5. Leseabschnitt: "1868 - Nagasaki, Urakamis vierter Sturz" bis "Der Anführer (Ende Teil 2)" (Seite 315 bis Seite 408)

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
19.874
51.411
49
Da war das Objekt der Begierde ein Revolver, diesmal ist es eine Trompete.
Ich gebe zu, dass ich die Details nicht mehr im Kopf habe, aber war der Prota nicht per Zufall an eine Pistole gekommen und fühlte den Zwang jemanden umzubringen? Für mich sind diese Krimi/Thrillerelemente hängen geblieben gepaart mit Außergewöhnlichkeit, Surrealismus und Kuriosität. Zu Anfang habe ich genau das hier auch vorgefunden. Dann ging es in die Vergangenheit...
 
  • Like
Reaktionen: Emswashed

Julea56

Aktives Mitglied
7. Juli 2023
206
834
44
46
Vor allem die Frage, warum es dieser zweiten Bombe bedurfte, wo die Konsequenzen doch so eindeutig mit Hiroshima belegt waren.
Mich hat dieser Leseabschnitt auch regelrecht gequält. Und wie der Autor, versteckt hinter seinem Ich-Erzähler, erklärt, ist genau das seine Absicht, nämlich keinen Roman zu schreiben, der den Heile-Welt-Glauben bedient. Ich finde es tatsächlich schrecklich, so schonungslos mit den Härten der Welt konfrontiert zu sein. Und natürlich ist auch diese Art der Darstellung nur eine Seite, während viel Gutes unerwähnt bleibt.
Interessant ist es allemal, denn ich wusste bislang gar nichts über Christen bzw. deren Verfolgung in Japan. Und auch diese Sichtweise auf den Abwurf der Atombombe ist mir neu.
 

Julea56

Aktives Mitglied
7. Juli 2023
206
834
44
46
Zwischen all den schrecklichen geschichtlichen Berichten und den auch zynischen Passagen über den Sektenführer findet sich doch auch immer wieder etwas Positives. So fand ich z.B. dieses Zitat ganz interessant, dass der Onkel von Kenji ihm mit auf den Weg gibt und womit er seine seltsamen Gewaltfantasien in den Griff bekommen kann:

Leb, auch wenn du schmutzig bist, auch wenn du verschoben bist. Alles auf dieser Welt ist wertvoll. Seite 354

Und diesen Gedanken, dass jeder wertvoll ist, entnimmt Nakamura, wie er zuvor erklärt hat, dem Christentum.
 

Julea56

Aktives Mitglied
7. Juli 2023
206
834
44
46
Ich habe das Nachwort gelesen und man merkt wirklich ganz deutlich die beiden Vorbilder Nakamuras: Dostojewskji und Kafka: Darstellen der brutalen Realität und der dunklen Seiten, aber auch guter Menschen, die aber in der Minderheit sind. Und von Kafka stammen die surrealen Elemente. Ohne die wäre der Roman stellenweise auch eher eine Art Reportage. Hier merkt man auch sehr, dass der Autor (und Kenji selbst) Journalist ist.
 

Julea56

Aktives Mitglied
7. Juli 2023
206
834
44
46
Steht die Trompete für den Glauben, die Freiheit, die Liebe, dafür dass alle Menschen, egal welchen Glaubens, welcher Ideologie, wertvoll sind?
Nachdem ich das Nachwort gelesen habe, dachte ich auch, dass die Trompete stellvertretend für Kunst aller Art, insbesondere für solche, die die Welt zu einem besseren Ort machen will, stehen könnte.