5. Leseabschnitt: ANTON (Seite 293 bis Ende)

Querleserin

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30. Dezember 2015
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Wadern
querleserin.blogspot.com
Wie nicht anders zu erwarten, stirbt in diesem letzten LA Anton, ebenfalls tragisch, denn er nimmt sich das Leben. Inzwischen ist es 2018 (Zuma tritt als Präsident ab).
Zu Beginn werden wir Zeuge, dass es seit Astrids Beerdigung mit ihm bergab gegangen ist - finanziell steht er vor dem Ruin und auch seine Ehe ist zerstört. Inzwischen weiß er auch, dass es an ihm liegt, dass die Ehe kinderlos geblieben ist. Wir begleiten Anton an seinem letzten Tag - Saufen in einer Kneipe, er trifft einen ehemaligen Bekannten, der ihn langweilt, weil er ein geordnetes Leben führt, er schmiert eine Polizistin, die ihn betrunken erwischt und letztlich trifft er auf der Farm ein und es kommt zu Handgreiflichkeiten mit dem Yogalehrer seiner Frau - Moti.
Als er nachts Geräusche nimmt, schnappt er sich das alte Gewehr seines Vaters und dort draußen hat er die Erkenntnis
nur ein Statist zu sein in diesem Stück (seinem Leben). Er kann den Gedanken nicht ertragen, in sein Haus und in sein Leben zurückzukehren, es überzustreifen wie ein zerschlissenes Hemd, das er achtlos hat zu Boden fallen lassen." (311)
Desirée fühlt sich tatsächlich verantwortlich für Antons Tod, sie macht sich vor allem Gedanken, was die anderen sagen werden. Und erneut muss eine Beerdigung organisiert werden, doch Anton hat vorgesorgt. Kein Brimborium - nach einer jüdischen und zwei christlichen Beerdigungen spricht dieses Mal ein Yogi, der an das Leben nach dem Tod glaubt. Es ist eine echt skurrile Beerdigung, wenn die Versammelten sich bemühen Positives über Anton zu sagen. Interessant ist auch, dass Galgut jedes Mal von denen erzählt, die die Leiche herrichten oder wie im letzten Fall verbrennen.
Amor ist nicht anwesend, Desirée kann sie nicht erreichen. Salome hingegen kennt ihre Nummer, doch sie hat niemand gefragt - immer noch unsichtbar. Sie informiert Amor, über deren ärmliches Leben - sie pflegt immer noch Mensch, opfert sich auf - wir kaum etwas erfahren. Sie handelt aus Güte, verbrennt innerlich. Sie bleibt distanziert.
Doch sie kehrt ein letztes Mal auf die Farm zurück, um ihr Versprechen einzulösen. Nach der Beschreibung des Hauses, das jetzt Salome gehören wird, oder vielleicht auch nicht, wenn andere Ansprüche geltend gemacht werden, stellt sich die Frage, ob es ihr noch nutzt. Ist es nicht nichts oder ist es nichts, wenn man Lukas Glauben schenken soll, in dessen Ansprache "Weiße Frau" offenbaren, dass die Gesellschaft weit entfernt von Versöhnung ist und die Risse und Wunden, die sich an seinem Körper abzeichnen, auch die Gesellschaft Südafrikas symbolisieren.
Und da ist noch Antons Roman - der uns etwas über Anton erzählt und implizit beschreibt Galgut auch seinen eigenen Roman:
Namen und Details ändern sich von einem Absatz zum anderen (...) Ist das eine Familiensaga oder ein Farmroman? (...) Die verschiedenen Lebensphasen des Mannes, erzählt im Abstand von jeweils ungefähr 10 Jahre, sollen seine Entwicklung zum erwachsenen Mann nachzeichnen (S.347)
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Salome bekommt das Grundstück, aber eigentlich zu spät, wie Lukas sehr richtig anmerkt plus dass er ein paar klärende allgemeine Worte über die Berechtigung des Landbesitzes der Weißen hält. Haha. Das ist alles nicht soo einfach. Denken wir an die Aboriginies in Australien oder die Einheimischen in Südamerika, in Amerika das Indianerland, an Adam und Eva in Ägypten. Wie weit will man zürückgehen mit den Ansprüchen? Im Prinzip müsste mal alles neu verteilen. Das wird aber nie geschehen.

Gut. Um ein Haar habe ich gedacht, der Autor macht es wahr, und erschlägt Amor mit einem Blitzschlag. Vllt hätte mir das gefallen!

Ja, und Anton. Hm. Der hat alles verloren. Das stimmt schon. Aber noch immer hätte er das Ruder rumreißen könnnen. Dazu aber hätte er sich verändern müssen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Leider ist Anton dann doch die tragische Figur geblieben, zu der er sich schon in den Jahren davor entwickelt hatte. Schade, er hätte so viel Potenzial gehabt, wie auch Payne es richtig erkannte.

Die Geschichte mit dem unvollendeten Roman hat mich traurig gemacht, auch der Roman selbst. Hier sind seine Selbstzweifel, ist sein Scheitern sehr gut zu spüren.

Das Haus selbst versinnbildlicht den Verfall der Familie Swart sehr gut. Alles verkommt, verfällt, letztlich wird es eventuell ganz verschwinden wie die Familie selbst.

Ertappt fühlte ich mich, als der Erzähler darauf hinwies, wir hätten nicht nach Salomes Herkunft gefragt. In der Tat hatte ich das nicht, sah über weite Strecken überwiegend nur die Familie. Hier fühlte ich mich durch das "Du" so direkt angesprochen wie nie zuvor.

Das Finale fand ich stimmig in Bezug auf das Versprechen und berauschend hinsichtlich des großen Regens, der alles verwischt. Konsequent und traurig, dass Antons Asche anders als geplant in der Regenrinne festhängt...
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Inzwischen weiß er auch, dass es an ihm liegt, dass die Ehe kinderlos geblieben ist.
Ein Zeichen dafür, dass für Galgut die Zukunft Südafrikas bei der Schwarzen Bevölkerung liegt. Die weiße Welt ist am Untergegen.
Interessant ist auch, dass Galgut jedes Mal von denen erzählt, die die Leiche herrichten oder wie im letzten Fall verbrennen.
Dabei zeigt er einerseits die Kontinuität und gleichzeitig die Veränderung. Gut gemacht!
Ist es nicht nichts oder ist es nichts, wenn man Lukas Glauben schenken soll, in dessen Ansprache "Weiße Frau" offenbaren, dass die Gesellschaft weit entfernt von Versöhnung ist und die Risse und Wunden, die sich an seinem Körper abzeichnen, auch die Gesellschaft Südafrikas symbolisieren.
Hier wird der Roman unglaublich politisch. Das Versprechen, ursprünglich gegeben von Rachel und dann weiter in Erinnerung gerufen von Amor - den zwei Figuren, die positiv besetzt sind. Doch obwohl Amor als eine unglaublich altruistische Person geschildert wird, die sich aufopferungsvoll für andere einsetzt, ist sie zu schwach ( oder vergisst/ verdrängt es einfach ) , das Versprechen einzulösen. Also: die „ guten“ Weißen Südafrikas haben letztendlich zu wenig getan, um das jahrhundertelange Verbrechen an der schwarzen Bevölkerung gutzumachen. Für die jungen Schwarzen kommt es zu spät. Ihre früheren Hoffnungen haben sich nicht erfüllt .( Lukas hat nicht studiert, sondern war mehrmals im Gefängnis, hat Narben von zahlreichen Auseinandersetzungen und ist am Ende.)
Und da ist noch Antons Roman - der uns etwas über Anton erzählt und implizit beschreibt Galgut auch seinen eigenen Roman:
Wieder genial, wie Galgut selbstironisch seinen Roman auseinandernimmt.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Wie nicht anders zu erwarten, stirbt in diesem letzten LA Anton, ebenfalls tragisch, denn er nimmt sich das Leben. Inzwischen ist es 2018 (Zuma tritt als Präsident ab).
Zu Beginn werden wir Zeuge, dass es seit Astrids Beerdigung mit ihm bergab gegangen ist - finanziell steht er vor dem Ruin und auch seine Ehe ist zerstört. Inzwischen weiß er auch, dass es an ihm liegt, dass die Ehe kinderlos geblieben ist. Wir begleiten Anton an seinem letzten Tag - Saufen in einer Kneipe, er trifft einen ehemaligen Bekannten, der ihn langweilt, weil er ein geordnetes Leben führt, er schmiert eine Polizistin, die ihn betrunken erwischt und letztlich trifft er auf der Farm ein und es kommt zu Handgreiflichkeiten mit dem Yogalehrer seiner Frau - Moti.
Als er nachts Geräusche nimmt, schnappt er sich das alte Gewehr seines Vaters und dort draußen hat er die Erkenntnis

Desirée fühlt sich tatsächlich verantwortlich für Antons Tod, sie macht sich vor allem Gedanken, was die anderen sagen werden. Und erneut muss eine Beerdigung organisiert werden, doch Anton hat vorgesorgt. Kein Brimborium - nach einer jüdischen und zwei christlichen Beerdigungen spricht dieses Mal ein Yogi, der an das Leben nach dem Tod glaubt. Es ist eine echt skurrile Beerdigung, wenn die Versammelten sich bemühen Positives über Anton zu sagen. Interessant ist auch, dass Galgut jedes Mal von denen erzählt, die die Leiche herrichten oder wie im letzten Fall verbrennen.
Amor ist nicht anwesend, Desirée kann sie nicht erreichen. Salome hingegen kennt ihre Nummer, doch sie hat niemand gefragt - immer noch unsichtbar. Sie informiert Amor, über deren ärmliches Leben - sie pflegt immer noch Mensch, opfert sich auf - wir kaum etwas erfahren. Sie handelt aus Güte, verbrennt innerlich. Sie bleibt distanziert.
Doch sie kehrt ein letztes Mal auf die Farm zurück, um ihr Versprechen einzulösen. Nach der Beschreibung des Hauses, das jetzt Salome gehören wird, oder vielleicht auch nicht, wenn andere Ansprüche geltend gemacht werden, stellt sich die Frage, ob es ihr noch nutzt. Ist es nicht nichts oder ist es nichts, wenn man Lukas Glauben schenken soll, in dessen Ansprache "Weiße Frau" offenbaren, dass die Gesellschaft weit entfernt von Versöhnung ist und die Risse und Wunden, die sich an seinem Körper abzeichnen, auch die Gesellschaft Südafrikas symbolisieren.
Und da ist noch Antons Roman - der uns etwas über Anton erzählt und implizit beschreibt Galgut auch seinen eigenen Roman:
Sehr gute Zusammenfassung!
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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erschlägt Amor mit einem Blitzschlag. Vllt hätte mir das gefallen!
Gut, dass er es nicht gemacht hat.
Ja, und Anton. Hm. Der hat alles verloren. Das stimmt schon. Aber noch immer hätte er das Ruder rumreißen könnnen. Dazu aber hätte er sich verändern müssen
Ja, dazu müsste sich die weiße Bevölkerung Südafrikas ändern. Aber es ist verdammt schwer, über seinen Schatten zu springen. Anton war intelligent und hat sich trotzdem was vorgelogen, sich mit den falschen Leuten zusammengetan usw.
Das Haus selbst versinnbildlicht den Verfall der Familie Swart sehr gut. Alles verkommt, verfällt, letztlich wird es eventuell ganz verschwinden wie die Familie selbst.
Wieder eine politische Aussage. Ohne dass Galgut explizit auf politische Dinge eingehen muss. Der Roman liest sich für mich als eine Parabel auf die südafrikanisch Gesellschaft.
Konsequent und traurig, dass Antons Asche anders als geplant in der Regenrinne festhängt..
Und zeigt die Art von Humor, die Galgut an den Tag legt. Große, theatralische Gesten versanden in der kläglichen Realität.
 

Querleserin

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30. Dezember 2015
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Wieder eine politische Aussage. Ohne dass Galgut explizit auf politische Dinge eingehen muss. Der Roman liest sich für mich als eine Parabel auf die südafrikanisch Gesellschaft.
Das hast du gut gesagt. Die Familie und deren Zerfall spiegelt die gesellschaftlichen Verhältnisse wider. Auch im Verhalten gegenüber Salome, Amor ist zu schwach, das Versprechen kommt zu spät. Kann es eine Versöhnung in dieser Gesellschaft geben, ist eine Frage, die am Ende des Romans steht.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Hier sind seine Selbstzweifel, ist sein Scheitern sehr gut zu spüren
Ja. Man spürt den autobiografischen Anteil sehr gut. Ebenso wir die stilistischen Parallelen zu "das Versprechen"

Das Haus selbst versinnbildlicht den Verfall der Familie Swart sehr gut. Alles
Unbedingt. Die Symbolik ist überwiegend sehr stimmig und atmosphärisch gelungen.

berauschend hinsichtlich des großen Regens, der alles verwischt. Konsequent und traurig, dass Antons Asche anders als geplant in der Regenrinne festhängt...
Diese Szenen sind einfach wunderbar gelungen. Der Roman bleibt sehr glaubwürdig bis zum Ende. Alles passt da zusammen.
Also: die „ guten“ Weißen Südafrikas haben letztendlich zu wenig getan, um das jahrhundertelange Verbrechen an der schwarzen Bevölkerung gutzumachen. F
Schön beobachtet! Amor ist also ein Typ. So kann ich auch ihre Tätigkeit als selbstlose Krankenschwester viel besser verstehen.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Wie meinst du das genau?
Amor steht für die guten Weißen, die sich schämen, sich in irgendeiner Form aufopfern, aber dennoch nicht wirklich etwas tun, um die Lage der Schwarzen zu verbessern. Sie ist ein schwacher Mensch, hat zwar Prinzipien für sich selbst, ist nach außen jedoch durchsetzungsschwach. Das meinte ich mit Typ oder Platzhalter. Es gibt einen besseren Begriff, der fällt mir nicht ein ;)
 

Wandablue

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18. September 2019
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Amor steht für die guten Weißen, die sich schämen, sich in irgendeiner Form aufopfern, aber dennoch nicht wirklich etwas tun, um die Lage der Schwarzen zu verbessern. Sie ist ein schwacher Mensch, hat zwar Prinzipien für sich selbst, ist nach außen jedoch durchsetzungsschwach. Das meinte ich mit Typ oder Platzhalter. Es gibt einen besseren Begriff, der fällt mir nicht ein ;)
Das wollte ich schon mal sagen, jetzt fällt es mir wieder ein: Amor opfert sich nicht auf. Sie ist Krankenschwester. Das ist ein ganz normaler Beruf. Was sie sonst noch tut, wissen wir nicht. Der Autor schreibt, sie hat dann und wann geliebt. Aber mehr verrät er uns nicht.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Sie ist Krankenschwester
Sie scheint sich aber doch seit ihrem Weggang aus dem Krankenhaus um die Armen der Armen (die Stinkenden usw.) zu kümmern. Außerdem lebt sie in extrem bescheidenen Verhältnissen, verzichtet auf das (ihr zustehende) Erbe, das ihre eigenen Verhältnisse deutlich bessern würde. Ich sehe da schon, gerade im Vergleich zu den anderen Weißen, die wir kennenlernen, eine große Bereitschaft zu verzichten und zu helfen.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Ich hatte gestern Tennistag und komme daher erst jetzt dazu, euch meine Eindrücke vom letzten LA zu schildern.

Mit dem Selbstmord, der auf mich eher wie eine Kurzschlussreaktion wirkt, hadere ich ein wenig. Anton ist zwar ein Säufer, doch habe ich in seinem Denken und Handeln bislang keine suizidalen Tendenzen erkennen können. Allerdings sind wir auch nur rund alle10 Jahre anwesend. Sein finaler Absturz wird allerdings wieder super beschrieben. Hat ihm der Mord an dieser Frau schon als 19-jährigem das Rückgrat so nachhaltig gebrochen? Dadurch meinte er fliehen zu müssen und gab seine Uni-Pläne auf...
Die Einblicke in seinen "Roman" empfinde ich als erhellend, dazu habt ihr schon einiges gesagt.

Ganz nebenbei lernen wir viel über den Staatsapparat: Die Polizistin, die sich schmieren lässt, der Polizeiarzt, der den Selbstmord und die Ermittlungen flach hält, wenn man Beziehungen hat, der Strom, der laufend ausfällt (auf dem Land wie in der Stadt) u.v.m.
Sehr intensiv auch beschrieben die Wasserknappheit nach der Dürre: sehr viele Bilder, bei denen es einem kalt den Rücken runter läuft.

Amor hat das KKH verlassen. Behandelt sie jetzt Obdachlose?
Auf den Gehsteigen, unter Brücken, an Ampeln, die wachsende Schar der Kaputten und Verbrauchten und Versehrten, die ihre Wunden zur Schau tragen (Bettler?). Du tust, was du kannst, ein Kleidungsstück oder ein Teller mit Essen, doch sie sind ohne Zahl, und ihre Not kennt kein Ende, und Amor ist inzwischen zu Tode erschöpft. 322
@Wanda: Für mich klingt das klar nach Aufopferung;)

Ein Höhepunkt das Zusammentreffen von Amor mit Lukas! Hier entlädt sich seine gesamte jahrelange Unterdrückung, seine erlittenen Demütigungen. Er setzt Amor zurecht und den Schuh muss sie sich auch anziehen. Erst nach 30 Jahren kommt sie auf die Idee, mit ihrem Geld Not zu lindern. Unabhängig von dem Grundstück hätte sie Salome schon längst helfen können!

Grandios beschrieben auch das Verhältnis zwischen Amor und Salome:
Sie stehen sich nah und doch auch nicht. Sie sind verbunden und doch auch nicht. Eine der selsamen, simplen Fusionen, die siedes Land zusammenhalten. Manchmal nur so eben. 360
Die Asche, der Regen, Amors Blick auf den Ort ihrer Kindheit: Sehr beeindruckende Bilder, die der Autor vor uns ausbreitet.
 

Emswashed

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9. Mai 2020
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Anton ist zwar ein Säufer, doch habe ich in seinem Denken und Handeln bislang keine suizidalen Tendenzen erkennen können.

Wohl nicht, aber dass er von jetzt auf gleich eine unbändige Wut in sich spürte, das wurde mehrmals erwähnt. Vielleicht war es diese Wut in Verbindung mit dem Alkohol. Als er die Frau erschoss, war er wütend, und nun erschießt er sich selbst, weil niemand sonst da ist.


Ihr Lieben, ihr habt ja schon alles zum letzten LA gesagt und mir bleibt nur noch Amor. Sie startete mit ihrer Menarche und endet hier mit ihrer Menopause. Sie war die einzige Zeugin des Versprechens und bleibt allein übrig, um es einzulösen. Meine ganze Hoffnung lag bei ihr und nun bin fast ein wenig enttäuscht, dass sie "nur" die Geschichte zusammenhält, aber kaum daran teilnimmt. Sie bleibt fast so unsichtbar wie Salome, nur dass sie vom Blitz getroffen wurde, aber was es mit ihr gemacht hat, bleibt dem Leser zur Spekulation.

Antons Buch ist auch ein Circelschluss auf Galgut, sein schelmisches Augenzwinkern ist nicht zu überlesen. Überhaupt hatte ich am Ende das Gefühl eines vorsichtigen Friede-Freude-Eierkuchen-Finals mit starken Einschränkungen, weil alles ist kaputt, keiner ist wirklich glücklich und eigentlich möchte man doch wissen, wie es weitergeht.
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Überhaupt hatte ich am Ende das Gefühl eines vorsichtigen Friede-Freude-Eierkuchen-Finals mit starken Einschränkungen, weil alles ist kaputt, keiner ist wirklich glücklich
Ich musste etwas schmunzeln, weil deine genannten Einschränkungen so ziemlich das Gegenteil von Friede-Freude-Eierkuchen definieren. In Wahrheit musste ich sogar lachen. Dennoch weiß ich, was du meinst. ;)

Ich habe es aber nicht so empfunden. Amor kann zumindest ein wenig ihren Frieden machen, aber ich hatte eher das Gefühl, selbst das Finale misslingt ihr - das Verstreuen der Asche. Vielmehr passt das aber zu Antons verkorkstem Leben.

Ich musste gestern noch einige Male an die Trauerfeier denken und an dieses Gedicht, das gar nicht Anton mochte, sondern irgendein anderer Mann und das dann trotzdem rezitiert wurde. Weil Anton verwechselt wurde.

Ich finde das so unglaublich traurig! Und wundere mich über mich selbst, dass ich diese Stelle gestern nicht hervorgehoben habe. Zusammen mit der Asche-Szene und der Begegnung mit Payne und diesem Dialog (Der Roman ist fast fertig...) macht das aus Anton eine der tragischsten Figuren der Gegenwartsliteratur. Mensch, Anton, ey!!! Ich fand ihn gar nicht zu 100 Prozent sympathisch, aber die Figur lässt mich nicht mehr los.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Ich fand ihn gar nicht zu 100 Prozent sympathisch,
Ich hoffe, du kommst nicht mal in die Nähe von 100 Prozent... Sonst müsste ich mir Gedanken machen :p

Zusammen mit der Asche-Szene und der Begegnung mit Payne und diesem Dialog (Der Roman ist fast fertig...) macht das aus Anton eine der tragischsten Figuren der
Ja. Aber. Jeder ist seines Glückes Schmied. Anton hatte eigentlich gute Voraussetzungen von Haus aus. Er hat nichts daraus gemacht. Schicksalhaft gewiss seine Wut und der Schuss auf die Frau.
Sehr schön, wie du nochmal das missratene Finale schilderst. Hier passt eins zum anderen und das macht den Roman zum Hochkaräter!

Sie startete mit ihrer Menarche und endet hier mit ihrer Menopause.
Gut gesehen! Und wie ein Mann die Hitzewellen beschreiben kann! Für alle (noch) Unwissenden: genau so fühlen sie sich an;)
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Ich hoffe, du kommst nicht mal in die Nähe von 100 Prozent... Sonst müsste ich mir Gedanken machen :p
Naja, ich bin so bei 83,6 Prozent. ;) Aber die Figur hat mich auf jeden Fall am meisten beschäftigt.
Jeder ist seines Glückes Schmied. Anton hatte eigentlich gute Voraussetzungen von Haus aus.
Jep, aber ihm fehlte das richtige Werkzeug. Geboren in einer rassistischen Gesellschaft, ungeliebt in einer furchtbaren Familie, in der dein eigener Vater schon einmal deinen Namen vergisst...

Deswegen finde ich auch nicht, dass er gute Voraussetzungen hatte. Er hatte nur die notwendige Intelligenz und das Geld, aber entscheidende Werte wurden ihm nicht vorgelebt. Weder von der Familie, noch von der Gesellschaft. Ein junger Mann, der in einen unsinnigen Krieg ziehen musste.

Hinzu kommen übrigens die zahlreichen schrecklichen Begebenheiten, die Galgut gar nicht ausformuliert, sondern als bewusste Leerstellen lässt.