichtiges wird gleich ausgebreitet.
Ich muss leider schon wieder vergleichen. Nach McEwan werden hier die Mängel noch evidenter. McEwan schreibt klar und präzise, sein Aufbau ist wesentlich kunstvoller, trotzdem behält man als Leser den Überblick. Bei ihm lösen historische Ereignisse tiefgründige Reflexionen aus. Anders als hier.
Das richtige Adjektiv!
Den Mopedunfall während des Anschlags fand ich zu albern,
Kindisch!
Simon und Rico machen für mich keine wirkliche Entwicklung durch. Sie straucheln oder tänzeln durch ihr Leben, ohne was auf die Reige zu kriegen ( Rico ), ohne Verantwortung zu übernehmen oder eine Bindung einzugehen. Sie bleiben für mich die gleichen Träumer wie zu Beginn.
Beth ist Mutter geworden, angeblich ist Rico der Kindsvater. Beth ist eine tragische Figur. Sie wirkt versumpft, nimmt Drogen. Das Kind hält sich indessen bei ihrer Mutter auf.
Das arme Kind! Unverantwortlich von den Beiden. Schließlich sind sie keine 15 mehr und müssten wissen, wie Kinder zustandekommen und wie man das verhindert, wenn man als Eltern nichts taugt.
Hintergrundrauschen.
Ein Hintergrundrauschen ist mir zu wenig.
Otero bringt oft vor wichtigen Wendepunkten einen längeren einführenden Absatz, in dem er immer wieder aufs Neue den Vergleich zwischen Leben und Roman aus dem Hut zieht. Diese Stellen gefallen mir oft sehr gut, diese zum Beispiel.
Das sind die guten Stellen im Roman. Es gibt einige zitierfähige Sätze im Roman, die zeigen, was der Autor kann.
 

Die Häsin

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11. Dezember 2019
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Rhönrand bei Fulda
Das Buch ist zu geschwätzig, Wichtiges und Unwichtiges wird gleich ausgebreitet.
Ich sehe das genauso wie du, aber ich komme damit zurecht. In gewisser Weise rechne ich die "Schwafelhaltung" des Romans der traditionellen spanischen Erzählweise zu, die - bevor sie zum Punkt kommt - gern ein paarmal darum herumkreiselt. Das ist m.M.n. sogar bei so großartigen Stilisten wie Marias zu merken, obwohl sich Otero mit diesem natürlich nicht messen kann ( und ja auch ganz andere Erzählziele verfolgt).

Ich weiß nicht, ob ich es schon erzählt habe - ich hatte mehrmals bei Aufenthalten in Spanien Gelegenheit festzustellen, dass sich diese Grundhaltung auch mündliche Gespräche prägt. Wir haben, schon bevor unsere Töchter Spanisch gelernt haben, oft unsere Scherze gemacht über die Art der Spanier, endlos zu monologisieren, während ihre Gegenüber ganz ruhig zuhören, als gäbe es kein Morgen. Später hatte meine Jüngere Spanisch als Hauptfach und hat mir diesen Eindruck bestätigt. Die Maßstäbe, die Cervantes seinerzeit gesetzt hat, wirken bis heute. Ich finde diesen Gedanken faszinierend, deshalb verzeihe ich spanischen Erzählern vieles.

Dies nur am Rand, so allgemein gesagt ...
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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In gewisser Weise rechne ich die "Schwafelhaltung" des Romans der traditionellen spanischen Erzählweise zu,
Das habe ich nicht gewusst, aber leise vermutet. Vielen Dank für deine Ausführungen! (Du hast es, glaube ich, noch nicht erzählt. Aber ich würde es auch ein zweites Mal gelesen haben. Du stehst keinesfalls in der spanischen (schwafelnden) Erzähltradition;)).
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Ich sehe das genauso wie du, aber ich komme damit zurecht. In gewisser Weise rechne ich die "Schwafelhaltung" des Romans der traditionellen spanischen Erzählweise zu, die - bevor sie zum Punkt kommt - gern ein paarmal darum herumkreiselt. Das ist m.M.n. sogar bei so großartigen Stilisten wie Marias zu merken, obwohl sich Otero mit diesem natürlich nicht messen kann ( und ja auch ganz andere Erzählziele verfolgt).

Ich weiß nicht, ob ich es schon erzählt habe - ich hatte mehrmals bei Aufenthalten in Spanien Gelegenheit festzustellen, dass sich diese Grundhaltung auch mündliche Gespräche prägt. Wir haben, schon bevor unsere Töchter Spanisch gelernt haben, oft unsere Scherze gemacht über die Art der Spanier, endlos zu monologisieren, während ihre Gegenüber ganz ruhig zuhören, als gäbe es kein Morgen. Später hatte meine Jüngere Spanisch als Hauptfach und hat mir diesen Eindruck bestätigt. Die Maßstäbe, die Cervantes seinerzeit gesetzt hat, wirken bis heute. Ich finde diesen Gedanken faszinierend, deshalb verzeihe ich spanischen Erzählern vieles.

Dies nur am Rand, so allgemein gesagt ...
Interessanter Hinweis! Für mich ist das nichts.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Auch den Aufbau fand ich misslungen. Wie aus dem Nichts erzählt er die Geschichte des Vaters und Onkels von Simón. Das hätte ich mir ehrlich gesagt am Anfang gewünscht, um ein besseres Gespür für die Figuren zu bekommen.
Das ist wahr. Am Anfang hätte mich das auch interessiert.
Das Buch oder Miqui Otero wollen einfach zu viel auf einmal.
Was mich diesmal besonders stört, sind die Passagen über Bücher. "Romane sind merkwürdige Gebilde, die ihre Figuren in einen historischen Rahmen setzen, wo sie nicht unbedingt die Hauptrolle spielen". Diese ständige Rückkopplung hätte man gar nicht gebraucht, um nicht zu sagen, es stört mich sehr.
Ohne diese Bezüge wäre es halt ein Roman um zwei Familien gewesen, um zwei Außenseiter der unteren Schichten, die aber durchaus ein Klassenbewusstsein haben. MIt diesen Buchbezügen wird der Roman leider albern.
Simon ist doch erst 25. In diesem Alter könnte man noch einmal etwas neu aufbauen. Man muss nur anfangen damit. Begreife ich nicht.
Dann geht es auch nicht vorwärts, sondern rückwärts, ständig Rico, Ona, Candela und Estela.
Das Ganze wirkt destruktiv.
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Es plätschert dem Ende entgegen….
Es gab zwar einige Überraschungen, aber dennoch haut es mich nicht vom Hocker. Das Rico an einer Anämie leidet und die ganze Familie dann endlich ihr Schweigen bricht, hat mich nicht überzeugen können. Das einzig akute an dem Drama scheint zu sein, dass Simon und Estella nun doch wieder eng zusammenrücken. Sie wollen sich beruflich zusammen tun. Warum nicht? Ob ich Rico an deren Stelle mit ins Boot geholt hätte, weiß ich nicht. Ist ja vielleicht auch nur symbolisch, wenn er evtl. doch ernsthaft krank ist, wird er nur am Rande dort fungieren.
Das Simon sich durch die schrecklichen Ereignisse bei alten Freunden und Bekannten meldet, wirkte fast ein wenig so, als ob der Autor das Ende damit schönen möchte. Man wird sehen
 

Sassenach123

Bekanntes Mitglied
27. Dezember 2015
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hatte das Gefühl, als würde Miqui Otero hier auf Teufel komm raus die Rolle des "Chronisten" Barcelonas erfüllen wollen, der er laut Klappentext ja sein soll.
Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe von Anfang an auf etwas in dieser Hinsicht gewartet, bin über die Umsetzung nun aber maßlos enttäuscht. Mir hätte da auch ein wenig ein roter Faden geholfen, es war mir alles zuviel hin und her
Beth ist Mutter geworden, angeblich ist Rico der Kindsvater.
Sicher kann man sich momentan irgendwie noch nicht sein, ob das stimmt. Das sie ihren Simon genannt hat, hat mich ein wenig gewundert. Natürlich hat sie ihn früher mit Rico oft gesehen, und auch später immer mal wieder.
Dennoch war ich überrascht über diese Namensgebung
 

otegami

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17. Dezember 2021
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Wie aus dem Nichts erzählt er die Geschichte des Vaters und Onkels von Simón.
Ich fand das gut - erklärte es doch das Verhältnis der Brüder untereinander. Wenn ich mir vorstelle, unter diesen Umständen jeden Tag zusammenarbeiten zu müssen :p........ kein Wunder, dass sich da dann mit Alkohol (Wein, der immer wieder nachgeschenkt wurde) getröstet wurde. Ich konnte auch nachvollziehen, dass sie jetzt wieder ins Gespräch kommen! Sie nutzten den unvorhergesehenen Anlass! (Ohne den hätten sie es wahrscheinlich nie geschafft!)
Rico zeigt sich äußerst selbstmitleidig, dabei ist er im Grunde selbst schuld an seinem verkorksten Leben. Ein gemeinsames Projekt mit Estela und ihm scheint mir zum Scheitern verurteilt.
Oh ja, da sehe ich auch schwarz! :rolleyes:
Aktuelle Ereignisse werden in den Roman gekonnt eingeflochten. Es werden die Gefühle deutlich, die in einer Stadt herrschen, die einem willkürlichen Attentat zum Opfer fiel - jeden hätte es treffen können, auch Simon!
Das fand ich auch gut! Auch die Führung durch Barcelona - ich war noch nie dort und finde sowas immer äußerst interresant!
Beth ist Mutter geworden, angeblich ist Rico der Kindsvater. Beth ist eine tragische Figur. Sie wirkt versumpft, nimmt Drogen. Das Kind hält sich indessen bei ihrer Mutter auf. Trostlos wirkt das auf mich. Diese Dialoge vor ernstem Hintergrund gefallen mir. Sie sind sehr atmosphärisch gestaltet.
Bei Beth steige ich überhaupt nicht durch: sie müsste doch - so wie sie beschrieben ist - andere Chancen haben als Rico! :rolleyes: (Sorry, aber den hätte ich nicht mal mit spitzen Fingern angelangt!)
Was mir für ein Gedanke kam: also Simón ist (wenn ich richtig gerechnet habe) 33/34 Jahre alt. Beth war 10 Jahre älter. Sie ist also 43, 44. War es Torschlusspanik, dass sie sich auf eine Schwangerschaft einließ, so nach dem Motto: sonst erlebe ich sowas nicht mehr? :monocle Und als erfolgreiche Immobilienmaklerin dachte sie, das Kind kriegt sie schon alleine groß?

Und wer muss die 'Suppe' wieder einmal auslöffeln? Das Kind .............. und ihre Eltern! (Die werden bestimmt nicht gejubelt haben. (Schon gar nicht am Anfang!) Aber im Sinne des Kindes 'spielen' sie natürlich mit und werden vielleicht sogar dann entzückt sein, dass sie wieder sowas Kleines, Putziges im Arm halten dürfen.
Wir haben, schon bevor unsere Töchter Spanisch gelernt haben, oft unsere Scherze gemacht über die Art der Spanier, endlos zu monologisieren, während ihre Gegenüber ganz ruhig zuhören, als gäbe es kein Morgen. Später hatte meine Jüngere Spanisch als Hauptfach und hat mir diesen Eindruck bestätigt. Die Maßstäbe, die Cervantes seinerzeit gesetzt hat, wirken bis heute. Ich finde diesen Gedanken faszinierend, deshalb verzeihe ich spanischen Erzählern vieles.
Vielen Dank für diese erhellende Erklärung! :joy
Das Simon sich durch die schrecklichen Ereignisse bei alten Freunden und Bekannten meldet, wirkte fast ein wenig so, als ob der Autor das Ende damit schönen möchte.
Ich finde das ganz natürlich, denn die hatten sich ja auch alle bei ihm gemeldet, als das Attentat auf der Rambla geschah. (Das erinnerte mich so an den Anschlag im Juli 2016 im Einkaufszentrum in München: Eine Freundin unserer Tochter, die nicht weit davon entfernt wohnt, erzählte danach, dass bei ihr pausenlos sich Freunde meldeten, die wissen wollten, wie es ihr ginge. Ich musste ja auch sofort an sie denken! ;) )
Und ja, nach so einem Erlebnis merkt wahrscheinlich jeder, wie schnell alles zu Ende sein kann!
 

parden

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13. April 2014
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Niederrhein
www.litterae-artesque.blogspot.de
Der Roman und ich - das geht nicht zusammen. Ich fühle mich gelangweilt, schleiche durch die Seiten, finde nichts von Belang. Hier muss alles mit reingestopft werden, was irgendwie (jemals) zu Barcelona gehört (hat), etwaige Anspielungen verstehe ich aus Unkenntnis womöglich auch nicht. Es tut mir leid, ich mag auch nicht mehr dazu schreiben, bin einfach nur froh, wenn der Roman dann bald ein Ende hat. Ich staune hier über auch angetane Stimmen, sehe aber mal wieder, wie unterschiedlich Leseerlebnisse sein können.
 

luisa_loves-literature

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9. Januar 2022
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1.634
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Kompletter Stillstand und große Überflüssigkeit in diesem Abschnitt. Ich habe wirklich eine hohe Toleranzgrenze beim Lesen, aber hier zerfasert alles. Was soll das Ganze? Wie @Wandablue bin ich am allermeisten von den pseudo-hochtrabenden Ergüssen zu Literatur genervt. Das ist alles 1. Semester Einführung und jedem Leser, der mindestens drei anspruchsvolle Bücher in seinem Leben gelesen hat, auch so bereits bekannt. Ich komme gegen den "Genieverdacht gegen sich selbst", der im Erzählstil mitschwingt nur noch sehr schwer an. Für mich entsteht der Eindruck, dass hier einfach mal alles ausprobiert und eingebaut wird...und warum? Na, weil er es kann (glaubt er zumindest).

Für mich bleibt als Resultat die unverzeihliche gähnende Langeweile...das sollte Literatur allerdings dann wirklich nicht erzeugen, Unterhaltung ist auch eine Qualität. Für mich ist leider wie bei @parden der Punkt erreicht, wo ich mich freue, dass das Ende in Sicht ist, auch wenn ich mich ganz ehrlich nicht einmal mehr dafür interessieren kann, wie das Ende gestaltet wird...
 

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
15.545
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Für mich bleibt als Resultat die unverzeihliche gähnende Langeweile...das sollte Literatur allerdings dann wirklich nicht erzeugen, Unterhaltung ist auch eine Qualität.
Ich kann euren Standpunkt grundsätzlich nachvollziehen. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass es den wenigsten Romanen gut tut, sie über einen wirklich langen Zeitraum gedehnt zu lesen. Der ein oder andere Bezug geht dabei verloren - gerade wenn wie hier nicht aus einem Guss erzählt wird.

Natürlich bedingt das eine (die Langeweile) das andere (das gedehnte Lesen);).

Ich habe den Roman ja an einem Stück genossen und vielleicht auch dadurch manches anders empfunden.